FAKTIZITÄT

Fáctico

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Modus / Modalität

 

Faktizität - Fáctico / facticidad

Faktizität (von lat. factum, getan, gemacht)

1.      Bezeichnung dafür, dass etwas, das logisch nicht notwendig ist, faktisch vorliegt; Existenz; Tatsache.

2.      Von Heidegger und Sartre in dem Sinn verstanden, dass der Mensch zwar als verstehendes und handelndes Individuum faktisch existiert, aber nicht Herr dieser Existenz, sondern in sie «geworfen» ist. Zur Faktizität gehört auch die Begrenztheit (Endlichkeit) von Verstehen und Freiheit. Weil die Faktizität alles Verstehen prägt, kann der Mensch nie hinter sie zurückgehen oder sie als Gegenstand untersuchen. Die Faktizität des Menschen unterscheidet sich deshalb radikal von der Weise, wie ein Gegenstand faktisch vorliegt.“

[Hügli, A. / Lübcke, P. (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 181]

Faktizität bei Heidegger:

Tatsächlichkeit des Faktums Dasein: SuZ 56.

Der Begriff der Faktizität beschließt in sich: das In-der-Welt-sein eines „innerweltlich“ Seienden, so zwar, dass sich dieses Seiende verstehen kann als in seinem „Geschick“ verhaftet mit dem Sein des Seienden, das ihm innerhalb seiner Welt begegnet (SuZ 56).

Mitunter scheint es, als sei Faktizität eigentliches Dasein:

Von ihm selbst als faktischem In-der-Welt ist das Dasein als verfallendes schon abgefallen (SuZ 176).

Dann wieder erscheint die Faktizität gerade als die Verfallenheit. Über das Faktum der Geworfenheit schreibt Heidegger:

Zu dessen Faktizität gehört es, dass das Dasein, solange es ist, was es ist, im Wurf bleibt und in die Uneigentlichkeit des Man hineigewirbelt wird (SuZ 179).“

[http://www.borishennig.de/texte/heidi/SuZ/fakt.htm]

Faktizität und Reflexion:

„Auf die eigentümliche Perspektivität der Philosophie weist Grisebach in seinem zweiten Brief an Gogarten vom 4. Juni 1921 hin, wenn er schreibt: „Jedes philosophische System, das einen Begriff der Welt anbietet und deshalb in der Sphäre des umfassenden Gedankens bleiben muss, setzt eine unendliche Erfahrung, ein Erlebnis voraus, das sich gedanklich als Nichtwissen und Fragen nach einer transzendenten absoluten Gegebenheit darstellt.“

In der zitierten Stelle spricht Grisebach von einer Differenz der Sphäre des umfassenden Gedankens und einem Erlebnis als Nichtwissen. Diese Differenz kann man verstehen als Differenz von Faktizität und Reflexion, die für jedes Denken konstitutiv ist und welche in jedem Gedanken schon in Anspruch genommen ist. Freilich ist diese Differenz dem lebensweltlichen Wissen nicht bewusst, da sie sich nur in der philosophischerseits getätigten Reflexion erschließt. Vergegenwärtigt sich nämlich in der Reflexion das Denken selbst, so stößt es auf den paradoxen Sachverhalt, dass es sich in dieser Reflexion immer schon in Anspruch nehmen muss und damit die Faktizität seiner selbst nicht wieder durch die Reflexion erschließen kann. Da die Philosophie in ihrem Vollzug diese Faktizität des Denkvollzuges immer schon beanspruchen muss, und diese nicht mit der Reflexion oder dem Begriff zur Deckung kommt, so ist dies ein Indiz dafür, dass das Absolute des Wissens dem Wissen immer entzogen ist und bleibt. Die Philosophie kann daher nur nach dem Absoluten fragen. Ihr Fragen nach dem Absoluten weiß jedoch um die Differenz von Faktizität und Reflexion und um die Nichtreduzierbarkeit beider Aspekte.

Die hier angedeutete Unergründbarkeit des Denkens für das Denken besagt nun, dass es sich immer schon als gegeben hinnehmen muss, da es sich selbst nicht begründen kann. Dies bedeutet jedoch im Verständnis Grisebachs, dass es glauben muss, wobei dieser Glaube die bleibende Verborgenheit des Denkvollzuges als Grund des Denkens namhaft macht. Damit meldet sich in der Philosophie eine Dialektik von Wissen und Glauben.

Als Strukturform der Philosophie ergibt sich somit eine Differenz von Faktizität und Reflexion, die sich durch die Reflexion erschließt.

Doch wie sieht nun die strukturelle Verfasstheit der Theologie aus, und wie unterscheidet sie sich von der Philosophie? In dem schon zitierten Brief bemerkt Grisebach: „Der Gegensatz tritt erst hervor, wenn der Denkende an die Lösung seiner Aufgabe im System herangeht, wenn er vom Gedanken aus die Beziehung sucht, während der Gläubige vom Standpunkt der Gegebenheit und der Offenbarung ausgeht.“

Der Gläubige, so Grisebach in dem Zitat, geht nicht von der Reflexion aus, um auf die Differenz von Faktizität und Reflexion zu stoßen, sondern vielmehr geht er von der Faktizität der geschehenen Offenbarung aus. Gleichwohl meldet sich auch hier das Problem der Reflexion, denn der Gläubige beansprucht immer schon Reflexion, sofern er seine Position von der Position der Offenbarung unterscheidet. Und ebenso kann auch die Theologie sich nur qua Reflexion vom gelebten Glaubensvollzug unterscheiden, indem sie diesen als Relation von Offenbarung und Glaube thematisiert. Kommt also die binnentheologische Ausdifferenzierung nicht ohne Reflexion aus, so gilt dies ebensosehr für die faktisch immer schon mitthematisierte Außenperspektive. Denn thematisiert die Theologie die Relation Gott Mensch als Glaubensrelation, so vollzieht sie hierin schon eine Selbstunterscheidung von der Philosophie, in der diese Relation als eine Relation des Wissens zur Sprache kommt. Damit treten Philosophie und Theologie in die wechselseitige Bezogenheit einer realen Dialektik, die hier an Hand der Relation von Faktizität und Reflexion zu erhellen versucht wurde, wobei für diese Dialektik die Gegensätzlichkeit der Ausgangspunkte konstitutiv ist.“

[Christian Danz: Eberhard Grisebach und Friedrich Gogarten - Anmerkungen zu einer Arbeitsgemeinschaft.

In: http://www.uni-jena.de/~xnx/ed1095_9/danz.html]

Die Psychologie ist deswegen als eine Geisteswissenschaft für das Selbstverständnis und die Klärung der Geisteswissenschaften insofern von Bedeutung, weil diese nicht nur auf den Diskurs von idealen Gültigkeiten und allgemeinen Gesetzen reduziert werden können, sondern die Faktizität und Singularität der menschlichen Motive, Handlungen, Willen und Gefühle in ihrem Zusammenhang auszulegen versuchen. [...]

Hinter dem Begriff der Unergründlichkeit verbirgt sich ein orientierendes Rätsel: Das Leben ist zwar unergründlich, aber es ist Grund und Zusammenhang der menschlichen Handlungen und Wissenschaften. Worin besteht die Unergründlichkeit des Lebens? Die Unergründlichkeit des Lebens beruht in seiner Faktizität, wobei diese (faktisch) nicht nur im Sinne der jede Gegenwart beeinflussenden Perfektform des „schon gewesen“ der Geschichtlichkeit verstanden wird, sondern auch das Unerwartete der Zukunft einbezieht (XIX; 357).

„Jedes Philosophieren geht notwendig von einem faktischen Ansatz aus. Jede ernstzunehmende Philosophie ist sich der Faktizität ihres Ansatzes bewusst, d. h. der Tatsache, dass der Ausgangspunkt

als faktischer, als „naiv“ gewählter, der alles bloß Faktische umgreifenden Zwiespältigkeit von Wahrheit und Schein unterworfen ist und darum zuerst auf seine Geltung hin befragt werden muss, bevor er als Ansatz vor dem kritischen Denken bestehen kann. Unterschiedlich aber ist die Art und Weise, wie die Geltungsfrage in der Philosophiegeschichte durchgeführt wurde.

Die notwendige Mindestanforderung, die sich „seit Kant“ an die Geltungsreflexion auf das Ausgangsfaktum stellt, ist, dass das „Gegebene“ nicht losgelöst von dem subjektiven Vollzug betrachtet werde, in dem es zur Gegebenheit kommt. Jeder philosophische Ansatz, der sich auf die

Vorhandenheit von Dingen oder Tatsachen beruft, ohne zu bedenken, dass sie nur dank eines subjektiven Aktes als Vorhandene erkannt werden können und darum auf die subjektive Vermittlung ihrer Gegebenheit reflektiert werden muss, ist von daher als „naiv“ im Sinne von unkritisch zu bewerten.“

[Hansjürgen Verweyen: Ontologische Voraussetzungen des Glaubensaktes. In:

http://www.ub.uni-freiburg.de/referate/04/verweyen/ontol-17.htm#105

„Jede Gesellschaftstheorie ist auf eine Kategorie angewiesen, mit der sie ihr ‘Material’ angemessen ‘integrieren’ kann. Es gibt hierzu keine große Auswahl. Wir optieren für die Kategorie des Sinns und gehen kurz auf die von Weber, Schütz, Habermas und Luhmann gemachten Vorschläge ein. Im Kontext dieser Tradition entwickeln wir eine besondere Fassung mit Hilfe der Distinktion von Faktizität und Möglichkeit: Sinn ist dann der ‘Mehrwert’, der aus diesen Distinktionen resultiert. Auf dieser Grundlage werden die unterschiedlichen Sinndimensionen definiert. Die soziale Sinndimension wird durch die Distinktion von Handlung, Entscheidung und Kommunikation bestimmt. Die räumliche Sinndimension verwendet die Distinktion von innen und außen bzw. von System und Umwelt. Die sachliche Sinndimension benutzt die Distinktion von Unterscheidung und Differenz. Die ‘naturale’ Sinndimension bezieht sich auf die Distinktion von Alltag und Lebenswelt. Schließlich verwendet die zeitliche Sinndimension die Distinktion, Variation und Selektion, Stabilität und Krise.“

[Rodrigo Jokisch: Zum Sinn des Sinns. Zur Beobachtung von Sinn aus distinktionstheoretischer Perspektive. In:

http://www.tu-berlin.de/~society/Jokisch_GB_Sinn.htm]

Facticio

Según el Dic, R.A. E. : Que no es natural y se hace por arte.

Lo que, distanciándose de lo natural, adquiere por la mano del hombre la cualidad de lo artístico, se convierte en facticio. Así la facticidad tiende a ser esa condición de los objetos de predominancia artificial que, ya sea porque contienen en si mismos cualidades para involucrarse en lo artístico, ya sea porque la artificialidad se las confiere, reúnen condiciones para ser considerados arte. También, y dado lo subjetivo y aparentemente borroso de la condición de lo artístico, podemos considerar la facticidad como la pronunciada tendencia de algunos objetos o acciones a convertirse en artísticos mediante la manipulación de los medios naturales, los elementos naturales, las condiciones y estados naturales, hasta poder considerarlos en una alta proporción como artificiales.

“La facticidad denunciada en la existencia por los filósofos existencialistas no significa jamás una ausencia de naturaleza, sino siempre la presencia de una naturaleza absurda” Clement Rosset.

Partiendo de la premisa de que por ahora nos es imposible distanciarnos absolutamente de lo natural, deberemos admitir una cierta holgura en el término y permitirle así que acoja aquellas modificaciones de lo natural suficientes como para permitir considerar un orden natural diferente, tal vez romántico, tal vez microscópico y existencial.”

[http://personal.redestb.es/fisuras/FACTICIO.HTM]