DOUBLE BIND THEORIE  

Teoría del doble vínculo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Kommunikation / Kommunikationsmodell / Kollusion

 

Beziehungsfalle / Doppelbindung:

Du hast keine Chance; also nutze sie!

Sei spontan!

Double-Bind-Theorie

[engl. double-bind ‘Doppelbindung’. Auch: Beziehungsfalle, Doppelbindungstheorie, Pragmatische Paradoxie, Zwickmühle].

Von G. Bateson und P. Watzlawick im Rahmen der Schizophrenieforschung analysiertes pathologisches Verhaltensmuster, demzufolge ein Sprecher A gleichzeitig zwei nicht zu vereinbarende Aufforderungen an einen von ihm emotional abhängigen Hörer B richtet: aufgrund der asymmetrischen Beziehung zwischen A und B (z.B. Eltern - Kind) ist B nicht in der Lage, sich mit der paradoxen Handlungsanweisung kritisch auseinanderzusetzen bzw. die Absurdität der Äußerung nachzuweisen. Solchen gegensätzlichen Botschaften ohnmächtig ausgesetzt zu sein, kann zu schizophrenen Symptomen führen. Die widersprüchlichen Anweisungen können sowohl durch verbale als auch durch nonverbale Mittel ausgedrückt werden (z.B. zustimmende Worte bei abweisendem Blick), ausschlaggebend für D. ist das Fehler jeglicher Fluchtmöglichkeit aus der Paradoxie.“ [Bußmann, H., S. 196]

Double‑bind

Ein Begriff aus der Kommunikationstheorie, meist mit Doppelbindung ins Deutsche übersetzt. In ihrem Buch Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien definieren Paul Watzlawick et al. den double‑bind wie folgt:

Ein double‑bind ist eine Mitteilung, die

a) etwas aussagt,

b) etwas über ihre eigene Aussage aussagt, und

c) so zusammengesetzt ist, dass diese beiden Aussagen einander negieren bzw. unvereinbar sind ... Der Empfänger dieser Mitteilung kann der durch sie hergestellten Beziehungsstruktur nicht dadurch entgehen, dass er entweder über sie metakommuniziert (sie kommentiert) oder sich aus der Beziehung zurückzieht, (1969, 196).

Das mag sehr kompliziert klingen, kommt in der Praxis aber häufig vor. Ein Kind, das von der Mutter gesagt bekommt: 'Wenn du mich liebtest, wärest du nicht ungezogen', ist in einer Doppelbindung gefangen, wenn es nicht in der Lage ist, die Absurdität der Aussage zu durchschauen und zu antworten: 'Meine Ungezogenheit hat keinen Einfluss auf die Tatsache, dass ich dich liebe. Eine andere Definition findet sich in dem Buch Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie von Gilles Deleuze und Félix Guattari: 'der "double bind" ist nichts weiter als Ödipus insgesamt' (1974, 103; Hervorhebung von Deleuze und Guattari).

Die Doppelbindungstheorie hat in zweierlei Hinsicht in die Literaturkritik Eingang gefunden. Zum einen berufen sich Kritiker bei der Interpretation von in ihren Augen ungesunden oder pathologischen Beziehungskonstellationen darauf. Dabei werden literarische Figuren so behandelt, als ob sie in ihrer Beziehung zueinander dieselben Probleme hätten wie reale Menschen. In ihrem Buch Families under Stress (1975) analysieren Tony Manocchio und William Petitt unter Zuhilfenahme verschiedener psychologischer Konzepte, unter anderem auch der Doppelbindung, Familienbeziehungen in WERKEN von Terence Rattigan, Shakespeare, Eugene O'Neill, Arthur Miller und Edward Albee. Ihre Analyse ist als Experiment nicht uninteressant, ist aber dadurch, dass sie den fiktionalen und künstlerischen Aspekt der Werke vollkommen außer acht lässt, nicht sehr befriedigend.

Ganz anders verwendet Harold Bloom den double‑bind‑Begriff in seinem Buch The Anxiety of Influence, nämlich für 'die Paradoxie der impliziten Anweisung des Vorgängers an den Epheben'. Das ältere Gedicht spricht zum nachfolgenden Gedicht, so Bloom (wobei er von seiner Argumentationslinie allerdings etwas abweicht): 'Sei wie ich, aber nicht wie ich' (1973, 70). Die Beziehung des EPHEBEN zum Vorgänger ist nach Bloom also grundsätzlich neurotisch und pathologisch.“

[Hawthorn, Jeremy: Grundbegriffe moderner Literaturtheorie. Tübingen und Basel: Francke, 1994]

Expanded self ist nicht dasselbe wie das, was man «aufgeblähtes Selbstkonzept» nennt, auch wenn es damit verwoben ist. Das aufgeblähte Selbstkonzept einer Person mag bereits in ihrer äußeren Erscheinung sichtbar sein. Das expanded self hingegen ist der unsichtbare Teil des aufgeblähten Selbstkonzepts, der sich in Beziehungen auswirkt.

Man kann sich das expanded self auch wie das Schachbrett des Narzissten vorstellen, auf dem die Menschen aus seiner Umwelt Figuren darstellen, über die er verfügt. Um die anderen zum Mitspielen zu bewegen, bedarf es virtuoser Manöver sowie besonderer Bedingungen in der Struktur der anderen, damit dieses Kunststück gelingt. Es gibt in einer expanded self-Beziehung daher eine «offizielle» Lesart, nämlich die erlaubte Interpretation auf der bewussten Ebene sowie deren unbewusste, inoffizielle Dynamik.

Das Spannungsfeld zwischen offiziell und inoffiziell ist ein Nährboden für double-binds (Doppelbindungen), in die der jeweils andere verstrickt ist, und die ihn «bei der Stange» halten. Als Beispiel mag das klassische double-bind dienen: «Sei ganz du selbst!» Selten wird diese Aufforderung so direkt ausgesprochen, wie sie hier steht, denn der Satz ist bei Licht betrachtet ganz und gar unsinnig: Es ist nicht möglich, irgend jemand anderer zu sein als man selbst. Diese Aufforderung wird in der Regel subtil und implizit vermittelt, als Ausdruck einer inneren Haltung: «Ich gebe dir die Erlaubnis, so zu sein wie du (ohnehin) bist und etikettiere damit deine Handlung als durch mich definiert.» Fächert man die Botschaft weiter auf, so kommt der darin enthaltene «doppelte Boden» zum Vorschein: «Auch, wenn du glaubst, dass du tust, was du willst, so tust du damit genau, was ich will.» Der in einem solchen expanded self Vereinnahmte mag daraufhin paranoide Gefühle entwickeln, die sich aus dem Zweifel herleiten, aus welcher Quelle seine Impulse wirklich stammen: Aus ihm selbst oder aus dem anderen. Was aus den ersten Blick so aussieht, als würde eine Freiheit gegeben, entpuppt sich auf der sprachlosen Ebene des double-bind als das Wegnehmen wesentlicher Aspekte des Selbst. Was zunächst wie Übereinstimmung aussieht, als wollten beide dasselbe, als herrschte die Freiheit des Handelns, ist in dieser Konstellation die Tarnung einer Kränkung.” 

[Petermann, Frank: “Beziehungen”. In: Psychologie Heute, 16. Jhg., November 1989, Heft 11, S. 37-38]

“Von allen den Knoten, Dilemmata und Fallen, die sich in die Struktur menschlicher Kommunikation einbauen lassen, ist die so genannte «Sei spontan!»-Paradoxie sicherlich die weitestverbreitete. Und um eine wirkliche, stubenreine, allen formallogischen Anforderungen entsprechende Paradoxie handelt es sich hier.

In den kristallklaren Hallen des logischen Olymps sind Zwang und Spontaneität (also alles was frei und von außen unbeeinflusst aus dem eigenen Inneren kommt) unvereinbar. Auf Befehl etwas spontan zu tun, ist ebenso unmöglich, wie etwas vorsätzlich zu vergessen oder absichtlich tiefer zu schlafen. Entweder man handelt spontan, also aus freiem Ermessen; oder man befolgt eine Anweisung und handelt daher nicht spontan. Vom rein logischen Standpunkt kann man nicht das eine wie das andere gleichzeitig tun. [...]

Es ist das abgedroschene Paradebeispiel der Mutter, die von ihrem Söhnchen verlangt, dass er seine Hausaufgaben mache – aber nicht bloß überhaupt, sondern gerne. Wie der Leser sieht, handelt es sich hier um die Umkehrung der schon erwähnten Definition des Puritanismus. Dort hieß es: Es ist deine Pflicht, keinen Spaß zu haben; hier dagegen: Deine Pflicht muss die Spaß machen.

Also: Was kann man da tun? – fragte ich bereits, rein rhetorisch, denn es gibt keinen Ausweg. Was tut die Frau, deren Mann von ihr nicht nur fordert, sich ihm sexuell jederzeit hinzugeben, sondern es jedes Mal auch voll zu genießen? Was tut man, wenn man in der Haut des eben erwähnten Jungen steckt, der seine Aufgaben gerne machen sollte? Man nimmt an, dass es entweder mit einem selbst oder mit der Welt nicht stimmt. Da man in der Auseinandersetzung mit «der Welt» aber meist den Kürzeren zieht, ist man praktisch gezwungen, die Schuld in sich selbst zu suchen. [...]

Stellen Sie sich einfach vor, Sie werden in eine Familie hineingeboren, in der – aus welchen Gründen auch immer – Fröhlichkeit Pflicht ist. Genauer ausgedrückt, eine Familie, in der die Eltern dem Grundsatz huldigen, dass ein sonniges Gemüt des Kindes der offensichtlichste Beweis elterlichen Erfolgs ist. Und nun seien Sie einmal schlechter Laune, oder übermüdet, oder haben Sie Angst vor dem Turnunterricht, dem Zahnarzt oder der Dunkelheit, oder keine Lust, Pfadfinder zu werden. So wie Ihre lieben Eltern das sehen, handelt es sich nicht einfach um eine vorübergehende Laune, Müdigkeit, die typische Angst eines Kindes oder dergleichen, sondern um eine wortlose, aber um so lautere Anklage der erzieherischen Unfähigkeit der Eltern. Und dagegen werden sie sich verteidigen, indem sie Ihnen aufzählen, was und wie viel sie für Sie getan haben, welche Opfer sie zu bringen hatten, und wie wenig Grund und Recht Sie daher haben, nicht fröhlich zu sein.

Nicht wenige Eltern bringen es dann zu meisterhaften Weiterentwicklungen, indem sie dem Kinde zum Beispiel sagen: «Geh auf dein Zimmer und komme mir nicht heraus, bis du wieder guter Laune bist.» Damit ist in überaus eleganter, da indirekter Weise klar ausgedrückt, dass das Kind es mit etwas gutem Willen und einer kleinen Anstrengung fertig bringen könnte, seine Gefühle von schlecht auf gut umzuprogrammieren und durch die Innervation der richtigen Gesichtsmuskeln jenes Lächeln zu erzeugen, das ihm die Aufenthaltsbewilligung als «guter» Mensch unter «guten» Menschen wiederverleiht. [...] Diese Taktik ist hervorragend geeignet, im anderen tiefe Schuldgefühle zu erzeugen, die dann ihrerseits zusätzlich zu Gefühlen erklärt werden können, die er nicht haben würde, wenn er ein besserer Mensch wäre. Und sollte er die Unverschämtheit besitzen, zu fragen, wie man denn seiner Gefühle in der geforderten Weise Herr werden könne, so empfiehlt sich der schon erwähnte Hinweis, dass ein guter Mensch das von sich aus weiß und nicht erst fragen muss. (Bitte dabei Augenbrauen hochziehen und traurig dreinschauen.)

Wer diese Ausbildung erfolgreich bestanden hat, kann dann dazu übergehen, Depressionen in Eigenregie zu erzeugen.”

[Watzlawick, Paul: Anleitung zum Unglücklichsein. München / Zürich: R. Piper, 1983, S. 87-92]