ALLGEMEINE SEMANTIK

Semántica general

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Sapir-Whorf-Hypothese / Inhaltasbezogene Grammatik

 

Allgemeine Semantik [engl. General Semantics].

Von dem polnischen Mathematiker A. Korzybski in den USA begründete, weniger sprachwissenschaftlich als ideologisch ausgerichtete semantische Konzeption von Sprache. Die A. S. untersucht die Beziehung zwischen Sprecher, Sprache und Wirklichkeit unter dem Aspekt der Befreiung des Menschen von der »Tyrannei« der Sprache. Im Unterschied zur materialistisch orientierten Abbild(ungs)theorie geht die A. S. davon aus, dass durch die vorgegebene Struktur der Sprache der Mensch nicht in der Lage ist, die Realität objektiv zu begreifen, da die sprachliche Vermittlung der Erfahrung immer schon durch bestimmte Abstraktionen und Symbolisierungen vorgeprägt ist (Sapir-Whorf-Hypothese, Inhaltsbezogene Grammatik). Daher ist es unter pädagogischen Aspekt notwendig, die Manipulationen und Verzerrungen durch Sprache zu durchschauen, d.h. Sprache als trügerisches Abbild der Realität zu entlarven.“ [Bußmann, H., S. 69-70]

Die Psycho- bzw. allgemeine Semantik

„Weniger linguistisch als vielmehr psychologisch‑philosophisch‑humanitär orientiert war die Strömung der Psychosemantik bzw. der Allgemeinen Semantik (General Semantics), die sich besonders von den 30er Jahren an, vor allem in den USA, ausbreitete. Sie entstand in einer Zeit, in der es durch den taxonomischen Strukturalismus zu einer Vernachlässigung semantischer Probleme gekommen war. Hier ging es u. a. darum, individuelle, aber auch gruppenpathologische Einstellungen zu bekämpfen, die auf Missverständnissen gegenüber den Beziehungen zwischen Bezeichnungen und dem von ihnen Gemeinten beruhten.

Der polnische Ingenieur und Mathematiker Graf Alfred Korzybski führte 1933 viele Fehlurteile und Vorurteile sowohl im persönlichen als auch nationalen und internationalen Bereich auf den leichtsinnigen Gebrauch von Wörtern zurück. Dabei warnte er besonders vor Generalisierungen (women are bad drivers), die oft nur auf Impressionen persönlicher Art, nicht aber auf statistischen Grundlagen beruhten. Als Gegenmittel wurden von ihm und seinen Anhängern u. a. Indizierungen vorgeschlagen, die nicht von women allgemein, sondern von woman1, woman2, woman3, ... sprachen. Gewarnt wurde auch vor Propagandawörtern, die oft, durch Euphemismen getarnt, die dahinter steckende grausame Wahrheit verschleiern helfen: mal‑nutrition vs. starvation, Freisetzung vs. Entlassung von Arbeitskräften etc. Grundsatz dieser Bewegung, die vorübergehend auch in amerikanischen Schulen in vereinfachter Form als Medizin gegen zu leichtfertige oberflächliche und generalisierende Beobachtungen und Urteile eingeführt wurde, war die Warnung vor der verallgemeinernden Gleichsetzung des Wortes mit dem damit gemeinten Objekt.“

[Nickel, Gerhard: Einführung in die Linguistik: Entwicklung, Probleme, Methoden. Berlin: Schmidt, 21985, S. 136-137]