BINDUNGSTHEORIE  

Teoría del ligamiento

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Generative Transformationsgrammatik / GB (Government and Binding) / Regierende Kategorie

Bindungstheorie

Weiterentwicklung der REST (Revised Extended Standard Theory) Chomskys um eine Ebene semantischer Beschränkungen, die zu den Bemühungen gehören, Umfang und Typen der Transformationsregeln einzuschränken und durch formale, strukturell ausdrückbare Voraussetzungen für die Koreferenz zwischen dem Bezugsnominal (dem „Antezedenz“) und darauf bezogenen Anaphern (sich, einander), Pronomina, anderen Nominalien sowie Variablen zu ersetzen. Die strukturelle Unterscheidung zwischen Anaphern und Pronomina im besonderen ist (jedenfalls für das Englische; wohl nicht ebenso sauber für das Deutsche) gebunden an die Möglichkeit, das wiederaufnehmende Element auf das nächste Subjekt (im Deutschen auch, aber seltener Objekt) in derselben Satzkonstruktion beziehbar zu machen bzw. bei diesem Bezug die Satzgrenze zu überschreiten: *Hans versprach Gerda einander etwas zu schenken ¹  Hans versprach Gerda sich (= Hans) etwas zu schenken  ¹  Hans versprach Gerda ihr (= Gerda) etwas zu schenken. Es spielen bei dieser strukturellen Festlegung also die Begriffe zugängliches Subjekt, Satzgrenze sowie der strukturelle (nicht nur an das Verb gebundene) Rektionsbegriff eine Rolle.“

[Abraham, Werner: Terminologie zur neueren Linguistik. Tübingen: Niemeyer, 1988, Bd. 1, S. 109]

Bindungstheorie.

In der Transformationsgrammatik von Chomsky eingeführte syntaktische Teiltheorie, die die Beziehungen von Anaphern, Pronomina, Namen und Spuren zu ihren möglichen Antezedens-Elementen regelt. Ein Antezedens-Element »bindet« eine mit ihm koreferente Nominalphrase, wenn die NP von ihrem Antezens c-kommandiert wird. Bindungsbeschränkungen wirken als Filter, welche die formal möglichen Koreferenzbeziehungen zwischen phonetisch sichtbaren NPs sowie zwischen NPs und deren Spuren so einschränken, dass nur wohlgeformte Strukturen die Bindungsbeschränkungen erfüllen.

Chomsky (1981) unterscheidet drei Typen von Nps, die verschiedenen Bindgunsbeschränkungen unterliegen:

(a)  »Anaphern«, d.h.

(aa)   reziproke und reflexive Nps, deren Referenz durch eine meist vorausgehende NP im gleichen Teilsatz gebunden ist, vgl. die Vorkommen von einander und sich in Philip und Jakob diskutieren miteinander und Caroline kauft sich ein Bild, die durch das plurale Subjekt Philip und Jakob bzw. den Namen Caroline in ihrer Referenz »gebunden« sind; aber auch

(ab)  phonetisch leere »Anapher«, nämlich die Spuren von Nps wie z.B. die Spur von John in [John was arrested_];

(b)  sogn. »Pronominale«, d.h. Personalpronomen, die sowohl anaphorisch (engl. proximate) als auch deiktisch (engl. obviate) interpretiert werden können: in Jakob meint, dass er dennoch recht hat kann er sich sowohl anaphorisch auf Jakob als auch deiktisch auf einen im Satz sonst nicht genannten Referenzgegenstand beziehen;

(c)  sogen. »R-Ausdrücke«, d.h. alle Nps, die nicht nur unter (a) und (b) fallen, z.B. Eigennamen, Kennzeichnungen oder quantifizierte Ausdrücke, aber auch Spuren von W-Bewegungen.

 

Auf Grund der B. sind die Nps unter (a) als Anaphern innerhalb des syntaktischen Bereichs ihrer Regierenden Kategorien gebunden, d.h. sie haben innerhalb des als regierende Kategorie bestimmten Knotens ein sie c-kommandierendes Antezedens, während die Nps unter (b) als Pronominale innerhalb ihrer regierenden Kategorien nicht gebunden, d.h. »frei« sind und auch alle übrigen Nps (überall) frei sind. Verstöße gegen diese Bedingungen findet man in folgenden ungrammatischen Sätzen:

(a)  *Jakob meint, [dass sich dennoch recht hat]: die Anapher sich ist innerhalb der durch die Klammern gekennzeichneten regierenden Kategorie von sich frei.

(b)  *Jakob meint, [dass Philip ihm ein Bild kauft] mit intendierter Koreferenz zwischen Philip und ihm: das Personalpronomen ist innerhalb der regierenden Kategorie von ihm gebunden.

(c)  *Er meint, dass der Mann Philip ein Bild kauft mit intendierter Koreferenz zwischen Philip und er: Bei Bezugsgleichheit wäre Philip von der koreferentiellen NP gebunden.

Es lässt sich nachweisen, dass die Beschränkungen der B. früher formulierte Beschränkungen für die Interpretation von Nps (wie z.B. die Specified-Subject-Condition oder das Propositional Island-Constraint) implizieren.“ [Bußmann, H., S. 136-137]