ATN GRAMMATIK

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Finite State Grammar / Formale Sprachen / Formale Grammatik

 

ATN-Grammatik

[Abk. für engl. Augmented Transition Network Grammar, ‘Erweiterte Übergangs-Netzwerk-Grammatik’]

In der Computerlinguistik verwendete Formalismus zur Analyse (und Generierung) von Sätzen, der um 1970 als praxisorientiertes, auf Computern gut implementierbares Gegenmodell zur generativen Transformationsgrammatik entwickelt wurde.

Anstelle von Phrasenstrukturregeln (= PS-Regeln) benutzt die A. eine äquivalente Menge von Finite-State-Automaten (vgl. Finite State Grammar, Formale Sprachen), die sich gegenseitig rekursiv aufrufen können. Den Expandierungen von PS-Regeln entsprechen zulässige Übergänge von Zuständen der Automaten, und das Wirken von Transformationen (z.B. bei Wortstellung, Kongruenz, Aktiv-Passiv-Konverse, Kontrolle usw.) wird durch Zuweisung und Überprüfung von Register-Inhalten des Computers (durch LISP-Funktionen) modelliert. Letzteres ist Teil der Erweiterungen gegenüber der einfacheren (rekursiven) Netzwerk-Grammatik, die mit Kontextfreien (PS)-Grammatiken äquivalent ist. Außerdem ist es möglich, an die Übergangsbedingungen zwischen Zuständen beliebige Aktionen zu knüpfen, mit denen Strukturbäume, semantische Repräsentationen usw. aufgebaut werden können. (Damit ist die A. nicht nur ein erkennender Automat, sondern auch ein sogen. »Transducer«.)

Da die Benutzung von Registern im Prinzip keinerlei Beschränkungen unterliegt und alle Möglichkeiten einer konventionellen Programmiersprache genutzt werden können, erhalten A. die Mächtigkeit universellen Turing-Maschinen. - Zur Verwendung von A. in der Psycholinguistik vgl. die Beiträge in Halle/Bresnan/Miller (eds.): Linguistic Theory and psychological reality. Cambridge, Mass., 1979.“ [Bußmann, H., S. 107]