ANALYTISCHE vs. SYNTHETISCHE SÄTZE

Proposiciones analíticas vs. sintéticas

(Recop.) Justo Fernández López

 

Analytische Urteile a priori

Nach Kant Urteile, bei denen das Prädikat schon im Subjekt enthalten ist, die nur auf dem Satz des Widerspruchs beruhen, als Erläuterungsurteile im Vollzug vor aller Erfahrung unabhängig sind, aber keinen eigentlichen Erkenntniszuwachs bedeuten. Zu unterscheiden von den synthetischen Urteilen (bei denen das Prädikat im Subjektbegriff nicht enthalten ist, sondern etwas Neues hinzufügt), u. zwar a priori (z. B. mathemat. Sätze) und a posteriori (alle Erfahrungsurteile). Die Unterscheidung analyt. und synthet. Aussagen (bei Bestreitung synthet.-apriorischer) bildet einen besonderen Diskussionspunkt in der Analytischen Philosophie.“

[Müller, M. und Halder, A.: Philosophisches Wörterbuch. Freiburg i. B: Herder, 1988,  S. 18]

Synthetische Urteile a priori

Nach Kant solche, bei denen im Gegensatz zu den analytischen Urteilen das Prädikat nicht schon im Subjekt enthalten ist, aber, aller tatsächlichen Erfahrungen voraus (a priori), notwendig mit ihm zu verknüpfen ist, während bei den synthetischen Urteilen a posteriori sich diese Verknüpfung auf eine tatsächliche Erfahrung gründet. Kants Hauptfrage ist, wie synthetische Urteile a priori (d. h. ein aller Erfahrung von einzelnem voraufgehendes notwendiges Wissen von allem möglichen Gegenständen) möglich seien. Er beantwortet sie im »Obersten Grundsatz aller synth. U. a priori«: Die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung von Gegenständen sind zugleich die Bedingungen der Möglichkeit der Gegenständen dieser Erfahrung. Damit sind nach Kant jeder Metaphysik ihre Grenzen gezogen. Der Empirismus (Positivismus) und die log. Sprachanalyse (analytische Philosophie) führten zur Bestreitung der Möglichkeit synth. U. a priori: alle synthet. Aussagen sind stets empirisch – womit sich das Problem stellt, ob und inwiefern dann noch die Unterscheidung aposteriorischer synthet. und apriorischer analyt. Sätze möglich und sinnvoll ist.“

[Müller, M. und Halder, A.: Philosophisches Wörterbuch. Freiburg i. B: Herder, 1988,  S. 305]

„Oft führt man den Begriff analytische Wahrheit als einen zu „logischer Wahrheit“ übergeordneten Begriff ein. Alle logischen Wahrheiten sind analytisch, aber es gibt analytische Wahrheiten, die nicht logisch sind. Die analytischen Wahrheiten, die logische Wahrheiten sind, z. B.

(1)              Es ist nicht der Fall, dass Wasser ein Element ist und dass Wasser kein Element ist.

Stellt man sich als aufgrund ihrer logischen Form wahr vor, während der Rest der analytischen Wahrheiten auf bestimmten Relationen zwischen einzelnen, nicht dem logischen Vokabular angehörenden Wörtern im Satz oder im Schluss beruhen. Synonymie (Bedeutungsgleichheit) und Hyponymie (Bedeutungsinklusion) sind die wichtigsten dieser semantischen Relationen. Ein Beispiel für einen Satz, der aufgrund von Synonymieverhältnissen analytisch wahr, aber nicht logisch wahr ist, ist:

(2)              Alle Junggesellen sind nicht verheiratet.

Dagegen ist (3) ein Schluss, der aufgrund von Hyponymie eher analytisch als logisch gültig ist:

(3)              Dieses ist eine Rose.

Daher: Dieses ist eine Blume.

Der Unterschied zwischen den analytischen Wahrheiten, die auf logischer Form beruhen, und solchen, die auf semantischen Relationen beruhen, ist jedoch eher graduell als eine kategorialer Unterschied. In gewissem Maß ist nämlich die Entscheidung darüber, was man an einem Satz der logischen Form und was der Bedeutung der übrigen Bestandteile zuschreibt, willkürlich, je nachdem, wie bestimmte Wörter dem „logischen Vokabular“ zugeteilt werden oder nicht.

Wenn man einen analytisch wahren Satz verneint, erhält man einen Satz, der aufgrund seiner Form oder Bedeutung ein analytisch falscher Satz sein muss, z.B.

(4)              Es ist nicht der Fall, dass alle Junggesellen unverheiratet sind.

Analytisch wahre und analytisch falsche Sätze werden unter der Bezeichnung analytische Sätze zusammengefasst. Ihnen ist gemeinsam, dass ihr Wahr- oder Falschsein nicht davon abhängt, wie die Welt aussieht. Ein analytisch wahrer Satz ist wahr in allen möglichen Welten, ein analytisch falscher Satz in allen möglichen Welten falsch. Wir können sagen, dass die Wahrheitsmenge der analytisch wahren Sätze 1 (die Allmenge) ist und die Wahrheitsmenge der analytisch falschen Sätze Ø (die Nullmenge).

Sätze, die nicht analytisch sind, werden synthetisch genannt. Sie sind wahr oder falsch abhängig davon, wie die Welt aussieht – m. a. W. wahr in bestimmten Welten und falsch in anderen. Ein Beispiel für einen synthetischen Satz ist

(5)              Gustav II Adolf starb 1632.“

[Allwood, J. / Andersson, L-G / Dahl, Ö: Logik für Linguisten. Tübingen: Niemeyer (= Romanistische Arbeitshefte), 1973, S. 20-21]

Analytisch vs. synthetisch und semiotisch vs. faktenbezogen

Kommunizieren bedeutet sich mit außersemiotischen Sachverhalten befassen. Die Tatsache, dass man diese häufig in semiotische Begriffe übersetzen kann, ändert nichts an ihrem beständigen Vorhandensein im Hintergrund jedes Phänomens der Zeichenerzeugung. Anders ausgedrückt, die Signifikation wird konfrontiert mit (und die Kommunikation findet statt in) dem Rahmen des umfassenden Netzes der gerade herrschenden materiellen, ökonomischen, biologischen und physikalischen Bedingungen. Der Umstand, dass die Semiose als Faktum in einer Welt der Fakten lebt, beeinträchtigt die absolute Reinheit der Codes. Semiose findet statt unter Ereignissen, und viele Ereignisse waren von keinem Code vorauszusehen. Die von den Codes erlaubte semiotische Kreativität verlangt nun, dass diese neueren Ereignisse benannt und beschrieben werden. Zuweilen kann die Struktur der Codes durch innovatorische Aussagen erschüttert werden, die mit der Struktur des Inhalts nicht zusammenstimmen. Was geschieht, wenn Botschaften etwas aussagen, das sich auf einen bisher nicht strukturierten und segmentierten Inhalt bezieht? Verändert der auf diese Weise in die soziale Kompetenz eingeführte Komplex kultureller Einheiten die bereits vorhandenen semantischen Felder? Und in welcher Weise? Hier ist es hilfreich, auf eine alte philosophische Unterscheidung, die in der Logik und der Linguistik lange diskutiert worden ist, zurückzugreifen: den Unterschied zwischen analytischen und synthetischen Urteilen.

Von einer referenziellen Semantik her gesehen bietet diese Unterscheidung Anlass zu berechtigter Kritik. [...] Aber Cassirer hat in Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaften der neueren Zeit (II, 8, II) bereits eine befriedigende Lösung gefunden: Das analytische Urteil ist jenes, bei dem das Prädikat im Begriff des Subjekts schon impliziert enthalten ist, und das synthetische Urteil ist jenes, bei dem das Prädikat dem Subjekt als völlig neues – auf einer aus den Erfahrungsdaten gewonnenen Synthese beruhendes – Attribut hinzugefügt wird. [...]

Es hängt also nicht von der angenommenen natürlichen Eigenschaften der Gegenstände, sondern von den bestehenden Codes ab, ob man Urteile als analytisch oder als synthetisch einstuft. Kant stellt in der ersten Kritik ausdrücklich fest, dass die Tätigkeit unserer Vernunft in der Analyse von Vorstellungen bestehe, die wir in Bezug auf die Gegenstände bereits haben. Da die Opposition >analytisch< vs. >synthetisch< zu viele philosophische Probleme involviert, ist es besser, wenn wir sie in die Termini unseres semiotischen Kontextes übersetzen, um so eine zweckmäßigere Formulierung zu gewinnen.

Wir wollen als semiotisch ein Urteil bezeichnen, das von einem bestimmten Inhalt (einer oder mehreren kulturellen Einheiten) die semantischen Marker prädiziert, die ihm von einem bereits bestehenden Code zugeschrieben werden; faktenbezogen wollen wir ein Urteil nennen, das von einem bestimmten Inhalt semantische Marker prädiziert, die ihm noch nie von einem bereits bestehenden Code zugeschrieben worden sind. /Jeder unverheiratete Mann ist ein Junggeselle/ ist also ein semiotisches Urteil allein deshalb, weil ein konventioneller Code besteht, der sich auf einen Komponentenbaum bezieht, zu dessen Markern «nie verheiratet» gehört. /Ludwig ist ein Jungeselle/ ist dagegen zweifellos ein faktenbezogenes Urteil. Am 5. Mai 1821 war /Napoleon starb auf St. Helena/ ein faktenbezogenes Urteil. Seit diesem Augenblick aber ist dieselbe Feststellung ein semiotisches Urteil, weil der Code in den Komponentenbaum von /Napoleon/ die definitionsgemäße Konnotation «starb auf St. Helena» eingefügt hat. Andrerseits kann /Nach der Schalcht von Marengo trank Napoleon eine Tasse Kaffee/ wohl kaum zu einem semiotischen Urteil werden. White (1950) hat also recht, wenn er bei der Kritik der Unterscheidung analytisch-synthetisch schreibt, dass ein Urteil aufgrund einer Konvention synthetisch ist, und dass, wenn die Konvention sich ändert, Urteile, die analytisch waren, synthetisch werden können und umgekehrt. Doch ist das, was er als Einschränkung der logischen Unterscheidung zwischen analytisch und synthetisch betrachtete, die Bedingung für die Gültigkeit der semiotischen Unterscheidung zwischen semiotischen und faktenbezogenen Urteilen.”

[Eco, Umberto: Semiotik. Ein Entwurf einer Theorie der Zeichen. München: Wilhelm Fink Verlag, 2., korrigierte Ausgabe 1991, S. 211-213]