BEHAVIORISMUS  

Conductismo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Chomsky / Kompetenz / Generative Transformationsgrammatik / Spracherwerb / Kognitive Linguistik / Gehirn / Kognition / Funktionalismus / Repräsentation / Bedeutung / Eingeborene Ideen / Mentalismus / Nativismus / Spracherwerb / Sprache und Denken / Sprache und Realität / Gehirn und Computer / Gehirn und Sprache / Pragmatismus / Peirce, Ch. S. / Kompetenz

 

Siehe auch:

Das Paradigma des Behaviorismus.

In: http://home.t-online.de/home/saemmer/dis/diskap6.htm

Behaviorismus

Forschungsrichtung der Psychologie, die zwischen den zwanziger und sechziger Jahren sehr einflussreich war. Das Studium des Geistes wurde als unwissenschaftlich zurückgewiesen; statt dessen versuchte man, das Verhalten von Organismen (einschließlich des Menschen) mit den Gesetzmäßigkeiten der Reiz-Reaktions-Konditionierung zu erklären.“

[Pinker, Steven: Der Sprachinstinkt. Wie der Geist die Sprache bildet. München: Knaur, 1998, S. 527-528]

Behaviorismus (engl. behaviour = Verhalten)

Schule amerik. Psychologie, deren Grundprinzipien von Bloomfield und Harris auf die Linguistik übertragen wurden: alles menschliche Handeln (auch psychische Vorgänge und Sprachhandeln) ist auf äußere, objektiv beobachtbare und nachprüfbare Fakten zurückzuführen, ist Wechselspiel von Reiz (stimulus) und Reaktion (response); mentalistische Aussagen und introspektive Untersuchungsmethoden werden abgelehnt. Bloomfields Beispiel von Jack und Jill: Jill ist hungrig, sieht an einem Baum einen Apfel, macht mit Kehlkopf, Zunge und Lippen ein Geräusch. Jack vernimmt das Geräusch, klettert auf den Baum, pflückt den Apfel, gibt ihn Jill, die ich verspeist. Gesamtvorgang besteht aus 3 Teilvorgängen:

1.     praktische Vorgänge vor dem Sprechakt = Stimulus (S) des Sprechers (Hungergefühl, Anblick des Apfels, Anblick Jacks ...);

2.   Sprechakt;

3.    praktische Vorgänge, die dem Sprechakt folgen = Reaktion (R) des Hörers (Erklettern des Baumes ...).

Ohne Jack hätte sich Hill wie das sprachloses Tier die Nahrung selbst holen müssen: direkte Folge S > R. Sprache aber ermöglicht es, dass eine Person eine Reaktion ausführt, wenn eine anderen einen Stimulus hat: zwischen S und R wird sprachliche Ersatzreaktion (r) der 1. Person (Erzeugung von Schallwellen durch Sprechen) und sprachlicher Stimulus (s) für die 2. Person (Vernehmen der Schallwellen durch Hören) eingeschoben: S > r ... s > R.“

[Ulrich, Winfried, Linguistische Grundbegriffe, S. 20-21]

Behaviorismus [Auch: Physikalismus].

Von J. B. Watson (1878-1959) in USA begründeten, am Vorbild der Naturwissenschaften orientierte Forschungsrichtung der Psychologie, die sich sowohl gegen Methoden der Selbstbeobachtung (Introspektion) als auch gegen die Beschreibung von Bewusstseinsinhalten (wie Empfindungen, Gedanken, Willensregungen) richtet. Der B. untersucht das objektiv beobachtbare Verhalten als Reaktion auf wechselnde Umweltbedingungen. Ausgangsbasis behavioristischer Forschungen ist das Stimulus-Response-Model (auch: Reiz-Reaktions-Modell) sowie die Grundkategorien des „bedingten Reflexes“ und der Konditionierung. [...] Wie B. F. Skinner in seinem (in hohem Maße spekulativen) Buch „Verbal Behavior“ [1957] ausführlich darlegt, wird Sprache als gelerntes Verhalten, als Summe einzelner, durch Konditionierung, Verstärkung (= reinforcement) und Generalisierung antrainierter Sprechgewohnheiten (= habits), als ein zufälliges Netz assoziativer Verknüpfungen sprachlicher Ausdrücke erklärt. Am deutlichsten drückt sich die Konzeption des B. in L. Bloomfields antimentalistischem Sprachkonzept aus, vor allem in seinen an naturwissenschaftlichen Methoden orientierten taxonomischen Beschreibungsverfahren. - Zur Kritik an diesem Ansatz aus sprachwissenschaftlicher Sicht vgl. Chomsky [1959].“ [Bußmann, H., S. 128-129]

„Der radikale narzisstische Hedonismus hat daher paradoxerweise zur Folge, dass das Genießen immer stärker externalisiert wird. Mit der radikalen Reflexivität unseres Lebens wird jeder direkte Appell an unsere Erfahrung entwertet, das heißt, ich vertraue nicht mehr meiner eigenen unmittelbaren Erfahrung, sondern erwarte vom Anderen, dass er mir mitteilt, wie ich mich wirklich fühlen wie in der bekannten Anekdote über das Gespräch der beiden Behavioristen: »Sagen Sie mir, bitte, wie ich mich heute fühle?« - »Gut, und ich?« Doch diese unmittelbare Externalisierung meiner innersten Erfahrung ist wesentlich unheimlicher als die geläufige behavioristische Reduktion. Denn der springende Punkt ist nicht einfach nur, dass nicht meine Gefühle zählen, sondern die Art und Weise, wie ich mich in der beobachtbaren äußeren Realität verhalte. Entscheidend ist vielmehr, dass ich, anders als im Falle der behavioristischen Reduktion der inneren Selbsterfahrung meine Gefühle zwar behalte, aber diese zugleich externalisiert werden. Das ultimative Paradox der Individuation besteht freilich darin, dass diese völlige Abhängigkeit von anderen – was ich bin, ist nur durch meine Beziehungen zu anderen (siehe die postmoderne Besessenheit von »qualitativ hochwertigen Beziehungen«) – die gegenteilige Wirkung der Drogenabhängigkeit hat, bei der ich nicht von einem anderen Subjekt abhängig bin, sondern von einer chemischen Substanz, die mir exzessive jouissance bereitet.“

[Zizek, Slavoj: Liebe deinen Nächsten? Nein, Danke! Die Sackgasse des Sozialen in der Postmoderne. Berlin: Verlag Volk & Welt, 1999, S. 197-198]

Behaviorismus

Richtung der amerikanischen Psychologie, die dem philosophischen Pragmatismus entsprang. Der B. beschränkt sich ausschließlich auf das objektiv beobachtbare und messbare Verhalten der Organismen. Wichtiges Erkenntnisprinzip ist das Reiz-Reaktions-Modell. Alles, was zwischen diesen Polen geschieht, ist der subjektiven Interpretation zuzuschreiben. Objektiv erkennbar ist allein die Respons auf einen gegebenen Stimulus. Die Gewöhnung an bestimmte Reaktionen wird Konditionierung genannt und spiel eine entscheidende Rolle im Lernprozess. Aus diesen Erkenntnissen hat B. P. Skinner den Programmierten Unterricht abgeleitet, der das Lernen im wesentlichen als Verhaltensänderung begreift. Diese wird durch bekräftigende (belohnende) Verstärkung (Reinforcement) erzielt. Inzwischen hat der B. viel Kritik erfahren. Nach H. Hörmann ist nicht jedes Sprachverhalten stimulusgesteuert.“ [Heupel, C., S. 37]

„Der pragmatische Ansatz Quines wird schon in der Einleitung zu seinem sprachphilosophischen Hauptwerk deutlich, wenn er schreibt: «Language ist a social art. In acquiring it we have to depend entirely on intersubjectively avaible cues as to what to say and when. Hence there ist no justification for collating linguistic meaning, unless in terms of men’s dispositions to respond overtly to socially observable stimulations». Diese Sätze rücken Quine sogar in die Nähe des linguistischen Behaviorismus. Es lässt sich aber nicht übersehen, dass Quine sich von den Vertretern des Behaviorismus dadurch vorteilhaft abhebt, dass seine Ideen wesentlich detaillierter, präziser und fundierter sind. Das wird dadurch möglich, dass er über den viel zu engen behavioristischen Rahmen der Sprachanalyse beträchtlich hinausgeht. [...]

N. Chomsky hat unter Bezugname auf Quines Formulierung insbesondere gezeigt, dass die sprachlichen Reaktionsdispositionen von Individuum zu Individuum ganz verschieden sind (sie hängen ab von Stimmungen, Kenntnissen, Bildung, Wahrnehmungsfähigkeit usw.), so dass sie als (intersubjektive) Bedeutungen nicht in Frage kommen. Die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte sprachliche Reaktion, die solche Dispositionen bestimmen, liegen fernen wegen der Fülle sprachlicher Formulierungsmöglichkeiten für alle Ausdrücke nahe bei 03 Von den behavioristisch-programmatischen Äußerungen Quines wir daher absehen.”

[Kutschera, F. v.: Sprachphilosophie. München: Wilhelm Fink, ²1975, S. 179-180]

Behaviorismus / behaviorism

Der von John B. Watson in der Psychologie begründete behavioristische Denkansatz wurde als sprachwissenschaftliche Richtung in erster Linie von L. Bloomfield (1933) etabliert.

Die grundlegende behavioristische Hypothese besagt, dass das Verhalten (und dieser Begriff schließt beim Menschen auch sprachliche Phänomene mit ein) eines jeden Organismus, von der Amöbe über die Ratten bis zum Menschen, beschreib- und erklärbar sei als System von ‘Reaktionen’ (responses) des Organismus auf bestimmte, aus der Umwelt stammende ‘Reize’ (Stimuli genannt) und dass Spracherwerb auf Sprachgewohnheiten zurückgeführt werden können (‘habit theory’).

Der von Strukturalisten Bloomfieldscher Prägung als Rahmen ihrer linguistischen Beschreibung angenommene Behaviorismus stößt bei den Vertretern der generativen Transformationsgrammatik auf strikte Ablehnung, da die behavioristisch orientierte Sprachforschung (die Sprache also als ein Netzwerk von Stimulus-Respons-Verbindungen auffasst) verschiedene Aspekte der linguistischen Kompetenz, vor allem die Kreativität der Sprache nicht zu erklären vermag.

„The notion that linguistic behavior consists of ‘responses’ to ‘stimuli’ is as much a myth as the idea that it is  a matter of habit and generalization.“  (N. Chomsky, „Linguistic Theory“, in: M. Lester (ed), Readings in Applied Transformational Grammar, (New York, etc., 1970, p. 55).” [Bußmann, H., S. 100-101]

Behavioristische Bedeutungstheorien betrachten den Sprachgebrauch als Verhalten, das mit den Begriffen Reiz und Reaktion beschrieben werden kann. Die Bedeutung wird in die (biologischen) Reaktionen des menschlichen Organismus verlegt, die sich im Handeln dokumentieren.

Im Sinne der Reflextheorie Pavlovs fasste Peirce (1878) die Bedeutung eines Dings als »die Gewohnheiten, die es mit sich bringt« auf, d. h. dass Bedeutung mit den pragmatischen Auswirkungen des Gedankens, also mit ihren praktischen Resultaten gleichgesetzt wird. Ähnliche Tendenzen lassen sich bei B. Russell, im Neopositivismus, im Operationalismus und in der Semiotik feststellen. Russell allerdings sieht, dass man die Bedeutung nicht erfassen kann, indem man nur die Verwendung der Wörter beobachtet; beim Denken sei der Gebrauch der Zeichen von Bildern abhängig.

Damit ist die Konzeption des  Behaviorismus relativiert. Ganz im behavioristisch‑pragmatistischen Verständnis erklärt Ch. Morris die Bedeutung der Wörter, wenn er sie als Beziehung zwischen Zeichen und Reflex deklariert und sie schließlich mit dem bewirkten Handeln identifiziert.” [Lewandowski, Th.: Ling. Wörterbuch, Bd. 1, S. 101-102]

Behaviorismus (engl. behavior, Betragen, Verhalten)

1.      Richtung innerhalb der modernen Psychologie, die ausschließlich das von außen her beobachtbare Verhalten von Menschen (und Tier) zum Gegenstand der Psychologie erklärt. Zur Methode des B. gehört die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen äußeren Einflüssen (Reizen, stimuli) und verhaltensmäßigen Reaktionen (Reflexen, responses). Der B. wird auch methodologischer B. genannt, da er jede Form von Introspektion und Einfühlung (Verstehen) als psychologische Methode ablehnt und einen Objektivismus vertritt, der nur das Studium – nach naturwissenschaftlich deskriptiver Methode – des äußeren, beobachtbaren Verhalten als relevant für eine wissenschaftliche Psychologie anerkennt. Der B. hat u.a. die amerikanische Psychologie beherrscht, wo er 1913 von J. B. Watson mit dem Werk Behaviorism eingeführt wurde. In seiner jüngsten Gestalt wurde der B. vor allem durch die Theorie von B. F. Skinner geprägt.

2.      Dem philos. B. zufolge können Urteile über das Seelenleben von Personen auf Urteile über ihr Verhalten oder ihre Verhaltensdispositionen zurückgeführt werden. Obwohl die Grundbehauptung der Theorie eine analytische These über bestimmte Übersetzungsbeziehungen zwischen sprachlichen Ausdrücken ist, wird die Theorie oft als Gegenposition zu der Ansicht formuliert, dass es innere, private Bewusstseinsphänomene gebe. Dieser philos. B. hat zwei Formen angenommen: Der sog. kategorische B. glaubt, Urteile über Bewusstseinsphänomene als (kategorische) Urteile über aktuell vorkommenden Verhalten analysieren zu können. Danach wäre z.B. ein Urteil über den Zorn einer bestimmten Person mit jenem Urteil gleichbedeutend, das das entsprechende Verhalten dieser Person beschreibt – dass sie laut spricht, auf den Tisch schlägt, rot im Gesicht ist usw. J. B. Watson schlägt sogar vor, dass ein Urteil über die Gedanken einer Person mit der Beschreibung der kleinen, jedoch keine Laute hervorbringenden Bewegungen im Kehlkopf identifiziert werden kann: Das Äußern von Gedanken ist nichts anderes als das Bewegen der Stimmbänder.

Die zweite und wichtigere Form des philos. B. ist der sog. hypothetische B., der im wesentlichen auf G. Ryle zurückgeht. Ryle zufolge spricht man, wenn man vom Seelenleben einer Person redet, von den mehr oder weniger komplexen Dispositionen dieser Person, d.h. der Geneigtheit, sich in bestimmten Situationen unter verhaltensrelevanten Einflüssen auf bestimmte Art und Weise zu verhalten (zu handeln und sprechen). Ein Urteil wie «Peter ist ehrgeizig» soll als ein hypothetisches Urteil (Bedingungssatz) analysiert werden, wie etwa «Wenn Peter dem und dem ausgesetzt wird, dann wird er so und so handeln». Die Behauptung, eine Person sei ehrgeizig, soll analog der Aussage verstanden werden, dass Zucker wasserlöslich sei. Und Wasserlöslichkeit ist eben keine unsichtbare, innere Eigenschaft, die dem Zucken neben seinen sichtbaren Eigenschaften zukommt, sondern eine bestimmte Disposition, nämlich die, gewisse seiner sichtbaren Eigenschaften beim Eintauchen in Wasser zu verlieren. Nach Ryle ist der Glaube an innere, private Bewusstseinsphänomene Ausdruck eines Missverständnisses der Logik der mentalen Begriffe.”

[Hügli, Anton/Lübcke, Poul (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 82-83]

Postulate der Kognitiven Linguistik:

§     Die sprachlichen Fähigkeiten werden von allgemeinen kognitiven und neuronalen Prinzipien determiniert.

§     Die Sprache ist als Subsystem der Kognition ein mentales Kenntnissystem mit eigenen Gesetzmäßigkeiten.

§      Es gibt derzeit keine Theorie, die auch nur ansatzweise alle relevanten Aspekte menschlichen Wissens und seiner Verwendung erklären kann.

§       Die Untersuchung und Beschreibung der kognitiven Fähigkeiten des Menschen kann auf zwei verschiedenen Ebenen erfolgen: auf der mentalen oder der neuronalen Untersuchungsebene.

§       Der mentalistische Ansatz erstellt Modelle, die Struktur- und Prozessaspekte mentaler Phänomene auf einer abstrakten und von der materiellen Grundlage losgelösten Ebene beschreiben.

§       In der neurobiologischer Forschung steht dagegen die physische Basis der Kognition im Vordergrund, die mittels neurobiologischer Explikationen beschrieben wird.

Jeder Versuch einer angemessenen Integration stößt unweigerlich auf das Problem einer Korrelationsmöglichkeit beider Ebenen und damit auf das alte Geist/Körper-Problem. In welcher Relation stehen materielle Grundlage und geistige Tätigkeit? Gibt es gemeinsame Gesetze, unter die neuronale und mentale Zustände und Ereignisse fallen?“

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen/Basel: Francke Verlag, 21996, S. 58-59]

Die Kognitive Wende

In der behavioristischen Psychologie beschäftigte man sich nicht mit der Funktionsweise des menschlichen Geistes; nur das beobachtbare, mit naturwissenschaftlichen Methoden messbare Verhalten des Menschen wurde analysiert.

Anfang der 60er Jahre vollzog sich in der Psychologie die Ablösung vom behavioristischen Forschungsansatz, der mentale Zustände und Vorgänge aufgrund seines rigiden positivistischen Postulats der Beobachtbarkeit als Blach-box-Phänomene (die sich dem wissenschaftlichen Zugang entziehen) aus dem Forschungsprozess ausgeschlossen hatte. Die Einbeziehung mentaler Entitäten erfolgte in einem sich über Jahre erstreckenden Paradigmawechsel, der heute als die »Kognitive Wende« bezeichnet wird. In der Psychologie gab Neisser (1967) dem neuen Forschungsparadigma seinen Namen: Kognitive Psychologie. Die Kognitive Psychologie beschäftigt sich mit allen Prozessen der Aufnahme, Speicherung und Anwendung von Informationen. Kognition wird als die menge aller Strukturen und Prozesse menschlichen Wissens definiert. [...]

Kognitive Einheiten und Prozesse sind als Teile komplexer Zusammenhänge aufzufassen und lassen sich nicht auf isolierte, unstrukturierte Komponenten reduzieren. Dem Menschen stehen gewisse kognitive Dispositionen von Geburt an zur Verfügung. Mit diesen Annahmen wendet sich der kognitivistische Ansatz gegen die Auffassung des Behaviorismus, dass der Mensch als Tabula rasa auf die Welt kommt und sein Wissen aufgrund assoziativer Lernsequenzen erwirbt. Eine wirkungsvolle Kritik am behavioristischen Erklärungsansatz kam dabei mit Chomskys Skinner-Rezension auch aus der Linguistik. Chomsky (1959) wies nach, dass sich die sprachlichen Fähigkeiten des Menschen nicht durch simple Reiz-Reaktion-Kontingenzen erklären lassen, sondern nur durch die Annahme eines komplexen Regelsystems, das als internalisiertes Kenntnissystem aufzufassen ist. Die Linguistik vor Chomsky war weitgehend eine beschreibende Wissenschaft, die sich mit der Klassifizierung eines Korpus sprachlicher Daten beschäftigte, ohne diese Daten in Beziehung zum menschlichen Geist zu setzen. Seit Chomsky (1965) ist nicht mehr das konkrete Verhalten (in Chomskys Terminologie: die Performanz) im Mittelpunkt sprachwissenschaftlicher Untersuchungen, sondern das diesem Verhalten zugrunde liegende Kenntnissystem (die Kompetenz). Chomsky hat die Wende in der Linguistik rückblickend folgendermaßen beschrieben:

«... the shift was from behavior or products of behavior to states ot the mind/brain that enter into behavior.» (Chomsky 1986:1)

Damit wird die Linguistik zu einer erklärende Wissenschaft, welche die im menschlichen Geist verankerte Repräsentationen als Konstituenten der Sprachfähigkeit des Menschen analysiert und beschreibt. Chomsky (1975, 1988) hat deshalb die von ihm definierte generative Linguistik wissenschaftstheoretisch stets als ein Teilgebiet der kognitiven Psychologie aufgefasst. Die mentalistische Sprachtheorie, die mit Chomskys generativer Grammatik in den Vordergrund sprachwissenschaftlicher Arbeiten rückte, ist damit von ihrer Konzeption her ein Vorläufer der kognitivistischer Ansätze in der Linguistik.“

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 13-15]

„In behavioristischen Sprachtheorien – als deren Hauptvertreter Skinner angesehen wird – ging man davon aus, dass das Kind als eine tabula rasa auf die Welt kommt, also über keinerlei Prädispositionen verfügt und mit der Aneignung sprachlicher und allgemein-kognitiver Fähigkeiten bei Null anfangen muss. Nach Skinnen (1957) läßt sich der Spracherwerbsprozess als eine Abfolge von assoziativen Lernsequenzen charakterisieren. Sprachliche Strukturen werden als Wortketten beschrieben, die sich auf Stimulus-Response-Kontingenzen zurückführen lassen. Das Erlernen der Sprache wird im Paradigma der klassischen und der instrumentalen Konditionierung erklärt. [...] Für das Lernen permanenter assoziativer Sequenzen sind bestimmte Verhaltensmuster relevant: Imitation und Verstehen auf Seiten des Kindes und Reaktionen der Eltern oder Bezugspersonen, die das Kind durch Lob bzw. Tadel selektiv verstärken und Fördern. [...]

Chomsky hat bereits 1959 in seiner Skinner-Rezension einen solchen Ansatz als inadäquat zurückgewiesen, da er weder die strukturellen Gesetzmäßigkeiten von Sprache noch die Kreativität, die unsere Sprachfähigkeit auszeichnet, erklären kann. [...]

Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Kinder kaum durch das Verhalten der Eltern in ihrer sprachlichen Entwicklung beeinflussen lassen. Wörter und Strukturen, die in der Erwachsenensprache besonders oft vorkommen, müssten zudem nach der behavioristischen Lerntheorie am frühesten gelernt werden. Dies ist aber nicht der Fall. Kinder werden in den ersten Jahren fast gar nicht korrigiert, wenn sie ungrammatische Formen äußern, da die Eltern eher auf den Inhalt und die Intention der Äußerungen achten.

Der Spracherwerb verläuft trotz unterschiedlicher Sozialisationsbedingungen und individueller Variationen relativ einheitlich. [...]

Diese Überlegungen deuten darauf hin, dass das Kind mit Prädispositionen für die Sprach(erwerbs)fähigkeit ausgestattet ist. [...]

Empirische und nativistische Ansätzen stehen sich heute nicht mehr krass gegenüber wie noch in den 50er und 60er Jahren. Keine ernstzunehmende Theorie vertritt heute noch die These, dass das Kind als tabula rasa auf die Welt kommt und sich seine kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten allein aufgrund assoziativer Lernmechanismus aneignet. Selbst Vertreter des Neo-Behaviorismus – der seit der Kognitiven Wende keinen nennenswerten Einfluss mehr auf die Forschungsdiskussion hat – sprechen dem Kind angeborene Prädispositionen für den Erwerb mentaler Fähigkeiten zu.“

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 107-109]

Das Dilemma zwischen engen und weiten Definitionen von Reiz und Reaktion.

Folgen wir nun den behavioristischen Grundsatzentscheidungen und betrachten wir weiter das Reiz-Reaktions-Modell (die folgende Argumentation folgt Chomsky, 1959; S. 30). In einer sehr weiten und allgemeinen Form könnte man Reiz und Reaktion wie folgt definieren:

Als „Reize“ kommen in Frage: die Menge aller physikalischen Gegebenheiten, die auf einen Organismus einwirken, und als „Reaktionen“ alle Aktivitäten des Organismus, die in irgendeiner Weise von außen „beobachtbar“ sind.

Dies allerdings wäre eine Definition, die es unmöglich machen würde, irgendwelche Gesetzmäßigkeiten zwischen Reizen und Reaktionen zu finden, da die Zahl der zu beobachtenden und zu beschreibenden Gegebenheiten gigantische Ausmaße annehmen würde. (Man stelle sich vor: alle Sinneseindrücke der Ratte vom Start im Labyrinth bis zum Ende des Experiments und all ihre einzelnen Bewegungen.) Keine der methodologischen behavioristischen Forderungen nach experimenteller Kontrolle, nach Quantifizierbarkeit und vor allem Reproduzierbarkeit wären noch erfüllbar.

Es bleibt also keine andere Wahl, als genauere Bedingungen anzugeben, welche einzelnen physikalischen Gegebenheiten man als „Reiz“ und welche diskreten Aktivitäten man als „Reaktion“ ansehen will. Für eine engere, genauere Form der Definition von Reiz und Reaktion sind hier zwei Strategien denkbar:

1.       Man beginnt mit der Definition des „Reizes“, also einer eindeutigen Teilmenge aller physikalischen Gegebenheiten, die auf das Individuum einwirken (z.B. ein „Ton“ oder ein „Hebel“). Warum nehmen wir aber aus der riesigen Menge aller für die Ratte hör- oder sichtbaren Gegebenheiten ausgerechnet diese? Was dient hier als Definitionskriterium? Warum z.B. interessiert uns ein Hebel? Natürlich weil wir sehen wollen, ob und wie oft er gedrückt wird. Das heißt aber: wir bedienen uns für die Definition des „Reizes“ der „Reaktion“, die wir darauf erwarten. Konsequenterweise müssten wir also zunächst die „Reaktion“ genauer definieren; und dies entspricht der zweiten Strategie:

2.      Wir beginnen also diesmal mit der Definition einer „Reaktion“, die wir möglichst genau beschreiben wollen (z.B. Ausscheiden einer bestimmten Speichelmenge oder Drücken eines Hebels). Es stellt sich nun die analoge Frage: Warum wählen wir aus der großen Vielfalt der Rattenaktivitäten während des Labyrinthlaufs genau diese? Und woraufhin haben wir diese Reaktion so festgelegt? Natürlich weil wir erwarten (und empirisch prüfen wollen!), ob sie durch den „Reiz“ auch ausgelöst wird (oder zumindest in Anwesenheit dieses Reizes abläuft). Also müssen wir diesmal zuerst den Reiz genauer festlegen, um daraufhin erst die mit ihm korrelierende Reaktion definieren zu können.

Zusammengefasst ist also jeder Reiz nur durch die Reaktion definierbar, die er nach sich zieht, und jede Reaktion durch den Reiz, der sie verursacht. Gesetzmäßigkeiten ergeben sich stets automatisch! Sie sind in der Reiz-Reaktions-Definition inhärent. Es gibt nichts mehr zu erforschen.

Chomsky charakterisiert diese Situation so: „Fragen wie diese bringen den experimentellen Psychologen in ein Dilemma: Wenn wir die weiten Definitionen akzeptieren, (...) kann kein Verhalten mehr als gesetzmäßig demonstriert werden. (...) Wenn wir die enge Definition akzeptieren, ist jedes Verhalten per definitionem gesetzmäßig.“ (Chomsky, 1959; S. 30; Übers.: G.S.)

Daraus ergeben sich nun zwei Konsequenzen:

1. Unabhängig davon, welchem der beiden Pole (weite oder enge Definition) man zuneigt, man hat stets mit einem logischen Problem zu tun: der Zirkularität dieser Definition.

2. Jede Konzeption eines konkreten S-R-Modells in einem Forschungsprogramm verlangt eine Festlegung über den Konkretisierungsgrad von Reiz und Reaktion; d.h. es ist zu definieren, wie groß die Klassen physikalischer Ereignisse und die Klassen von Aktivitäten sind, die jeweils „Reiz“ oder „Reaktionen“ genannt werden sollen.

Die Zirkularität des S-R-Konzepts: Reiz und Reaktion als „theoretische Begriffe“:

Wenn also der „Reiz“ das ist, was man braucht, um die „Reaktion“ hervorzurufen und die „Reaktion“ das ist, was ein „Reiz“ nach sich zieht, so sind Reiz und Reaktion zweifellos zirkulär definiert und also voneinander nicht empirisch unabhängig. Nun ist aber das S-R-Konzept deshalb keineswegs unbrauchbar, wie z.B. Gibson (1960) befürchtet. Es handelt sich hier nämlich um das in wissenschaftlichen Theorien häufige Phänomen theoretischer Begriffe im Sinne des Sneed /Stegmüllerschen Strukturalismus (vgl. dazu Kapitel 2), die so aufeinander bezogen sind, dass sich jeder einzelne nur dann empirisch fassen lässt, wenn man die Gültigkeit der Theorie (bzw. der Teile, an denen die beiden Begriffe beteiligt sind) voraussetzt. Das bedeutet hier: ein Reiz lässt sich erst bestimmen (definieren und messen), wenn das Reiz-Reaktions-Konzept als gültig akzeptiert wird.

Bekanntlich ist dieses Dilemma aus strukturalistischer Sicht lösbar durch ein konkretes Messmodell. Und genau das ist es, was Behavioristen stets tun: Sie schlagen konkrete Experimente vor und demonstrieren an diesen ihre Auffassung des Reiz-Reaktions-Konzeptes.

Insgesamt ist also aus strukturalistischer Perspektive die von Chomsky kritisierte „Zirkularität“ der Begriffe „Reiz“ und „Reaktion“ zwar wissenschaftslogisch „ungefährlich“, auf der anderen Seite hat aber das Konstrukt „Reiz-Reaktion“ auch seinen naiv-realistischen „Tatsachencharakter“ verloren. Es ist wissenschaftslogisch nur zu retten, solange es als „axiomatische Setzung“ akzeptiert wird. Diese ist als theoretische Kernannahme allerdings gegen jeden empirischen Falsifikationsversuch immun.

Der Konkretisierungsgrad von „Reiz“ und „Reaktion“: „molekulare“ und „molare“ Auffassungen:

Pawlows Versuch der Reduktion aller komplexen Verhaltensweisen auf physiologische Reflexe ist sicherlich schon eine recht molekulare Auffassung. Watsons Vorstellung von „Verhalten“ ist dagegen, wie wir am „Kleinen Albert“ gesehen haben, deutlich „gröber“. Wenn er auch die Möglichkeit des Reduzierens auf immer elementarere Reiz-Reaktions-Verbindungen postuliert, empirisch realisieren musste er dies nie.

Bei den Behavioristen der 30er Jahre zeigt sich eine deutliche Abstufung in der „Molarität“ (Marx & Hillix, 1979) von Reiz und Reaktion:

Hull (1930, 1931) zerlegt eine Verhaltenssequenz, die z.B. in einem Labyrinth einem definierten Zielverhalten vorausgeht (Laufen, Suchen usw.) in einzelne S-R-Sequenzen und zeigt, wie diese Sequenzen durch Verkürzung das Endverhalten immer „ökonomischer“ zustande bringt, wodurch der Eindruck einer „Zielorientierung“ oder „Voraussicht“ entsteht.

Skinner (1931, 1932) definiert „Verhalten“ durch seine Wirkung, also durch das, was als Konsequenz auf das Verhalten folgt („Verstärkungskontingenzen“). Aus diesem Grund fasst er alle Verhaltensvarianten, die dieselbe Konsequenz haben, zu einer „Reaktionsklasse“ zusammen, die empirisch nicht weiter unterschieden zu werden braucht.

Tolman (1932) endlich definiert Reize gar nicht mehr physikalisch, sondern durch die „Bedeutung“, die sie für das Individuum in dieser Situation haben. Reize sind nun zu „Signalen“ geworden; gelernt werden keine Bewegungen, sondern „Zeichen-Gestalt-Erwartungen“.

[http://home.t-online.de/home/saemmer/dis/diskap6.htm]

Skinners Auffassung steht im Gegensatz zu verschiedenen Vertretern von «inneren Männern», wobei letztere entweder als frei betrachtet werden, z.B. von Platon, Augustinus, Descartes; oder als selbst determiniert, z.B. von Freud; ebenso steht er im Gegensatz zu denen, die an «innere Maschinen» glauben, z.B. Demokrit, teilweise Descartes und Pawlow.

Meines Erachtens ist Skinner der erste, der ein bestimmtes Paradigma tatsächlich realisiert hat, welches sich letzten Endes auf Aristoteles zurückführen läßt.”

[Kraiker, Christoph: Psychoanalyse Behaviorismus Handlungstheorie. Theoriekonflikte in der Psychologie. München: Kindler, 1980, S. 124]

Kritik der These Skinners, alles teleologisch erklärbare Verhalten sei operant verstärktes Verhalten.

Es ist deutlich, dass sich diese These Skinners fundamental von all dem unterscheidet, was innerhalb der platonischen Tradition formuliert worden ist. Tatsächlich handelt es sich bei Skinner um eine mögliche Verwirklichung des aristotelischen Paradigmas, und das Problem wird nun sein, festzustellen, ob diese These wirklich universelle Gültigkeit beanspruchen kann. Präziser ausgedrückt: lassen sich tatsächlich alle Formen teleologischer Erklärungen menschlichen Verhaltens auf diese Art und Weise rekonstruieren?

Zweifellos ist dies eine empirisch zu entscheidende Frage. Da Skinners These universeller Natur ist, kann sie nicht im strengen Sinne verifiziert werden, d. h. man kann sie nicht für alle vorkommenden Fälle beweisen. Es bleibt also nur der Weg der Falsifizierung, und die erste Aufgabe wird sein, herauszuarbeiten, was man eigentlich als Falsifizierung gelten lassen würde. In anderen Worten: Unter welchen Umständen würde man sagen, dass Skinners These nicht zutrifft?

Ich möchte damit beginnen, einige mögliche Einwände zu untersuchen, die meines Erachtens alle keine entscheidende Durchschlagskraft besitzen.

1. Man könnte sagen, dass Verstärkungen und Bestrafungen nicht immer dem Organismus äußerliche Operationen oder Vorkommnisse sind, sondern dass es sich – wenigstens beim Menschen – häufig um innere Vorgänge handelt, z. B. um positive oder negative Bewertungsprozesse, um subjektiv erlebte Angst oder um subjektiv erlebte Lust etc... Dies mag richtig sein, würde aber kaum auf Skinners Widerspruch stoßen. Mit dem Begriff der Umgebung ist – genau betrachtet – bei Skinner nicht die Umgebung des Organismus gemeint, sondern die Umgebung einer bestimmten Klasse von Verhaltensweisen, und diese Umgebung kann durchaus Ereignisse "within the organism's own skin” enthalten, also etwa Stimulationen, die nur von dem betroffenen Organismus selbst unmittelbar wahrgenommen werden können. 

»Ein privates Ereignis unterscheidet sich durch seine begrenzte Zugänglichkeit, aber nicht ‑ soweit wir wissen ‑ durch irgendeine spezielle Struktur oder Natur« (1953, S.257).

Private Ereignisse können also ebenso als diskriminative Stimuli, Strafreize oder Verstärker wirken wie öffentliche Ereignisse, und private oder innere operants (oder Coverants) unterliegen den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie offen präsentiertes Verhalten. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob alle inneren Vorkommnisse als physische Ereignisse innerhalb der Hautoberfläche betrachtet werden können, aber dies ist ein ganz anderes Problem als das, was wir gerade diskutieren. Tatsächlich ist nämlich die Skinnersche Theorie des operanten Verhaltens ontologisch völlig neutral; die von ihm postulierten funktionalen Beziehungen zwischen Ereignissen und Verhaltensweisen könnten in einem rein materiellen, in einem rein immateriellen (z. B. Berkeley'schen), und in einem gemischt‑ontologischen Universum existieren. Die Frage nach der Ontologie sowie die Frage nach den zugelassenen Basisdaten ist vom Problem der Skinner‑These logisch unabhängig.      

2. Als Kronzeuge gegen den Skinnerschen Behaviorismus wird gern einer seiner schärfsten Kritiker zitiert, N. Chomsky. Dessen Einwände finden sich hauptsächlich in A review of B. F. Skinner's Verbal Behavior (1959) und Psychology and Ideology (1973). Von den verschiedenen Argumenten sei hier jenes herausgegriffen, das sich gegen die These richtet, ein sorgfältiges Arrangement von Verstärkungskontingenzen durch die Sprachgemeinschaft sei eine notwendige Bedingung, damit das Kind eine natürliche Sprache erlerne (vgl. Skinner, 1969, S. 197). Chomsky hat dazu folgendes zu sagen:

»In ähnlicher Weise steht wohl außer Frage, dass Kinder einen großen Teil ihres sprachlichen und nichtsprachlichen Verhaltens durch zufällige Beobachtung und Imitation von Erwachsenen und anderen Kindern erwerben. Es ist einfach nicht wahr, dass Kinder eine Sprache nur bei ,sorgfältigem Bemühen~ seitens der Erwachsenen lernen, die ihr sprachliches Repertoire durch genaue differentielle Verstärkung ausformen, auch wenn dies vielleicht in akademischen Familien üblich ist. Man kann häufig beobachten, dass ein junges Kind von eingewanderten Eltern mit erstaunlicher Geschwindigkeit eine zweite Sprache in den Straßen lernt, von anderen Kindern, und dass seine Sprache vollkommen flüssig und bis zum letzten Allophon korrekt ist, während die Feinheiten, die ihm zur zweiten Natur geworden sind, den Eltern trotz hoher Motivation und ständiger Praxis entgehen. Ein Kind kann einen großen Teil seines Wortschatzes und seines ‑Gefühls« für Satzstrukturen vom Fernsehen, vom Lesen und vom Hören Erwachsener etc. aufnehmen. Sogar ein sehr junges Kind, das noch nicht das minimale Repertoire erworben hat, aufgrund dessen es neuartige Äußerungen formen könnte, imitiert unter Umständen bei einem der ersten Versuche ein Wort sehr gut, ohne dass die Eltern sich bemühen, es ihm beizubringen. Es ist ferner ganz offensichtlich, dass ‑in einem späteren Stadium ‑ ein Kind in der Lage sein wird, Äußerungen zu konstruieren und zu verstehen, die vollständig neu und gleichzeitig akzeptierbare Sätze seiner Sprache sind. jedes Mal wenn ein Erwachsener eine Zeitung liest, begegnet er ohne Zweifel zahllosen Sätzen, die im einfachen physikalischen Sinn keinem der Sätze ähnlich sind, die er vorher gehört hat, die er jedoch als Sätze erkennt und versteht; er wird auch fähig sein, leichte Entstellungen und Druckfehler zu entdecken. Der Begriff Stimulusgeneralisierung verewigt in diesem Fall nur das Rätsel unter einem neuen Titel. Diese Fähigkeiten zeigen, dass hier fundamentale Prozesse wirken müssen, die ganz unabhängig sind vom feedback aus der Umgebung. ich konnte nicht die geringste Unterstützung für die Annahme Skinners und anderer Autoren finden, dass langsame und sorgfältige Ausformung sprachlichen Verhaltens durch differentielle Verstärkung eine absolute Notwendigkeit ist. Wenn die Verstärkungstheorie wirklich ein solches sorgfältiges Bemühen verlangt, dann sollte man das einfach als eine reductio ad absurdum dieses Ansatzes auffassen« (1959, S. 562 ff.).

Der Erwerb, die Aneignung einer natürlichen Sprache durch das Kind ist unbestritten ein sehr verzwicktes und kontroverses Forschungsgebiet; ich habe hier weder die Absicht noch die Möglichkeit, auf fundierte Weise zu den Bemerkungen Chomskys Stellung zu nehmen, zumal dies eine sehr intensive Beschäftigung mit seiner Sprachphilosophie und Grammatiktheorie erfordern würde. In diesem Zusammenhang ist das nicht nötig, da selbst bei Korrektheit der Einwände Chomskys gegen die Skinnerschen Annahmen lediglich bewiesen wäre, dass der Spracherwerb, oder wenigstens wesentliche Aspekte desselben, nicht durch operante Lernprozesse hinreichend erklärt werden können (vgl. Westmeyer, 1976, S. 17). Aber auch dieses Ergebnis trägt zu einer Beurteilung der Skinner‑These nichts bei, da ‑ soweit ich das sehe ‑ das Erlernen einer Sprache durch ein kleines Kind von niemandem teleologisch erklärt wird. Das heißt, es kann nicht angenommen werden, dass das Kind alle diejenigen Verhaltensweisen, die im Zusammenhang mit seiner Sprachentwicklung auftreten, in der Absicht ausführt, später einmal ordentlich Deutsch, Englisch oder Chinesisch sprechen zu können. Vielmehr handelt es sich um einen Prozess, der, nach Chomsky, unter geeigneten Bedingungen automatisch in Bewegung gesetzt wird. Wir haben es also nicht mit einem Verhaltenskomplex zu tun, der zwar nicht durch die Theorie des operanten Verhaltens, wohl aber als subjektiv zweckbestimmter erklärt werden kann ‑ und es sei noch hinzugefügt, dass Chomsky dies auch nicht behauptet hat.

An dieser Stelle soll noch eine generelle Bemerkung über die Grammatiktheorie Chomskys eingeschoben werden.

»Das fundamentale Ziel in der linguistischen Analyse einer Sprache L ist es, die grammatischen Sequenzen, die Sätze von L sind, von den ungrammatischen Sequenzen zu trennen, die keine Sätze von L sind ' und die Struktur der grammatischen Sequenzen zu untersuchen. Die Grammatik von L ist also ein Instrument, das alle grammatischen Sequenzen von L generiert und keine der ungrammatischen« (Chomsky, 1957, S. 13).

Eine Grammatik ist demnach ein formaler Kalkül, der nach bestimmten Regeln Zeichensequenzen generiert, und zwar in einem anderen Sinn als ein realer Sprecher Sätze produziert und ausspricht bzw. aufschreibt. Die Konstruktion einer solchen Grammatiktheorie ist ‑ genauso wenig wie die Konstruktion eines Logikkalküls ‑ Teil eines psychologischen Forschungsprogramms und hat daher zunächst mit empirischen Hypothesen über menschliches Verhalten nichts zu tun (vgl. Lyons, 1970, S. 83‑95). Allerdings erstellt die Grammatiktheorie Richtlinien für die Ausarbeitung einer selbständigen psychologischen Theorie des Spracherwerbs und der Sprachperformanz, die mit anderen psychologischen Auffassungen in Konflikt geraten kann. Obwohl Chomsky in seinen späteren Arbeiten mehr dazu neigt, die Linguistik als einen Zweig der kognitiven Psychologie zu betrachten, hält er doch an folgendem fest:

»Zweifelsohne wird ein vernünftiges Modell der Sprachverwendung die generative Grammatik als grundlegende Komponente integrieren, die die Sprachkenntnis des Sprecher‑Hörers zum Ausdruck bringt; aber diese generative Grammatik stellt von sich aus keine Vorschrift dar für den Charakter und das Funktionieren eines Modells der Perzeption oder eines des Sprechvorganges« (1965, S. 20; vgl. auch Herriot, 1970, S. 56‑78 ).

3. Ferner könnte man einwenden, dass Skinner selbst seine fragliche These stillschweigend ad acta gelegt habe, und zwar durch die Einführung des Begriffs vom »regelgesteuerten Verhalten«  (1969, S. 121‑125 und S. 146‑171). Dieses wird ausdrücklich abgehoben vom »kontingenzgeformten Verhalten«, also jenem, das durch unmittelbaren Kontakt mit Kontingenzen der Umgebung (im vorhin charakterisierten Sinn) determiniert wird und so den primären Gegenstand der Theorie des operanten Verhaltens (TOV) bildet.

Regeln dagegen sind »...kontingenzbezogene Stimuli, die entweder vom Problemlöser selbst oder von anderen konstruiert werden‑ (1969, S. 146); sie werden gewissermaßen aus den tatsächlich vorgefundenen Kontingenzen extrahiert und so zu verbalen diskriminativen Stimuli, typischerweise von der Form "wenn man unter den und den Umständen das und das tut, hat das die und die Konsequenz«.

Die Frage ist nun: wie beeinflusst eine Regel das Verhalten? Und von der Beantwortung der Frage hängt ab, ob wir es hier nicht doch mit einer Art Kryptoteleologie zu tun haben. Es ist ja nahe liegend, zu sagen, dass »regelgesteuert« nichts anderes heißt als »beeinflusst durch das Wissen um bestimmte Zusammenhänge in der Natur«, und da eine derartige Wissenskomponente Teil einer teleologischen Erklärung ist, könnte auch »regelgesteuertes Verhalten« identisch sein mit »teleologisch erklärbarem« Verhalten.

Nun bezeichnet »x weiß, dass p« eine dispositionelle Eigenschaft einer Person, während eine Regel ‑ nach Skinner ‑ einfach »ein Objekt der Umgebung« ist (1969, S. 148); das Aussprechen einer Regel ist stimuluserzeugendes Verhalten, das selbst durch Vorkommnisse in der Umgebung determiniert ist und eine determinierte nachfolgende Reaktion auslöst. Man kann etwa an eine Maschine denken (Skinner, 1969, S. 149), die beim Eintreffen bestimmter Umstände (etwa Rauchentwicklung in einem Saal) ein Programm abruft, aufgrund dessen sie verschiedene Maßnahmen einleitet, um ein Feuer zu verhüten bzw. zu bekämpfen.

Dieses Programm könnte natürlich sprachlich formuliert werden, etwa durch Ausdrucken oder durch Vokalisation mittels entsprechender Einrichtungen. Es ist weiterhin technisch realisierbar, dass dieses Programm nicht von außen eingespeichert wird, sondern dass die Maschine es nach gewissen Lernprozessen selbst entwickelt. Dies zeigt einfach, dass die Fähigkeit zu sprachlichen Äußerungen an sich noch kein zureichendes

Kriterium für menschliche Rationalität im Sinne vernünftiger eigener Zweckbestimmung ist, worauf ja bereits Descartes aufmerksam gemacht hat und was detailliert von Bennett (1964) begründet wurde. Die Einführung von »regelgesteuertem Verhalten« allein zwingt also keineswegs dazu, auch teleologische Erklärungsformen zu akzeptieren.

4. Ein weiterer Einwand gegen die Theorie des operanten Verhaltens lautet, dass singuläre Verhaltensakte von ihr nicht erfasst werden, da ihr Gegenstand ja Reaktionsraten bzw. deren Änderung sind. So kann sie die wirklich interessanten Fragen, ob etwa X die Person Y in ihr Testament aufnimmt, ob Herr A und Frau B heiraten, ob der Präsident Z den Krieg erklärt etc. weder vorher beantworten noch später die entsprechenden Tatsachen erklären.

Nun scheint es mir intuitiv nicht plausibel~ dass die Singularität eines Verhaltensaktes ‑ für sich genommen ‑ der Theorie des operanten Verhaltens Probleme bereitet. Man kann ja eine wohlkonditionierte Ratte in eine Skinner‑Box setzen, sie einmal auf den Hebel drücken lassen und dann sofort wieder herausnehmen. Dieses Ereignis ist nicht etwa ein unergründliches Mysterium, sondern bei Kenntnis der Lerngeschichte sowohl vorhersehbar als auch durch diese erklärbar. Das zeigt, dass die Theorie des operanten Verhaltens letztlich doch mit Verhaltenswahrscheinlichkeiten zu tun hat, und dass Reaktionsraten lediglich eine Äußerungsform von Wahrscheinlichkeiten sind, aber nicht die einzige. Nun bereitet es zweifellos Schwierigkeiten, singulären Ereignissen einen Wahrscheinlichkeitswert zuzuordnen, aber Skinner selbst hat darauf hingewiesen, dass dieses Dilemma bei allen Wissenschaften mit probabilistischen Daten auftritt, also z. B. auch in der Physik (1957, S. 28).

Mit diesem Problem verwandt ist der Hinweis Westmeyers (1976, S. 23), dass die genaue Bestimmung von Reaktionswahrscheinlichkeiten in der Verhaltenstherapie (sofern sie Anwendungsfeld der Theorie des operanten Verhaltens zu sein beansprucht) oft unmöglich ist, eben weil man die Reaktionsrate nicht messen kann. Dazu lässt sich sagen, dass man eine genaue Bestimmung auch nicht braucht (bis zu welcher Stelle hinter dem Komma soll man denn gehen, um genau zu sein?), sondern dass eine Rangordnung von Wahrscheinlichkeiten ausreicht; ferner, dass »nicht meßbar« auf einen konkreten Zeitpunkt der Wissenschaftsgeschichte relativiert werden muss. Es bleibt durchaus innerhalb der Grenzen wissenschaftlicher Rationalität, wenn man sagt, dass aufgrund meiner Theorie bestimmte Sachverhalte eintreten müssen, auch wenn ich dies noch nicht durch geeignete Messungen beweisen kann. Die entsprechenden Messverfahren werden vielleicht erst später entwickelt, und nur durch eine Demonstration, dass dies prinzipiell unmöglich ist, ließe sich die Theorie hinsichtlich jener Sachverhalte als empirisch leer erweisen.

Man scheint immer wieder davon auszugehen, dass eine Vorschrift zur Messung von Wahrscheinlichkeiten eine operationale Definition eben dieser Wahrscheinlichkeiten voraussetzt, dass ein definitorischer Zusammenhang besteht zwischen dem Ergebnis einer Messung und der Aussage "die Wahrscheinlichkeit, dass r, beträgt p‑. Es erscheint mir jedoch angemessener, statistische Wahrscheinlichkeit als eine undefinierbare theoretische Disposition von Systemen aufzufassen, derart, dass zwischen ihr und relativer Häufigkeit auf lange Sicht nur‑ ein sehr indirekter und nicht mehr durch eine Definition ausdrückbarer Zusammenhang« (Stegmüller, 1973, S. 112) besteht.

Das heißt, dass es sehr viele verschiedene Methoden zur Wahrscheinlichkeitsbestimmung geben kann und dass diese Methoden nicht von vorneherein festliegen müssen. Freilich ist das keine Lösung des Problems, aber wie immer diese Lösung oder Lösungen auch aussehen werden: Solche Schwierigkeiten bei der Betrachtung von singulären Verhaltensakten implizieren selbstverständlich nicht, dass sie teleologisch erklärt werden können oder gar müssen. Der lang diskutierte Einwand ist für diese Frage ganz irrelevant.

Nach diesen Exkursionen soll noch einmal neu überlegt werden, was man eigentlich als Falsifikation der Skinner‑These bezeichnen würde. Nach dieser These sind Sätze von der Form

• tut y, um z zu verwirklichen

• tut y, in der Absicht, z zu verwirklichen

• tut y, weil er damit z verwirklichen will (möchte)

Kurzformen von (bzw. synonym mit) Sätzen von der Art:

x tut y, denn in der Vergangenheit ist dies mit z verstärkt worden (vgl. Skinner, 1953, S. 87).

Zunächst muss diese naive Form der Skinner‑These revidiert werden, denn so ist sie offensichtlich nicht haltbar. Oft genug werden als Ziel und Zweck eines Verhaltens Sachverhalte angegeben, die in der Vergangenheit der Person noch nicht vorgekommen sind, die also auch keine Verstärkerwirkung ausgeübt haben können.

»Professor X strengt sich ungeheuer an, um den Nobelpreis zu bekommen‑ ist kaum jemals, oder überhaupt nie, synonym mit »Professor X strengt sich ungeheuer an, weil früher seinen Anstrengungen die Verleihung von Nobelpreisen folgte«.

Hier haben wir es entweder mit regelgesteuertem Verhalten zu tun (wobei ich offen lassen möchte, wie sinnvoll diese Deutung ist) oder es sind andere Verstärkungen, die die Anstrengungen des Professors aufrechterhalten. Diese beiden Möglichkeiten schließen sich nicht gegenseitig aus. Verschärft wird die Schwierigkeit ferner dann, wenn das angegebene Ziel einer Handlung – wenigstens in den Augen Skinners – gar nicht existiert, d. h. weder jemals erreicht wurde noch jemals erreicht werden wird.

»Kaiser Karl V. ging gegen Ende seines Lebens in ein Kloster, um die ewige Seligkeit zu erlangen« wird von Skinner sicher nicht übersetzt in die Aussage: »Kaiser Karl V. ging gegen Ende seines Lebens in ein Kloster, weil vorher seinen Klosterbesuchen häufig die ewige Seligkeit folgte«. Dies ist sicher objektiv falsch, wenn nicht sogar semantischer Unsinn. Skinner dürfte auch Mühe haben, dies als ein Beispiel regelgesteuerten Verhaltens zu begreifen, denn seiner Ansicht nach gibt es gewiss keine realen Kontingenzen, aus denen Karl V. oder seine Vorfahren eine derartige Regel hätten extrahieren können. Skinners Interpretation sähe vermutlich folgendermaßen aus: Das Klosterleben von Karl V. wird in der Tat durch andere (positive oder negative) Verstärker aufrechterhalten. Die Behauptung »er tat dies, um die ewige Seligkeit zu erlangen« ist einfach ein historischer Bericht über einige Emissionen verbalen Verhaltens durch Karl V. selbst, und dass dieser ab und zu sagte »ich tue das, um die ewige Seligkeit zu erlangen« ist ein Beispiel für Rationalisierung (Skinner, 1953, S. 292). Für diese Art von Aussage wurde Karl V. verstärkt (gelobt, bewundert etc.), während die tatsächlichen Kontingenzen ihm vielleicht überhaupt unbekannt waren; hätte er sie jedoch gekannt und mitgeteilt, wären aversive Konsequenzen aufgetreten, die er so vermied.

Die Skinnersche Deutung teleologischer Erklärungen wird also durch die Einführung von Regeln und Rationalisierungen komplexer, als es zunächst den Anschein hatte, und diese Elemente müssen bei einer Auseinandersetzung mit ihm berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund lassen sich nun einige Eigenschaften von Verhaltensakten angeben, die die Skinner‑These falsifizieren, d. h. derart, dass sie als zielgerichtet, aber nicht als von Kontingenzen determiniert gelten können. Dies ist der Fall, wenn

1. das Verhalten einzigartig ist, d. h. einziges Element einer definierten Klasse von Verhaltensweisen,

2. das Verhalten nicht als regelgesteuert im Skinnerschen Sinn angesehen werden kann,

3. das Verhalten ohne die Theorie des operanten Verhaltens vorhergesagt werden kann

4. das Verhalten absichtlich durchgeführt wird, wobei es absichtlich als theoretische Eigenschaft aufgefasst wird.

Es wurde bereits begründet, dass die Singularität einer Verhaltensweise noch nicht ausreicht, um sie einer Skinnerschen Erklärung zu entziehen. Singulär heißt ein Verhalten dann, wenn es ein einzelnes Element von vielen Elementen einer definierten Klasse von Verhaltensweisen ist, also im Sinne von Reaktion oder response. Ein einzelner Hebeldruck von vielen ist demnach singulär. Einzigartig ist ein Verhalten, wenn es eine Klasse von Verhaltensweisen gibt, derart, dass dieses Verhalten einziges Element dieser Klasse ist. Zum Beispiel ist mein Hinschreiben des Satzes ‑Gestern erblühte die Königin der Nacht in meinem Kühlschrank ‑ den ich im folgenden S‑ck nennen will ‑ ein einzigartiges Verhalten von C. K., da ich bislang nie so etwas geschrieben habe. Das Auftreten dieses Satzes an dieser Stelle kann nicht durch eine Lerngeschichte erklärt werden, da dies die wiederholte Emission dieses Satzes in meiner Vergangenheit und die entsprechenden Kontingenzen voraussetzen würde.

Das ist jedoch für Skinner zunächst nicht weiter aufregend, da in einem bestimmten Sinn alle Verhaltensweisen einzigartig sind, oder anders ausgedrückt: keine Ratte bewegt zweimal auf genau die gleiche Art und Weise den Hebel. Eine Reaktion der Ratte unter der Beschreibung ‑Hebeldruck« ist also durch Kontingenzen erklärbar, unter einer exakten Beschreibung des konkreten Einzeln alles nicht mehr. Die von Fall zu Fall auftretenden Variationen werden irgendwelchen nicht mehr erfassbaren Einflüssen zugeschrieben (Skinner, 1935). Dies gilt auch umgekehrt. Was unter einer bestimmten Beschreibung einzigartig ist, wie z. B. der oben produzierte Satz S‑ck im wörtlichen Zitat, ist unter einer anderen Beschreibung, etwa ‑schriftliche Produktion eines wohlgeformten Satzes der Deutschen Sprache‑ etwas, was ich schon sehr häufig getan habe, und unter diesem Gesichtspunkt möglicherweise durch Kontingenzen erklärbar.

Unversehens gerät so die Theorie des operanten Verhaltens in die Gefahr der Trivialisierung. Wenn sich jemand mit der Entstehung des, sagen wir, Waste Land von T. S. Eliot beschäftigt, dann kann Skinner sagen, Eliot sei zweifellos für das Schreiben von Poesie verstärkt worden; dass Eliot aber überhaupt Gedichte produzierte, ist hier gar nicht das Problem, sondern es interessiert, warum er genau dieses Gedicht geschrieben hat. Hier liegt eine Quelle des häufig beobachteten Aneinandervorbeiredens von Anhängern und Gegnern Skinners: Sie debattieren, ohne dies wahrzunehmen, über ganz unterschiedliche Fragestellungen.

Um auf Chomsky zurückzukommen: die Fähigkeit des Menschen, eine unendliche Anzahl von neuen und einzigartigen Sätzen seiner Muttersprache zu generieren und zu verstehen, mag durch die Theorie des operanten Verhaltens nicht erklärbar sein, aber das beweist noch nichts über das Anliegen Skinners in Verbal Behavior (1957), nämlich den Versuch, Klassen oder Typen von verbalen Äußerungen zu identifizieren (mands, tacts, etc.) und deren Auftreten als kontingenzgeformt zu verstehen. Es handelt sich tatsächlich um zwei verschiedene Probleine. Skinner selbst ist jedoch an der Verwirrung schuld, wenn er den Eindruck erweckt, er wolle mit Verbal Behavior die Herausforderung A. N. Whiteheads annehmen, nämlich bestimmte Aussagen erklären wie Whiteheads Spruch (während eines gemeinsamen Abendessens im Jahre 1934): "Kein schwarzer Skorpion fällt auf diesen Tisch‑ (Skinner, 1957, S. 457). Gegenstand von Verbal Behavior sind eben nicht einzigartige Äußerungen, sondern Klassen von Äußerungen.

Für unsere Diskussion von Bedeutung ist nun allein ein Verhalten, sofern es unter einer bestimmten Beschreibung einzigartig ist. Für Skinner ist diese Einzigartigkeit lediglich Ergebnis zufälliger Störvariablen, oder aber ‑ und damit kommen wir auf den zweiten Punkt zurück ‑ Ausdruck einer Steuerung durch Regeln. Diese immer noch recht undurchsichtige Idee soll an einem Beispiel erläutert werden. Skinner stellt es sich offenbar so vor, dass es der Sprachgemeinschaft gelingt, ihren heranwachsenden Mitgliedern bestimmte Maximen mit auf den Weg zu geben, die für verschiedene Situationen geeignetes (= verstärkt werdendes) Verhalten spezifizieren. Wenn eine solche Situation dann wirklich eintritt, taucht im Verbalisator des Betroffenen automatisch die Verhaltensanweisung auf, und wird ‑ ebenso automatisch ‑ befolgt. Eine derartige Maxime könnte etwa wiedergegeben werden als "wenn ein Erdbeben kommt, bewegen sich Decken und Wände, die Lampen fangen an zu schwanken, und dann muss man so schnell wie möglich das Haus verlassen und eine unbebaute, freie Stelle auf ‑ suchen, sonst wird man von den zusammenfallenden Trümmern erschlagen‑. Worauf Gretel sich beim ersten Erdbeben ihres Lebens nicht am Schreibtisch festhält, sondern flieht. Dieses Verhalten kann durchaus einzigartig sein, sofern die Beschreibung ‑Gretel flieht vor einem Erdbeben ins Freie« nur ein einziges Mal zutrifft. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die Deutung als "regelgesteuertes Verhalten‑ überhaupt möglich ist? Wenigstens eine notwendige Voraussetzung ist die, dass die Regel von der lehrenden Sprachgemeinschaft tatsächlich formuliert wurde. Dann kann der Satz S‑ck aber nicht regelgesteuert produziert worden sein, denn eine Maxime, in der dieser Satz in genau dieser Formulierung vorkommt, ist bisher nicht vermittelt worden. Also kann schon aus diesem Grund eine derartige Interpretation nicht akzeptiert werden.

Bliebe noch die Alternative, dass S‑ck die zufällige durch unkontrollierte Einflussvariable erzeugte) Variation folgenden allgemeinen Verhaltenstyps ist: "einen wohlgeformten Satz der deutschen Sprache erzeugen‑, von dem ja bereits zugegeben wurde, dass er möglicherweise von Kontingenzen abhängig ist. In diesem Fall ist der Satz S‑ck als einzigartiges Gebilde weder erklärbar noch voraussehbar, wenigstens nicht innerhalb der Theorie des operanten Verhaltens. Wie gesagt gilt dies jedoch ebenfalls für jeden ganz genau beschriebenen Einzelfall einer Rattenreaktion und braucht Skinner zunächst weiter keinen Kummer zu bereiten. Kritisch wird es für ihn erst, wenn jemand zum Beispiel das einzigartige Verhalten als einzigartiges voraussagen kann, ohne die Theorie des operanten Verhaltens zu Hilfe zu nehmen. Wie stellt man nun fest, ob eine Person dazu in der Lage ist? Man könnte etwa folgendes Experiment machen: jeden Abend findet ein Treffen statt zwischen einem Versuchsleiter (V1) und einer Versuchsperson (Vp). Am ersten Abend übergibt die Vp dem VI einen Zettel, auf dem ein neuartiger Satz steht, den die Vp am nächsten Abend aussprechen wird. Am zweiten Abend spricht die Vp zunächst diesen Satz aus, und übergibt einen neuen Zettel mit der Vorhersage eines neuartigen Satzes für den dritten Abend, und so weiter. Wenn die Vp über eine genügend große Anzahl von Durchgängen hinweg ihre Sätze korrekt vorhergesagt hat, gilt ihre Behauptung, sie könne derartige Voraussagen machen, als bestätigt.

Sicherlich ist dies möglich. Wer daran zweifelt, sollte bereit sein, eine entsprechende Wette einzugehen, und ich denke, dass viele eine solche Wette annehmen würden. Doch was beweist das? Es beweist, dass es sich nicht um zufällige und unvorhersehbare Variationen innerhalb einer bestimmten Verhaltensklasse handelt. Das Argument, dass die Vorhersage selbst eben zufällig gewesen sei, ist empirisch völlig nichts sagend, da man auch die Vorhersage vorhersagen lassen kann, etc. Im Zusammenhang mit den anderen Eigenschaften dieses Verhaltens ‑ wie Einzigartigkeit, nicht regelgesteuert im Skinnerschen Sinn ‑ folgt daraus, dass die ersten drei der die Skinner‑These falsifizierenden Bedingungen erfüllt sind. Es bleibt noch die weitere Bedingung zu untersuchen, die Forderung, dass das fragliche Verhalten absichtlich durchgeführt wurde. Denn bislang wurde ja nur das Versagen der Theorie des operanten Verhaltens in bestimmten Fällen demonstriert, das aber beweist noch nichts Über die Möglichkeit einer teleologischen Erklärung.

Wenn man absichtliche Verhaltensweisen mit Handlungen identifiziert und zunächst einmal unterstellt, dass die genannten relevanten Beispiele als Verwirklichungen von Handlungen angesehen werden müssen, dann wird deutlich, mit welchen komplexen Problemen der Handlungsbegriff belastet ist. Ich denke, dass diese Probleme nur dann einer Lösung zugeführt werden können, wenn u. a. folgende Einzelfragen erörtert werden: ‑ was sind eigentlich Erklärungen von Verhalten und Handlungen?

welche Rolle spielt dabei die Art der Beschreibung?

welche Rolle spielt die Möglichkeit der Vorhersage von eigenem und fremdem Verhalten (oder Handeln)? ‑ was soll man unter einer empirischen Verhaltenstheorie verstehen?

in welcher Beziehung stehen Handeln und Verhalten (als Nicht‑Handeln) zueinander?

Im nächsten Abschnitt möchte ich versuchen, diese Probleme im Rahmen einiger handlungstheoretischer Überlegungen zu diskutieren, um daraufhin besser in der Lage zu sein, das gegenseitige Verhältnis von Psychoanalyse, Skinnerschem Behaviorismus und Handlungstheorie zu bestimmen.

[Kraiker, Christoph: Psychoanalyse Behaviorismus Handlungstheorie. Theoriekonflikte in der Psychologie. München: Kindler, 1980, S. 150-165]

Der analytische Begriff des Sprachvermögens verdeckt, dass die Fähigkeit des Menschen, etwas für sich behalten zu können, wie das Bewusstsein dieser Fähigkeit zum «Sprachvermögen» gehört. Sowohl am Begriff der sprachlichen Äußerung als einer Reaktion als auch am Postular der Ausdrückbarkeit alles dessen, was man meint, läßt sich die Begrenztheit des analytischen Begriffs des Sprachvermögens aufzeigen.

Von Interesse für diesen Zusammenhang ist ein Beispiel, das Morris von Mead übernommen hat, um an ihm die Verbindung von Sprache und Bewusstsein zu diskutieren. Es ist die Szene einer Filmvorführung, in deren Verlauf einer der Anwesenden Rauch wahrnimmt. Für die Darstellung von Morris sind an diesem Vorfall folgende Momente von Bedeutung: Der Betreffende wolle ausrufen ‘Feuer’, er hemme jedoch diese, sich in ihm anbahnende Schreckreaktion und bedenke, welche Folgen sein Schreckens- und Warnruf auslösen würde. Er frage sich, was im Falle einer bestimmten Äußerung seinerseits passieren würde. – Das Beispiel zeigt die Grenze der behavioristischen Terminologie, es macht ebenso die Begrenztheit des Postulats der Ausdrückbarkeit deutlich. Der Betreffende reagiert nicht, sondern er überleg. Daran kann auch nichts der Umschreibungsversuch, wie ihn Morris unternimmt, ändern, der Betreffende reagiere quasi auf die vorweggenommene Reaktion der anderen auf seinen sich in ihm anbahnenden Ruf. Nach Morris ist das die spontane Handlung verzögernde Moment sprachlichen Zeichen («linguistic signs») zueigen. Damit ist jedoch gesagt, dass der Mensch, weil er spricht, nicht reagiert. Der Kinobesucher handelt überlegt. Das, was er tut, ist für die anderen Anwesenden von Bedeutung obwohl er nichts äußert, ja gerade, dass er in diesem Augenblick nichts sagt, macht die Bedeutung seines Verhaltens aus. Der Einwand, der sich aus dem Postulat der Ausdrückbarkeit ergibt, er hätte die von ihm beabsichtigte Warnung prinzipiell aussprechen können, unterschlägt, dass die Bedeutung seines Tuns gerade in der Zurückhaltung der Warnung liegt. Der spontane Schreckensruf hätte eine andere Bedeutung gehabt, als der überlegte Verzicht auf ihn. Gerade das, was er intendierte, durfte er in diesem Augenblick nicht ausdrücken, ohne dadurch seine Intention zu gefährden.

Für die sprachanalytische Ansicht stellt sich der Sachverhalt jedoch anders dar. Da der betreffende Kinobesucher nichts sagt, liegt auch kein sprachliches Verhalten vor. Seine Zurückhaltung oder Besonnenheit zeige sich vielmehr in einem nicht-sprachlichen Verhalten; sie ist folglich für die Sprachanalyse ohne Bedeutung. Morris hingegen scheint den Zusammenhang von Sprache und Verhalten grundsätzlicher zu sehen. Ihm ist darin zuzustimmen, dass Sprache und Überlegung wesentlich miteinander verbunden sind. [...] Auch nicht-verbales Verhalten kann als sprachliches Verhalten begriffen werden, da Individualität und Selbstbewusstsein ohne Sprache nicht denkbar sind. Morris stützt sich in diesem Punkt auf Meads Darstellung der Entwicklung von Individualität und Selbstbewusstsein in der Sozialisation.”

[Nowak, Reinhard: Grenzen der Sprachanalyse. Tübingen: Gunter Narr, 1981, S. 110-112]

„Morris führt das Zeichen als einen Terminus der Semiotik ein; er unterstreicht damit, dass zur Explikation des Zeichenbegriffs alle Ebenen der Semiose, d. i. des Zeichengebrauchs, herangezogen werden müssen: «Sign’ itself is a strictly semiotical term, not being definable either within syntactics, semantics, or pragmatics alone» (Ch. W. Morris, Grundlagen der Zeichentheorie, 1972, S. 26). dass etwas als ein Zeichen gelte, impliziert demnach, dass es ein Zeichen von etwas für jemanden sei, auf den es eine Wirkung bezüglich des Gegenstandes, den es vertrete, ausübe. Das Zeichen steht, m. a. W., als ein Vermitter zwischen einem ‘etwas’, das es bezeichnet, und denen, für die es auf dieses ‘etwas’ verweist. «Thus in semiosis something takes account of something else mediately, i.e., by means of a third something.» (Charles W. Morris, deutsch: a.a.O., S. 21) Die Vermittlung findet jedoch genau besehen nicht zwischen einem Zeichen, einem Bezeichneten und den Benutzern des Zeiches statt, sondern zwischen einem Zeichen, einem Bezeichneten und der Weise, in der allgemein vermittels des Zeichens vom Bezeichneten Notiz genommen wird (deutsch: a.a.O., S. 21, 23, 25, 55). Nicht die verschiedenen Zeichenbenutzer – Morris nennt sie «agents of the process» –, sondern ihr Verhalten, das durch die Kenntnisnahme des Bezeichneten geprägt ist, stellt für Morris das wesentliche dritte Moment des Zeichenprozesses dar. Nicht die Menschen, die sich verständigen, sind Gegenstand der semiotischen Analyse, sondern das mehreren Interpreten gemeinsame Verhältnis zu den Zeichen, die sie mit der Welt der Gegenstände verbinden. Wie bedeutsam diese Nuance ist, zeigt sich an einem von Morris gewählten Beispiel (deutsch: a.a.O., S. 20). Die Differenz zwischen dem Geschehen, auf das sich das Beispiel beruft, und der Verschlüsselung des Geschehens in der Symbolik von Interpretant, Designat und Signal bringt den abstrakten Charakter der Semiose zu Bewusstsein.

Das Verhältnis von Zeichenbenutzer und seinem durch die Kenntnisnahme eines Zeichens bestimmten Verhalten wird von Morris zunächst nicht hinreichend geklärt. So zeigt folgende Formulierung eine gewisse Unsicherheit bezüglich ihrer Abgrenzung voneinander: «... a taking-account-of-something is an interpretant only insofar as it is evoked by something functioning as a sign; an objekt ist an interpreter only as it mediately takes account of something» (deutsch: a.a.O., S. 21). [...]

Kennzeichnend für die Charakterisierung des Begriffs ‘interpretant’ ist, dass sie vom Reiz-Reaktions-Schema über das Konstrukt des gewohnheitsmäßigen Verhaltens bis zur Verknüpfung mit dem Regelbegriff reicht. In einem engen Sinn behavioristisch ist die Terminologie, dann, wenn von einem ‘Effekt’, den ein Zeichen bewirke, gesprochen wird (Ch. W. Morris, deutsch: a.a.O., S. 20). Auch der Terminus ‘Antwort’ ist noch in dieser Weise zu verstehen. Das Konstrukt Reiz-Reaktions-Schemas zur Annahme eines durchgängig regelgeleiteten Verhaltens dar. Der Terminus ‘habit’ spielt hier eine Schlüsselrolle. Verhaltensweisen, die mit einem Zeichen durch Gewohnheit oder nach einer Regel verknüpft sind, treten an die Stelle von Reaktionen auf ein Zeichen. Selbst wenn ein Organismus wiederholt in derselben Weise auf ein Zeichen reagiert, kann man dies noch nicht eine Gewohnheit nennen. Gewohnheiten kennzeichnen das Verhalten eines Lebewesens, das nicht mehr reagiert, sondern sich zu seiner Umwelt verhält. Verhält sich ein Lebewesen gewohnheitsmäßig, so ist die Möglichkeit, dass es sich dessen bewusst wird, nicht ausgeschlossen. Gewohnheiten sind solche für das Lebewesen.

Mit dem Verlassen der behavioristischen Terminologie, verändert sich notwendig auch der Begriff des ‘interpreter’. Von einem auf Stimuli reagierenden Organismus im strengen Sinn kann nun nicht mehr gesprochen werden. Morris hat zwar die behavioristische Position nicht überwunden – dies weit Habermas zurecht in seiner Kritik von Signs, Language and Behavior nach (J. Habermas, Logik der Sozialwissenschaften, 31973, S. 150-156) –, die Auseinandersetzung mit dem sprachlichen Verhalten nötigt ihm jedoch Konstrukte ab, die im Widerspruch zum behavioristischen Schema stehen. Insofern diese Konstrukte als solche der Sprachanalyse aufgewiesen werden können, weisen sie über sein Selbstverständnis hinaus.

Innerhalb des Reiz-Reaktions-Schemas ist der ‘interpreter’ auf die Rolle des Zeichenempfängers beschränkt, dieser wird darüber hinaus als der Ort bestimmt, an dem Zeichen zur Wirkung kommen. (Morris spricht in bezug auf die am Zeichenprozess Beteiligten von «agents of the prosess». Darin ist sicherlich eine irreführende Ausdrucksweise zu sehen). Beim Zeichenempfänger führen Zeichen eine Veränderung herbei, die als äußeres Verhalten beobachtet oder als ‘inneres’ Verhalten konstruiert werden kann. Zwar nimmt der Zeichen Verwendende in seiner disziplinierten Haltung als Beobachter an. dass es sich vor und nach der Wirkung des Zeichens auf dessen Empfänger um denselben Organismus handele. Das durch das Zeichen ausgelöste Verhalten sei eine Veränderung an ihm, nicht jedoch seine Veränderung zu einem anderen Organismus. Das Reiz-Reaktions-Schema impliziert jedoch andererseits, dass der Organismus im Aufnehmen der Reize nicht bei sich selbst bleibt – der Organismus gerät außer sich. Der Reiz wird von ihm nicht als Reiz wahrgenommen, weil er sich als bereits durch in Veränderter vorfindet. Im Reagieren vergisst der Organismus, was er zuvor war, Die Veränderung, die mit ihm vor sich geht, ist für ihn nicht auf eine Veränderung an ihm beschränkt, so wie dies für den distanzierten Beobachtenden möglich und wünschenswert ist. Der Behaviorist setzt somit voraus, dass es für das unter dem Reiz-Reaktions-Schema beobachtete Lebewesen ohne Bedeutung sei, ob es blindlings reagiere oder nicht, denn die Veränderung, die in ihm vorgehen soll, soll nicht für das Lebewesen eine wesentliche Veränderung seiner selbst, eine Veränderung seiner Identität sein. Der Mangel an Reflexion in der behavioristischen Einstellung zeigt sich auch in der Isolierung der Momente der vollständigen Steuerung und des Schicksalhaften: das Zeichen soll eine Wirkung auf den Organismus haben, die von diesem nicht vorhergesehen zu werden vermag. Es soll den Organismus schicksalhaft – ihn ohne sein Zutun bestimmend – treffen. Zugleich soll die Wirkung steuerbar sein, d.h. für den Sender soll das Komplement des Schicksalhaften, die vollständige Beherrschung des Geschehens gelten.”

[Nowak, Reinhard: Grenzen der Sprachanalyse. Ein Beitrag zur Klärung des Verhältnisses von Philosophie und Sprachanalyse. Tübingen: Gunter Narr Verlag, 1981,  S. 95-96, 98-99]

„Der Begriff Vermittlung hat innerhalb der sprachphilosophischen Reflexion der hermeneutischen und der dialektischen Philosophie einen besonderen Stellenwert, der von der Weise, in der innerhalb zeichentheoretischer Vorstellung von Vermittlung der Rede ist, unterschieden werden muss. «Sprache als konstitutives Moment in der Vermittlung aller Gegenständlichkeit überhaupt» (E. Heintel) ist nicht als das Ganze der Zeichen zu verstehen, die nach Morris Vermittlungsfunktion haben, denn als solches wäre Sprache selbst möglicher Untersuchungsgegenstand, nicht jedoch «Moment in der Vermittlung aller Gegenständlichkeit». Vermittlung ist nach Morris die zeichengesteuerte Kenntnisnahme von Gegenständen bzw. deren Eigenschaften. Der Vermittlungsprozess gliedert sich dabei in die Beziehungen verschiedener Gegenstände: der Zeichen, des von ihnen Bezeichneten, der Zeichenbenutzer. Jeder der Beziehungen wird vergegenständlicht zu einem Regelgefüge besonderer Art, der Syntax, Semantik und Pragmatik. Die Vorstellung eines in all seinen Ebenen analysierbaren Zeichenprozesses und der Begriff der Sprache als Vermittlung im unter Bezug auf Heintel angedeuteten Sinn schließen sich gegenseitig aus. Die philosophische Problematik der Vermittlung bleibt in der Sprachanalyse im Auseinanderfallen von Objekt- und Metasprache ungelöst. Vgl. dazu E. Heintel: Einführung in die Sprachphilosophie, 1972, S. 12ff.”

[Nowak, Reinhard: Grenzen der Sprachanalyse. Ein Beitrag zur Klärung des Verhältnisses von Philosophie und Sprachanalyse. Tübingen: Gunter Narr Verlag, 1981,  S. 95 Anm. 2]

Behaviorismus

Vertreter des logischen Behaviorismus waren der Ansicht, dass eine Aussage über mentale Zustände übersetzbar ist in eine Aussage über Verhaltensdispositionen. (Als Hauptvertreter des logischen Behaviorismus kann Gilbert Ryle gelten). Dies passt gut zu der positivistischen Annahme, dass die Bedeutung eines Satzes die Methode seiner Verifikation sei. Da mentale Zustände nur der betroffenen Person unmittelbar zugänglich sind und damit Aussagen über geistige Zustände anderer ausschließlich durch das bei ihnen beobachtete Verhalten verifiziert werden konnten, nahm man an, dass Aussagen über psychische Zustände bedeutungsgleich mit Aussagen über aktuelles oder potentielles Verhalten seien. Eine Übersetzung z.B. der Aussage «Oskar möchte ins Kino gehen» würde etwa lauten: «Wenn Oskar an einem Kino vorbeikäme, würde er – ceteris paribus – sich eine Eintrittskarte kaufen».

Der logische Behaviorismus behauptet nicht, dass es für jedes mentale Prädikat genau ein sog. behaviorales Konditional gibt. Vielmehr würde eine Übersetzung aus eine endlichen Konjunktion solcher kontrafaktischen Aussagen bestehen. Also z.B. «Wenn Oskar an einem Kino vorbeikäme, würde er sich eine Eintrittskarte kaufen und wenn Oskar genug Geld hätte, ginge er zum nächsten Kino und wenn ...» Es wird auch nicht behauptet, dass es wünschenswert ist, solche Übersetzungen zu gebrauchen; es sollte nur prinzipiell möglich sein, jeden Satz, der mentalistische Begriffe enthält, in eine – evtl. sehr lange – Konjunktion von behavioralen Konditionalen der Form «Wenn A sich in den-und-den Umständen befände, würde er sich so-und-so verhalten» zu übersetzen.

Gegen den logischen Behaviorismus gibt es im wesentlichen den folgenden Einwand: In der einzelnen Bedingungen, die das Verhalten einer Person unter gewissen Umständen angeben sollen, kann man auf mentalistisches Vokabular letztlich nicht verzichten. Die ceteris paribus Bedingungen dieser behavioralen Konditionale lassen sich nicht frei von mentalistischen Begriffen angeben: «Oskar würde ins Kino gehen, wenn er wüsste, dass ein guter Film läuft» usw. Der Einwand besagt also, dass die Verhaltensdispositionen, die mentalistische Begriffe ersetzen sollen, selbst nicht ohne mentalistisches Vokabular formulierbar sind und dass der behavioristische Ansatz damit zirkulär ist.

Wie Putnam (1967) betont, kommt es dabei nicht darauf an, ob mentale zustände empirisch mit Verhaltensdispositionen identifiziert werden können. Eine derartige empirische Theorie wäre keine Bestätigung des logischen Behaviorismus. Dieser behauptet ja, dass Aussagen über Mentales bedeutungsgleich sind mit Sätzen über Verhaltensdispositionen, und nicht nur, dass eine empirische Korrelation zwischen geistigen Zuständen und Verhaltensdispositionen gefunden werden kann.

Der logische Behaviorismus darf nicht mit dem methodologischen Behaviorismus verwechselt werden, wie er in der Psychologie vor allem von Watson und Skinner vertreten wurde. Der methodologische Behaviorismus versuchte, allgemeine Gesetzmäßigkeiten des Verhaltens ausschließlich auf der Basis beobachtbarer Daten zu gewinnen, und klammerte daher mentale Zustände (da sie nicht beobachtbar sind) aus seinen Untersuchungen aus. Eine Behauptung über die prinzipielle Ersetzbarkeit mentaler durch physikalische Aussagen war mit dem methodologischen Behaviorismus nicht verbunden.”

[Helm, Gerhard: Symbolische und konnektionistische Modelle der menschlichen Informationsverarbeitung. Eine kritische Gegenüberstellung. Berlin u. a.: Springer Verlag, 1991, S. 8]

Conductismo

El conductismo es una teoría psicológica que explica los fenómenos lingüísticos, analizando exclusivamente los comportamientos observables y reduciéndoles a respuestas o situaciones, definidas como estímulos que provocan respuestas. De este modo la comunicación se reduce al conocido esquema E-R (estímulo-respuesta). Esta teoría, subyacente en el estructuralismo americano de L. Bloomfield, permite remitir los problemas del sentido a la experiencia de la comunidad sociocultural. Los lingüistas generativistas (N. Chomsky) han criticado el conductismo reprochándole su incapacidad para dar cuenta de la creatividad del hablante y del aprendizaje del lenguaje en el niño.”

[Dubois, J. et alii: Diccionario de lingüística. Madrid: Alianza, 41994, p. 134]

Conductismo

Dos de las grandes teorías psicolingüísticas referidas a la adquisición del lenguaje y al aprendizaje de una lengua son el ‘conductismo’, también llamado behaviorismo, y el mentalismo. El estructuralismo norteamericano aceptó el creo del ‘conductismo’ en lo que a la adquisición del lenguaje se refiere y, por eso, se le llama conductismo-estructuralista. El ‘conductismo’ postula que el lenguaje es un conjunto de hábitos que se adquieren por medio de estímulos condicionados. Fue John B. Watson, influido por la teoría de los reflejos condicionados de Pavlov, quien abrió esta perspectiva, al considerar el lenguaje como conducta verbal. Desde Watson, y también antes con William D. Whitney, hasta Skinner en su obra Verbal Behavior, el ‘conductismo’ ha sido la base psicológica que ha intentado explicar la adquisición del lenguaje.

Los conductistas creen que las diferencias existentes entre las personas están condicionadas por el entorno o medio en que viven, es decir, la conducta es reactiva a los estímulos externos. Si la conducta es reactiva al medio, y el lenguaje es conducta, éste se adquiere por medio de un proceso repetido y continuado de estímulos-respuestas-refuerzos, similar al que siguen en el aprendizaje de ciertas conductas las palomas o los ratones en el laboratorio. Este modelo nos da a entender que aprendemos por imitación, de modo que todo lo que emitimos lo hemos oído antes, y, por tanto, estamos imitando, en la mayoría de los casos, y cuando no es así, cuando decimos algo nuevo o inédito, lo emitido se ha basado en una generalización de lo ya aprendido por medio de la analogía.

La crítica racionalista contenida en la recensión que hizo Chomsky («Review of ‘Verbal Behavior’», Language 35, 1959) asesta al conductismo-estructuralista un golpe tan duro que le impidió su recuperación, al menos en su versión original, ya que destruyó la credibilidad, hasta entonces intocable, de los fundamentos teóricos del conductismo radical, fundamentos que intentaban describir la formación de hábitos lingüísticos y que, a partir de entonces, ya no sirvieron para explicar la adquisición del lenguaje. Lo que desde entonces quedó claro es que el lenguaje es una facultad específicamente humana, que existe en la mente de forma independiente, aunque forme parte de todo aparato cognoscitivo.”

[Dubois, J. et alii: Diccionario de lingüística. Madrid: Alianza, 41994]