ANZEICHEN

Indicios

(Recop.) Justo Fernández López

 

„Beim Erkennen von Symptomen und Anzeichen ist der Ausdruck präformiert. Der Inhalt ist die Klasse aller möglichen Ursachen (organischen oder funktionalen Veränderungen). Das Typus/Exemplar-Verhältnis ist facilis, dem rote Flecken haben nicht die gleichen semantischen Marker wie Masern und Rauch hat nicht die gleichen wie Feuer. Dennoch enthält die Darstellung der korrespondierenden Semems unter den semantischen Markern auch die Beschreibung und Darstellung der Symptome und Anzeichen.

Das erhellt, in welcher Weise Symptome und Anzeichen mit dem Begriff ihrer Ursache verknüpft sind; der Begriff der Symptome und Anzeichen bildet einen Teil des Semems der Ursache, und es ist auf diese Weise möglich, eine metonymische Korrelation zwischen den Funktoren herzustellen (durch eine pars pro toto-Prozedur). Der Prozess findet zwischen Begriff und Begriff (oder Einheit und Einheit) statt, und die Anwesenheit des Referenten ist dabei nicht erforderlich. Es kann Rauch da sein ohne irgendein Feuer, was bedeutet, dass Symptome und Anzeichen gefälscht werden können, ohne ihren Bedeutungsgehalt zu verlieren. Da das Typus/Exemplar-Verhältnis facilis ist, wäre es unrichtig, von einer gewissen »Ikonizität« der Symptome und Anzeichen zu sprechen; von Ähnlichkeit mit ihrem Inhalt (oder ihren Referenten) kann nicht die Rede sein. Sind Symptome und Anzeichen nicht vorher codiert, dann ist ihre Deutung eine Angelegenheit komplexer Schlussfolgerungen und führt zur Instauration von Codes.

Symptome und Anzeichen können zum Hinweisen verwendet werden (Rauch signifiziert «dort ist Feuer», rote Flecken im Gesicht signifizieren «dieses Kind hat Masern»). In diesem Fall geht der Hinweisakt in folgender Weise vor sich: Mittels einer codierten und erprobten Kausalität (Kontiguität des Typs »Wirkung pro Ursache«) wird das Vorhandensein des bewirkenden Agens deduziert.”

[Eco, Umberto: Semiotik. Ein Entwurf eines Theorie der Zeichen. München: Wilhelm Fink Verlag, 2., korrigierte Ausgabe 1991, S. 296-297]