DIMINUTIVA

Diminutivos

(Recop.) Justo Fernández López

 

Diminutive = Verkleinerungsformen. ¹ Augmentativa

„Der Begriff „Diminutivum“ ist inzwischen üblicher als die ursprüngliche Bezeichnung Deminutivum, die auf lat. deminuere ‘verkleinern’ - nomen deminutum, ‘verkleinertes Wort’ zurückgeht.

Diminutiva drücken nicht einfach nur die ‘Kleinheit’ eines Gegenstandes oder Lebewesen aus, sondern enthalten darüber hinaus eine positive emotionale Komponente, die ungefähr mit ‘Zuwendung’ oder ‘Sympathie’ (des Sprechers gegenüber dem bezeichneten Objekt) oder mit ‘Ungefährlichkeit’ oder auch ‘Vertrautheit’ (des Objekts) wiedergegeben werden könnte. Daher wird normalerweise auch ein sehr kleines Nagetier der Gattung rattus nicht als  *Rättchen oder *Rättlein bezeichnet (vgl. aber Mäuschen, Mäuslein), und auch Formen wir *Küchenschäbchen, *Giftschlänglein oder *Steckmücklein werden bestenfalls in ironischer Absicht gebildet (vgl. aber Glückskäferchen usw.). Andererseits kann man, beispielsweise einem Kind gegenüber, mit den Worten Guck mal, ein Pferdchen durchaus auf ein ausgewachsenes Pferd verweisen; das Tier wird dann nicht als ‘klein’, sondern sozusagen als ‘Sympathieträger’ oder auch als ‘ungefährlich’ markiert.

Mit dieser semantischen Eigenschaft der Diminutiva hängt auch zusammen, dass sie fast ausschließlich von Konkreta gebildet werden; Ableitungen wie *Ängstlein oder *Freudchen kommen nicht vor, und ein Liebchen ist entsprechend eben nicht eine ‘kleine Liebe’, sondern eine geliebte Person. Seltene Ausnahmebildungen wie Mütchen oder Schläfchen sind auch feste Redewendungen beschränkt: sein Mütchen kühlen, ein Schläfchen halten; möglich sind ferner Diminutiva von Maßeinheiten wie Stündchen, die dann offenbar als konkrete, fassbare Größen gesehen werden. Nicht üblich sind Diminutiva von Sammelbegriffen (*Läubchen, *Gebirglein usw.; vgl. aber Blättchen, Berglein usw.). Ferner sind Diminutiva von exotischen Tieren (?Elefäntchen, ?Tigerlein) nicht gebräuchlich, was vermutlich auf das Fehlen der Komponente ‘Vertrautheit’ zurückzuführen sein dürfte. Für diese Vermutung spricht auch, daß solche Bildungen ausnahmsweise dann möglich sind, wenn sie als Bezeichnungen (Kosenamen) für eine nahestehende Person verwendet werden: Wach auf, du Faultierchen (aber ?Das Faultierchen hing am Baum und schlief).

Schließlich werden Diminutiva im allgemeinen nicht von solchen Substantiven gebildet, die ihrerseits bereits ein Ableitungssuffix enthalten (*Schmetter-ling-chen; vgl. auch Zwerglein, aber nicht *Zwerginlein). In seltenen Fällen kommen auch Diminutiva von Pluralformen vor, so etwa in Kinderlein, Eierchen, Mämmerchen u. ä.; diese Bildungen scheinen nur bei Pluralformen auf -er aufzutreten.

Insgesamt ist -chen heute das gegenüber -lein häufigere Ableitungssuffix für Diminutiva. Daneben gibt es aber auch die dialektalen Diminutiv-Suffixe -le, -el, -erl, -li und -(s)ken. Auch die Endung -i, die vornehmlich zur Bildung familiärer Kosenamen (Mutti, Vati, Hansi) verwendet wird, kann zu den Diminutiva gerechnet werden.“  

[Hentschel / Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik, S. 173-175]