BILD UND SPRACHE  

Imagen y lenguaje

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Bild / Sprache und Denken / Sprache und Realität / Abbildtheorie

 

„Weltbild, wesentlich verstanden, meint daher nicht ein Bild der Welt, sondern die Welt als Bild begriffen. Das Seiende im Ganzen wird jetzt so genommen, dass es erst und nur seiend ist, sofern es durch den vorstellend-herstellenden Menschen gestellt ist." (Heidegger 1977: 89). Hier ist aber auch ein anderer Zug, was zu betonen sich lohnt: das ist der Charakter von diesem Bild. Das bedeutet, dass die Welt nicht mit Wörtern oder mit Propositionen geschrieben wird, sondern als ein Ganzes, als ein großzügiges Bild gesehen.

Es ist ein sehr interessanter Gedanke, wenn wir es in Bezug auf die Verwandlung der Kommunikation von der Gegenwart betrachten. Das Wesen dieses Problems ist, dass die Welt sich verändert hat: die Welt als Bild ist in mehrerer Hinsicht von der sprachlich wahrgenommenen Welt verschieden.

Der erste größere Unterschied ist, dass die Information auf einem Bild simultan ist, während es in der Sprache linear und sukzessiv ist. Auf dem Bild ist alles gleich "dort", wir können die Verhältnisse und die Verbindungen sofort ermessen, während in der Sprache nur die sukzessive Dinge sind, die unmittelbare Verbindungen haben. Die Ordnung ist ganz andere: auf dem Bild kommt sie aus diesen Verbindungen, in der Sprache aber aus der Linearität, in welcher die Wörter, die Sätze, die Gedanken auf einander folgen. Aber die Dinge selbst erscheinen auch auf eine andere Weise: in der Sprache verwendet man Kategorien, auf dem Bild aber gibt es keine Kategorien, nur Einzeldinge.

Zusammenfassend, wenn die Welt wirklich als Bild erscheint, dann ist das eine Andeutung, dass die Weltanschauung und das Denken des Menschen sich verändert hat. Und dieser Vorgang, worüber Heidegger schreibt, ist derselbe Vorgang, den wir bei der Veränderung der neuen Medien beobachten können. [...]

In den vorigen Gedanken habe ich entworfen, welche wichtigste Eigenschaften die Bilder gegen die Sprache charakterisieren. Das kann wesentlich sein, denn in den Theorien über die Kommunikation mit den Bilder findet man mehrere Auffassungen von der Natur der Bilder. Es ist kein Wunder: der Begriff des Bildes hat ganz viele Bedeutung. Nur ein Beispiel: die dreifache Einteilung von den Zeichen nach Peirce - Ikon, Index und Symbol - ist auch hier verwendbar. Ein Bild kann man auch als Ikon, als Index oder auch als Symbol verstehen. (Zum Beispiel: ein "rauchen verboten" Piktogram ist ein Ikon; ein Anblick einer Fußspur ist ein Index; und manche Verkehrstafeln - z. B. "Einfahrt verboten" - sind Symbole).

Wenn wir über die Kommunikation mit den Bildern reden, können wir auch verschiedene Begriffe des Bildes benutzen. Und eben das tun die Theoretiker, die sich mit der Bildtheorie beschäftigen. Wittgenstein und Neurath sind berühmte und gute Beispiele dazu (ich werde hier ihre Theorien nicht thematisch verhandeln, nur möchte ich einige Züge betonen; eine gute Analyse ist bei Roser [1998] zu finden).

Die Hauptthese, die ich schon in der Einführung gezeichnet habe, lautet so: die Theorien über die Kommunikation mit den Bilder benutzen ein Bildbegriff, der viele gemeinsame Eigenschaften mit den Wörtern und Sätzen in der Sprache hat. Man könnte sagen, dass die Theoretiker sich diese Kommunikation vorstellen, wie die Sprache. Neurath ist ganz eindeutig in dieser Frage: er schreibt über "Bildsprache" oder "visuelle Idealsprache", das heißt, dass die Züge dieser Sprache gleich wie die der wörtlichen Sprache sind, aber die Materie ist unterschiedlich.

Das Problem ist kurz die folgende: wenn wir über Bildsprache reden, dann setzen wir voraus, dass diese visuelle Sprache eine Grammatik und Elemente hat, die in dem Vorgang der Kommunikation gleiche Rolle spielen wie in der Wörtersprache. In diesem Fall sind die Bilder Symbole, wie die Wörter. Neurath betont, dass diese Grammatik universell und nicht von der Kultur abhängig ist. Das Lieblingsbeispiel von Neurath sind die ägyptischen Wandmalereien, deren Interpretation leicht für jeder Mensch ist. Diese Grammatik ist innerhalb von dem Bild und nicht zwischen den Bildern, wie bei der Wörtersprache zwischen den Wörtern. In diesem Fall ist die Grammatik wirklich überall verstehbar, weil wenn wir den visuellen Anblick interpretieren können, dann können wir alle Bilder auch interpretieren. [...]

Später änderte Wittgenstein - mit dem Begriff des Sprachspieles – seine Abbildtheorie. Das eindeutige Bild der Welt, das seine frühere Theorie eingab, wurde zerstört und sowohl die Sprache, wie auch die Bilder wurden von dem Kontext und der Kultur abhängig. In dieser Relativität können die Bilder der Sprache helfen, indem sie ein Muster für die korrekte Anwendung der Sprache zeigen können. Die Bilder können als Ergänzung der Kommunikation dienen, insofern sie die von der Mehrdeutigkeit herrührende Missverständnisse vermindern können, aber die Bilder können kein solches Mittel darstellen, das universell verstehbar wäre. Eine Bildsprache könnte eine unabhängige Sprache sein, welche die Übersetzung erleichtern könnte; es wäre eine allgemeine Sprache, worauf alle Sprachen zurückführbar wären. Wittgenstein findet das in der Philosophische Untersuchungen (mit der Bestimmung der Sprachspiele) nicht möglich; aber die Intention von Neurath ist eben diese.

Neurath's Bestrebung nach einer universellen Sprache ist eng mit seiner internationalen Enzyklopädie der Einheitswissenschaft verbunden. Die bildliche, graphische Darstellung hilft hier nicht nur bei der Eliminierung der Mehrdeutigkeit, sondern auch bei dem allgemeinen Verstehen. [...]

Es gibt eine interessante Diskussion in der Psychologie, die parallel mit unserem Thema ist: welche Repräsentationen verwendet die Erinnerung, Propositionen oder Bilder? Die Experimente beweisen, dass der Anblick in die Propositionen nicht übersetzt wird (zum Beispiel: wie können wir uns auf einen Bahnhof erinnern: keine Propositionen fallen uns ein, sondern wir "sehen" vor uns den Bahnhof. Aber wir sehen es nicht als ein wirkliches Bild: wir können nicht genau sagen, wie viel Fenster das Gebäude des Bahnhofs hat. Das ist also kein wirkliches Bild, sondern eine Skizze). Diese Bilder - oder Skizze - können wir nicht mit der Hilfe von endlichen Reihen von Propositionen beschreiben. Die Beschreibung wird immer Propositionen enthalten, die noch andere Propositionen brauchen.

Ein anderer Beweis ist, dass man besser auf etwas erinnert, wenn es Bilder, oder Bilder und Propositionen enthält. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mnemotechnik des Sprachstudiums: die Wörter sind besser lehrbar, wenn wir sie an ein Bild binden. Diese Experimente zeigen, dass die Bilder größere Bedeutung haben, als könnte man nur zu der Sprache fügen; sie sind autonome und von der Sprache unabhängig. [...]

Es kommt mir vor, als wollte Wittgenstein in seinen späteren Werken die Bilder - infolge von ihren Charakter - zu der Ergänzung der Sprache benutzen (es ist bekannt, dass Wittgenstein mehrere Bildzeichnungen in seinen Werke verwendete). Die Bilder sind jenseits von der Sprache; und so können sie von den Dingen handeln, über die keine Beschreibung geben kann. Ist die Bildsprache auch ein Sprachspiel? Ja, wenn die Bildsprache eine Grammatik hat. Aber wenn es wirklich jenseits von der Sprache ist, dann ist es kein Sprachspiel. Die Bildsprache von Neurath bleibt innerhalb der Grenzen der Sprache, während die Bilder von Wittgenstein außerhalb der Grenzen "spielen" möchten - wenn ich dieses Wort benutzen darf. Das Wort "Grammatik" hat also bei Wittgenstein eine ganz andere Bedeutung, als bei Neurath. Es ist eine Frage, ob man dieses Wort bei der Bilder überhaupt benutzen kann.

Zuletzt möchte ich noch eine Schlussfolgerung dazu machen, was die nicht ausgesprochene Voraussetzung jeder Theorien über die Kommunikation mit Bilder ist. Es kommt aus den Prinzipien, die die Natur des Denkens beschreiben. Nämlich, ob das Denken zu der Sprache gebunden ist, oder ist es vor der Sprache? Wenn es zu der Sprache gebunden ist, so kann die Bildsprache nur sekundär sein - und es ist unmöglich, weil in diesem Fall alles mit der Sprache beschreibbar wäre. Die Theorie des sprachlichen Denkens ist wegen der sprachlichen Metapher sehr überzeugend. Diese Stärke zeigt auch, dass Neurath die Kommunikation mit den Bildern auch nach dem Vorbild der Sprache denkt.

Heidegger konnte nicht die Betrachtung der Welt als Bild akzeptieren, weil er das Sein und das Seiende sprachlich ergreifen wollte - er sah keine andere Möglichkeit; die Welt als Bild gesehen ist ein Zeichen des Untergangs des Denkens, weil das Medium des Denkens nur die Sprache ist. Neurath wollte die Kommunikation mit Bilder, wie eine Sprache erschaffen - eine Bildsprache. Wittgenstein wollte zuerst die Wörtersprache mit dem Begriff der Abbildung beschreiben, dann die Grenzen der Kommunikation soweit ausdehnen, dass die Bilder der Sprache Hilfe leisten.

Wenn wir den Unterschied von der Natur der Sprache und des Bildes in Betracht nehmen, können wir uns eine Bildsprache so vorstellen, dass die Bilder außerhalb von der Sprache sein werden. Also, man kann eine Kommunikation mit den Bildern nur so erschaffen, wenn man von dem Vorbild der sprachliche Kommunikation - sowohl in dem Denken, als auch in dem Aufbau und in der Struktur - abweicht. Bilder und Wörter: verschiedene Arten der Annäherung der Wirklichkeit, sie aber besitzen nicht den Charakter der anderen.“

[Miklós Lehmann Ungarische Akademie der Wissenschaften, Institut für Philosophie: „Die zu dem Bild werdende Welt  - Bild, Sprache und Bildsprache“, in: http://www.phil-inst.hu/~lehmann/bild.htm]