ALLEGORIE

Alegoría

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Symbol / Metapher / Metonymie / Mythos / Mythos und Logos / Rhetorik / Rhetorische Figuren

 

Allegorie (griech. u. lat. allegoria: anders als öffentlich sprechen):

Die Allegorie ist eine systematisch durchgeführte Anspielung, die zwei Bedeutungszusammenhänge, einen »wörtlichen« oder initialen u. einen »allegorischen«, enthält. In der Rhetorik wurde sie als »fortgesetzte Metapher« (lat. metaphora continuata) erläutert. Orwells Roman Animal Farm (1945) ist initial eine bittere Tiergeschichte, allegorisch eine satir. Allegorie auf die Oktoberrevolution u. den Stalinismus. Die Gattung der Allegorie entwickelte sich mit der Praxis der Allegorese. In der Gattungsgeschichte werden zwei Allegorietypen unterschieden: die implikative Allegorie (z. B. Animal Farm) u. die explikative Allegorie (z.B. O Tannenbaum, o Tannenbaum). In der explikativen Allegorie wird »explizit« angegeben, was die allegor. Bedeutung ist (»O Tannenbaum, o Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren [...]«). Von der »doppelsinnigen Schreibart« (Johann Jacob Bodmer) der Allegorie muss man die Personifikation (griech. prosopopoeia; lat. fictio personae, personificatio) unterscheiden. In ihr wird Nichtpersonenhaftes (»Abstraktes«) in die Rolle einer handelnden Person überführt.“

[Held, Volker: Sachlexikon Literatur. München: DTV, 2000, S. 114]

Allegorie durchgehaltene Metapher, so etwa die Staatsschiff-Allegorie bei Horaz (carm. 1,14). Im Unterschied zur Metapher ist eine Allegorie auch im eigentlichen Sinne verständlich, während bei der Metapher nur die bildliche (übertragene, figurative) Bedeutungsebene sinnvoll ist; vgl. Horazens Staatsschiff-Allegorie (die man auch als Darstellung einer Seereise interpretieren könnte) mit der Metapher ‘Achill war ein Löwe in der Schlacht.’ Personifikation.“

[Verzeichnis der grammatikalischen Fachbegriffe. Ein Glossar zu Grammatik, Stilistik und Linguistik: http://www.menge.net/glossar.html#alphe]

Allegorie

Unter ‚Allegorie’ versteht man die konkrete Veranschaulichung (z.B. Personifikation) abstrakter Begriffe. Prinzipiell ist die Allegorie vom Symbol zu Unterscheiden, obwohl es im Einzelfall einer vorliegenden Deutung oft nicht leicht ist, zu sagen, welcher Begriff das Vorgehen nun adäquater charakterisiert. «Die Allegorie unterscheidet sich durch ihre rationale und streng durchgeführte Individualisierung des Allgemeinen vom Symbol, wo eine rational nicht fassbare Wesensverwandtschaft mit dem dahinterstehenden Inhalt besteht» (C. M. Edsmann, RGG 3I 238).

Die allegorische Deutung des Mythos folgte unmittelbar der Homerkritik der Vorsokratiker und wurde im 6. Jahrhundert bereits häufig angewandt. Während Plato diese Form der Deutung eher vermeidet, wird sie von der Stoa formell ausgebaut, wobei vor allem kosmologische und ethische Begriffe leitend sind. Der methodologische Ort der Allegorie ist dabei in der Rhetorik zu suchen. Bei der allegorischen Mythendeutung tritt der ‚Oberflächencharakter’ solcher Auslegung sehr deutlich zutage, insofern immer neue allegorische Identifikationen vorgenommen wurden, es also nicht zur Ausbildung eines festen Schemas kam.

Für die Vermittlung allegorischer Mythendeutung in die biblische Auslegungsgeschichte war Philo (um 45/60 n. Ch.) entscheidend. [...] Philo wurde zum Vorbild der christlichen Allegorese sowohl in Hinsicht auf das Alte Testament als auch in Hinsicht auf die griechischen Mythen, so besonders für Clemens von Alexandrien und Origenes, aber auch für die lateinische Tradition.“

[Schupp, Franz: Mythos und Religion. Düsseldorf: Patmos, 1976, S. 16]

Allegorie (gr. allegorein = etwas anders sagen, bildlich reden) bildhafte Veranschaulichung eines Begriffes, eines abstrakten Gedankens oder Begriffsfeldes durch eine Bild- und/oder Handlungsfolge; oftmals in Form der Personifikation, die quasi flächendeckend über einen ganzen Text oder mindestens einen Textabschnitt ausgedehnt wird; im Unterschied zur Metapher willkürliche Beziehung zwischen Bild und Bedeutung, die rational erklärt werden will;  im Vergleich zum Symbol meist ad hoc konstruiert; zielt auf Sinn und Gefühl; - vgl. Bild, Metapher, Personifikation, Symbol, Sinnfiguren, Beispiele:

„Justitia“ als blinde Frau oder Frau mit verbundenen Augen; „Ehe“ als Hafen; „Staat“ Schiff.

„Es ist in der Tat charakteristisch für die Allegorien, dass sie eine wörtliche Interpretation zulassen (weshalb viele Allegorien, für die der Schlüssel verloren gegangen ist, wörtlich gelesen werden). Man entscheidet sich nur dann dafür, eine Folge von Aussagen als Allegorie zu interpretieren, wenn andernfalls die Gesprächsmaxime der Relevanz (vgl. Greimas 1967) verletzt würde, weil der Autor mit zu vielen Einzelheiten Ereignissen erzählt, die in diesem Zusammenhang nicht wichtig zu sein scheinen, und damit die Vermutung nahe legt, dass seine Worte eine zweite Bedeutung haben müssen (der zweite Grund, weshalb die Allegorie gewöhnlich erkennbar ist, liegt darin, dass der allegorische Diskurs bereits in Codes enthaltene, als allegorisch erkennbare Bilder verwendet).

Sobald die Allegorie als solche erkannt wird, nehmen die Bilder, die sie beschreibt, und nicht die verbalen Zeichen, die diese Bilder evozieren, metaphorischen Status an.“

[Eco, Umberto: Die Grenzen der Interpretation. München / Wien: Carl Hanser Verlag, 1992, S. 194]

Allegorie [gr. allo agoreuen = etwas anderes sagen], Veranschaulichung

1.  eines Begriffes durch ein rational fassbares Bild: Begriffs-Allegorie (statt) z. B. ‘Justitia’ als blinde Frau (Personifikation), Staat als Schiff;

2.  eines abstrakten Vorstellungskomplexes oder Begriffsfeldes durch eine Bild- und Handlungsfolge: Geschehens-Allegorie, z. B. Widerstreit zw. positiven und negativen Eigenschaften (Tugenden und Laster) als ep. ausgeführter Kampf menschl. oder tier. Gestalten. Im Gegensatz zur Metapher ist die Beziehung zw. Bild und Bedeutung willkürlich gewählt, verlangt daher nach rationaler Erklärung; damit ist aber eine Gleichsetzung bis ins Detail möglich.

Zu unterscheiden sind zwei Grundfunktionen der Allegorie:

1.  als Methode der Exegese (Allegorese) eines vorhandenen, für sich bestehenden Textes, dem ein anderer Sinngehalt übergeordnet wird (sensus litteralis oder historicus - sensus allegoricus oder spiritualis). Verwand damit ist die bibl. Typologie, die historische Gestalten (Tyüus-Antitypus) zueinander in einem über sie hinaus- (auf die Heilsgeschichte) weisenden Sinnbezug versetzt.

2.  als Mittel poetischer Darstellung in einem von vornherein als Allegorie geschaffenen, geradezu konstruierten Text - entweder als allegoria tota (in sich geschlossene, für sich stehende Allegorie), deren Deutung evtl. in eine gesonderten Textfolge nachgeliefert wird (Extremform Rätsel: wenn das Gemeinte nur schwer zu entschlüsseln ist) oder als allegoria permixta (gemischte Allegorie), die schon im Kontext Hinweise für die Lösung enthält. Zweck der Allegorie ist im Unterschied zur Metapher die gewollte, intendierte Anregung zur Reflexion. Sie wurde in der antiken Rhetorik als uneigentl. Redeweise unter die Tropen eingereiht (Gedankentropus).

Allegorien finden sich seit der Antike in Lit. und Kunst. Viele Begriffs-Allegorien wurden durch häuf. Verwendung mit der Zeit auch ohne Aufschlüsselung verständl., z. B. Glaube, Liebe, Hoffnung, Fortuna als Frauen mit bestimmten Attributen, das Glücksrad usw. Traditionsbildend waren bes. als Geschehens-Allegorien angelegte moral. didakt., philosoph. oder polit Werke, z. B. von Prudentius („Psychomachia“), Boëthius („Trost der Philosophie“), Martianus Capella („Vermählung der Philosophie mit Merkur“).

Das MA. mit seiner Vorliebe für allegorisierende Interpretationen (Allegorese) brachte in Literatur und Kunst durch freie Kombination immer neue Allegorien und allegorische Werke hervor oder unterlegte anderen Werken einen allegor. Sinn, vgl. Lapidarien, Bestiarien („Physiologus“), Schachbücher, v. a. Minne-, Jagd-, Traum-Allegorien. Als sinnstieftende Episoden finden sich Allegorien im „Erec“ Hartmanns v. Aue (joie de la court) und im „Tristan“ Gottfrieds v. Straßburg (Minnegrotte); eine Gesamt-Allegorie ist die afrz. „Rosenroman“ von Guillaume de Lorris/Jean de Meung (13. Jh.).

Der „Renner“ Hugos v. Trimberg enthält mit didakt. Zielsetzung eine Fülle im MA. gängiger Allegorien ebenso die Werke Dantes und Petrarcas, die spätmal. Jedermannsspiele, der „Teuerdank“, in England E. Spencers „Faerie Queene“ (1590).

Bes. beliebt sind beiderlei Allegorien auch im Barock: vgl. das Jesuitentheater, die Trauerspiele von A. Gryphius oder etwa „The Pilgrim’s Progress“ von J. Bunyan.

Allegorien begegnen auch noch in den Fabeln und Parabeln Lessings, in Goethes Spätwerk (Festspiele, „Faust II“, z. B. Frau Sorge), bei E. T. A. Hoffmann („Prinzessin Brambilla“), bei J. v. Eichendorff („Das Marmorbild“).

Als allegor.-symbol. Mischform wird Novalis ‘blaue Blume’ interpretiert. Auch in der modernen Dichtung finden sich Elemente, z. T. durch den Symbolismus beeinflusst, die als Allegorien verstanden werden können (vgl. die Dramen P. Claudels). Der Begriff Allegorie ist aber für die vielschichtige moderne Dichtung nur noch bedingt anwendbar, da die verschiedenen Formen des übertragenen und verschlüsselten Darstellers sich in ihnen z. T. überschneiden (vgl. Franz Kafka). Am ehesten noch kann die indirekte Behandlung polit. u. gesellschaftl. Probleme am Beispiel vergleichbarer histor. Situationen als allegorisch (Geschichts-Allegorien) aufgefasst werden (vgl. histor. Roman u. Drama, z. B. Bergengruen: „Der Großtyrann und das Gericht“, G. Orwell, „Animal Farm“, A. Miller, „Hexenjagd“).“

[Günther und Irmgard Schweikle (Hrg.): Metzler Literaturlexikon. Stuttgart, 2. überarb. Aufl.1990, S. 9-10]

„Symbole wurden dann auch in übertragenen (metaphor.) Sinne verwendet für ein bildhaftes Zeichen, das über sich hinaus auf höhere geist. Zusammenhänge weist, für die Veranschaulichung eines Begriffes, als sinnl. Zeugnis für Ideenhaftes.

Im Unterschied zur rational auflösbaren, einschicht. Allegorie oder zum klar definierten Emblem hat das Symbol eine ganzheitliche, mehrdimensionale ambiguose Bedeutung: „Frau Justitia“ ist z. B. eine Allegorie, die Waage in ihrer Hand kann als Symbol der Gerechtigkeit aufgefasst werden. Das Symbol steht im Gegensatz zur willkürlich gesetzten Allegorie wie die Metapher in einem naturhaften Evidenzverhältnis zum Gemeinten, ist ein Sinn-Bild, bei dem die Relation zwischen Sinn und Bild, zwischen dem Geistigen und der Anschauung offenkundig ist. Das Symbol wendet sich weniger an den Intellekt wie die Allegorie als an Sinn und Gefühl, es zielt auf tiefere Bewusstseinsschichten.

Der metaphorische Symbol-Begriff setzt wie die ursprüngliche konkrete Bezeichnung eine Gemeinsamkeit des geistigen, weltanschaulichen und kulturellen Basis voraus, einen bestimmten Symbol-Horizont.

Symbole gewannen bes. Bedeutung im Mythos (Attribute der Götter), in der Religion (Kreuz als Symbol des Christentums), in Dichtung und Kunst, aber auch in der politischen und militärischen Selbstdarstellung (Wappen, Fahnen), in Brauchtum und Alltagsleben. Neben sog. natürlichen Symbolen (z. B. Tier-Symbole: Löwe, Adler, Taube) stehen konventionelle, durch Übereinkunft geschaffene (Friedenszweig, blaue Blume, Hammer und Sichel); neben symbolischen Zeichen finden sich auch symbolische Handlungen (Altarsakrament, Taufe, Fahnenweihe), auch bildhafte Abstraktionen von Begriffen im Verkehr (Verkehrszeichen) und schemat. Darstellungen aller Art werden als Symbole bezeichnet. In diesen Bereichen sind die Grenzen zur Allegorie fließend.

Goethe sieht im Symbol eine aufschließende Kraft, die das Allgemeine im Besonderen, das Besondere im Allgemeinen offenbart. In diesem Sinne erscheinen Kunst und Dichtung als symbol. Transformationen der Welt. Seit der Goethezeit werden sie demnach als Ausdrucksmedium verstanden, die über die Erscheinungsbild hinaus auf tiefere Seinsschichten verweisen (A. W. Schlegel: „Das Schöne ist eine symbolische Darstellung des Unendlichen“; I. Kant sieht im Symbol „eine Art der intuitiven Vorstellung“).

Während des Symbol-Begriff Goethes ganzheitl. konzipiert ist, kann er in der Romantik einseitig durch philosophische Reflexion betrachtet sein, so dass sich das Gleichgewicht von Sinn und Bild zugunsten eines verrätselten Sinnes verschiebt, die Symbolik zur Symbolistik wird.“  

[Günther und Irmgard Schweikle (Hrg.): Metzler Literaturlexikon. Stuttgart, 2. überarb. Aufl.1990, S. 451]

Gebrauch von Symbol und Allegorie

Wenn wir das Symbol im Sinne der Logiker oder Mathematiker verstehen, dann ist das Symbol entweder ein Bedeutungsträger, der mit seiner Bedeutung gesetzmäßig korreliert, d.h. durch eine präzise Konvention, die als solche durch andere Bedeutungsträger interpretierbar ist (vgl. Peirce). Oder das Symbol wird verstanden als eine Variable, die für viele Verbindungen offen ist, die aber, wenn sie einmal einen »bestimmten« Wert angenommen hat, im gleichen Kontext keine anderen Werte repräsentieren kann. Wenn wir das Symbol im Sinne Hjelmslev verstehen, dann sind etwa Kreuz, Hammer und Sicher sowie Embleme und heraldische Bilder Beispiele für den hier gemeinten Symbolbegriff. Symbole in diesem Sinne sind Allegorien.

Es gibt jedoch noch eine andere Bedeutung des Wortes »Symbol«, der zufolge Symbole Bedeutungsträger sind, die eine »nebelig« Bedeutung vermitteln und letztlich unerklärbar bleiben. Goethe zufolge »verwandelt die Symbolik die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe. Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, dass der Begriff im Bild immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei« (Maximen und Reflexionen 749/750, Hamburger Ausgabe).

Goethes Definition verträgt sich mit derjenigen der idealistischen Philosophie, auch wenn sich die Philosophen des Idealismus über das Wesen des Symbolismus nicht gänzlich einig waren: Schelling beispielsweise identifizierte das Symbol mit der höheren Form der Kunst, während Hegel das Symbol als ein Charakteristikum der niedrigeren und primitiveren Stufen der Kunst ansah. Für beide jedoch traf sich im symbolischen Verfahren das Endliche mit dem Unendlichen bzw. war es jenes Moment, in welchem die Kunst bei ihrem Versuch, das Unendliche auszudrücken, der Unzulänglichkeit ihrer eigenen Bilder inne wurde und dabei auf etwas Größeres und Höheres anspielte, ohne in der Lage zu sein, dieses gänzlich auszudrücken.

Wenn wir heutzutage in der Dichtung, in der Psychoanalyse oder auch in der kritischen Analyse unserer unbewussten ideologischen Verhaltensschemata von Symbolen sprechen, dann hat es den Anschein, als benutzten wir diesen Begriff in seiner romantischen Bedeutung. Wenn wir aber von Symbolen im logischen oder mathematischen Sinne sprechen, dann benutzen wir den Begriff auf eine andere Weise.

Diese Ambiguität hat ihre Wurzel in der griechischen Etymologie. Ursprünglich war das Symbol ein Erinnerungsstück (z. B. die gegenwärtige Hälfte eines zerbrochenen Tisches, einer Münze oder Medaille), dessen soziale und semiotische Funktion darin bestand, die abwesende Hälfte, mit der es potentiell verbunden werden konnte, in Erinnerung zu rufen. Die Möglichkeit dieser Verbindung als solche war das Entscheidende, denn eben weil die beiden Hälften miteinander verbunden werden konnten, war es nun nicht mehr notwendig, diese Verbindung tatsächlich herzustellen. So kommt es, dass, wenn wir ein Theater mit unserer Eintrittskarte betreten, niemand mehr nach deren zweiter Hälfte fragt und jeder der semiotischen natur dieses Erinnerungszeichens vertraut, die im geschilderten Fall auf der Grundlage einer etablierten und anerkannten Konvention funktioniert.

Wenn jedoch die vorhandene Hälfte der zerbrochenen Medaille den Geist ihrer abwesenden Hälfte und des ursprünglichen Ganzen evoziert, dann drängen sich andere Bedeutungen des Symbolbegriffs auf. So gesehen bedeutete das Verb symballein den Versuch einer Interpretation, einer Konjektur, einer Rätsellosung, eben den Versuch, von etwas Unpräzisem, weil Unvollständigem, auf das zu schließen, was es suggerierte, evozierte und enthüllte, aber nicht auf konventionelle Weise aussagte. In diesem Sinne war das Symbol eine ominöse plötzliche Erfahrung, eine Ankündigung vager Konsequenzen, die versuchsweise vorhergesagt werden konnten. Es war ein semeion, aber ein semeion von unfassbarer Qualität. Es war eine göttliche Botschaft, die ähnlich jener Sprache in vielen Zungen von jedermann verstanden wurde, ohne dass jemand laut buchstabieren konnte, was er verstanden hatte.

Auch den logisch-mathematischen Symbolbegriff möchte ich hier nicht eingehen, sondern statt dessen zu verstehen versuchen, wie modern der dichterische und psychoanalytische Symbolbegriff ist. Meiner Meinung nach entstand er weit vor der romantischen Ästhetik, jedoch ist er nicht so archaisch und ursprünglich wie gemeinhin angenommen. Bei der etymologischen Betrachtung hatten wir festgestellt, dass alle Bedeutungen des Wortes in gleicher Weise archaisch waren. Personen, die das Symbol im zweiten hier diskutierten Sinne verstehen, versuchen dieses auf seine traditionellen Ursprünge zurückzuverfolgen; sie halten Ausschau nach einem ehrwürdigen Stammbaum, aber sie verkennen die Tatsache, dass die Unterscheidung zwischen Symbol und Allegorie keineswegs archaisch ist.

Als im Umkreis der Stoiker die ersten Versuche unternommen wurden, die alten Dichter allegorisch zu lesen, um unter dem Mantel der Mythen der Evidenz natürlicher Wahrheiten zu finden, oder als Philo von Alexandrien begann, die Bibel allegorisch zu lesen, da gab es noch keine klare Unterscheidung zwischen Symbol und Allegorie. Pepin und Auerbach behaupten, dass die klassische Welt Symbol und Allegorie als synonyme Ausdrücke verwendete und dass sie außerdem auf Lernziele codierte Bilder »Symbole« nannte. Bei dieser Art von Sprachgebrauch – den ich aus heutiger Sicht nicht als Konfusion zu bezeichnen wage – galten Symbole im übrigen auch als rhetorische Kunstgriffe (Strategien). Diese Strategien besaßen eine präzise Bedeutung, die zwar nur undeutlich umrissen war, aber genau bestimmt werden konnte. Das gleiche wiederholte sich in der Tradition der Kirchenväter und in der mittelalterlichen Kultur.

Auerbach (1944) gibt zu bedenken, dass Dante manchmal, statt komplexe Allegorien zu zeichnen, Charaktere wie Beatrice und St. Bernhard entwirft, die zugleich für reale Personen und für typenhafte Repräsentanten höherer Wahrheiten stehen. Aber selbst in diesem Fall ist man Zeuge eines rhetorischen Verfahrens, das die Mitte zwischen Metonymie und Antonomasie einhält. Da ist nichts, das an die für den romantischen Symbolismus so typische Vorstellung einer dunklen Eingebung erinnert, die nicht ausgedrückt, übersetzt oder in Wörtern erläutert werden kann. Dantes Charaktere können auf die gleiche Weise interpretiert werden wie die Charaktere des Alten Testaments, die als Figuren des Neuen Testaments intendiert waren. Seit den Zeiten Augustinus’ wurde dieses Verfahren (das später Typologie heißen sollte) allegoria in factis genannt, im Gegensatz zu allegoria in verbis. Wir werden sehen, wie Dante auf seine weltliche Dichtung einfach ein Verfahren anwendet, das eigentlich für die Heilsgeschichte benutzt wurde.“

[Eco, Umberto: Streit der Interpretationen. Konstanz: Universitätsverlag, 1987, S. 15-17]

Allegorie und Symbol seit Goethe

»Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, dass der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei.« ‑ »Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.« (Goethe, Maximen und Reflexionen, Nr. 1112, 1113. Schriften der Goethe‑Gesellschaft, Bd. 21, S. 230f.) Nach H. R. Jauß, der wesentlich zu einem literarhistorisch vermittelten Verständnis der mittelalterlichen Allegorie beigetragen und sie für die Romanistik wiedererschlossen hat, ist die Unterscheidung zwischen Allegorie und Symbol lediglich das Resultat einer vorübergehenden Entwicklung der Asthetik seit dem vorletzten Jahrhundert, nämlich ‑ wie H.‑G. Gadamer genauerhin zeigte ‑ der Genieästhetik. (H. R. J., Form und Auffassung der Allegorie in der Tradition der »Psychomachia«, 1960; H.‑G. G., Wahrheit und Methode, 1960, S. 66 f.) Während seitens der Literaturwissenschaft inzwischen eine beachtliche neuere Allegorieforschung vorliegt, von W. Benjamin (Ursprung des deutschen Trauerspiels, 1928) und C. S. Lewis (The Allegory of Love, 1936) bis zu A. Fletcher (Allegory, 1964), hat die Allegorie in der zeitgenössischen Sprachphilosophie bisher kaum systematische Beachtung gefunden. (Zur einschlägigen Forschungsgeschichte innerhalb der Literaturwissenschaft cf. H. R. Jauß, Entstehung und Strukturwandel der allegorischen Dichtung, 1968, S. 147 ff.)

[Koppe, Franz: Sprache und Bedürfnis. Zur sprachphilosophischen Grundlage der Geisteswissenschaften. Stuttgart-Bad Cannstatt: Friedrich Frommann Verlag, 1977, 124 Anm. 1]

Allegorie und Symbol

Seit Goethes berühmten Definitionsversuchen ist auf eine Unterscheidung von Allegorie und Symbol viel Wert gelegt worden (und zwar zugunsten einer Hochschätzung des Symbols auf Kosten der Allegorie). Wir werden später verschiedentlich darauf zurückkommen. Vorderhand aber wollen wir hier weiter keinen Unterschied machen und für beides im allgemeinen das Wort »Allegorie« verwenden. Soweit der sprachliche Bereich gemeint ist, handelt es sich ja offenbar in jedem Fall wiederum um ein Redeverfahren mit übertragenem Sinn. Und eben das besagt das dem Allegoriebegriff der traditionellen Rhetorik zugrunde liegende Kunstwort allegorein: »anders reden«, nämlich anders, als eigentlich gemeint. Entsprechend lautet auch Quintilians klassische Bestimmung der Allegorie: aliud verbis, aliud sensu ostendit (Institutio oratoria (95 n. Chr.), VIII, vi, 44 u. ff.). Und diese durchaus etymologiegerechte Grundbestimmung bleibt auch zutreffend, wenn dafür später ‑ insbesondere seit dem deutschen Idealismus ‑ statt und neben »Allegorie« das nicht zum klassischen Kanon der Rhetorik gehörende Wort »Symbol« verwendet und weitgehend bevorzugt wurde.

Aber auch abgesehen von etymologischer Angemessenheit und vom gewichtigeren Alter terminologischer Tradition hat das Wort »Allegorie« vor allem den Vorzug, weniger mehrdeutig zu sein als »Symbol«, dessen Bedeutungsspektrum sich ja von der schlichten Verwendung für »Zeichen (jeglicher Art)« bis zu vielerlei dunklen und recht mystifizierenden Gebrauchsweisen erstreckt, wofür Goethes Definitionen gewiss Anlaß genug bieten. Deshalb läßt sich ‑ wenn man sich terminologisch für eines von beiden entscheiden will ‑ mit gutem Grund der Vorschlag vertreten, »Symbol« im rhetorisch literarischen Sinn fortan (wieder) durch »Allegorie« zu ersetzen. Und anstatt uns schon hier mit weitergehenden Differenzierungsfragen (etwa entsprechend der Goetheschen Unterscheidungsintention) zu befassen, wollen wir uns zunächst der elementareren und im systematischen Aufbau fürs erste vordringlichen Unterscheidung von Metapher und Allegorie (in diesem umfassenden Sinn) zuwenden.

Diese Unterscheidung ist im übrigen nicht so selbstverständlich, wie ihre Vernachlässigung in der traditionellen Allegorie bzw. Symboldiskussion glauben machen kann. Wenn in einem Text zum Beispiel von einer Taube so die Rede ist, dass es dabei um Friedlichkeit oder Frieden in Bezug auf Menschen geht, also um eine Übertragung auf Grund eines offenkundigen oder konventionellen Vergleichs (hier mit der notorischen Friedlichkeit dieser Tiere) dann kann es sich ja doch um beides handeln: um metaphorische oder aber um allegorische Rede. Um metaphorische Rede, weil ja die Metapher gerade so bestimmt ist, dass ihr ein vergleichsvermittelter übertragener Sinn eignet; um allegorische Rede kann es sich aber doch ebensogut handeln, denn jedermann weiß, dass die Taube als Symbol (wie man in diesem Fall gewöhnlich sagt) des Friedens gilt, und in dieser allegorischen Verwendung hat das Wort »Taube« ja wohl denselben kraft Vergleichskonvention übertragenen Sinn wie die entsprechende Metapher. Wo liegt dann aber der Unterschied zwischen Metapher und Allegorie?

Bleiben wir bei dem einfachen Beispiel. Wenn von jemandem gesagt wird, er oder sie sei eine Taube, dann ist das eine Metapher, die normalerweise zu verstehen gibt, dass es sich um einen friedlichen Menschen handelt und dies an ihm besonders beachtet oder geschätzt wird. Wenn dagegen in einer Erzählung eine Taube vorkommt, die sich in einer bestimmten Umgebung unter bestimmten Umständen etwa auf dem Dach eines Hauses oder an einem anderen Ort niederlässt und womöglich wiederholt in dieser oder ähnlicher Weise in Erscheinung tritt, dann kann das Erscheinen der Taube ‑ zumal wenn es aus der Ökonomie der Fabel herausfällt ‑ eine Allegorie sein, die besagen mag, dass in dem betreffenden Haus oder der Gegend oder sonstwie im erzählten Kontext Friede herrscht oder einkehrt. Vergleicht man dieses oder ähnliche Beispielpaare für die Metapher einerseits, für die Allegorie andererseits, so ist zumindest ein erster, elementarer Unterschied leicht auszumachen. Grob gesagt, läßt er sich vorerst etwa so fassen: Die Metapher, die wörtlich genommen ja gar nicht in den Kontext »passt«, zwingt dazu, wenn überhaupt, dann in ihrer übertragenen Bedeutung und nur in ihr sinnvoll verstanden zu werden. Allegorien dagegen lassen sich zunächst einmal durchaus auch in ihrer »buchstäblichen« Bedeutung (in der Tradition: sensus litteralis) sinnvoll in ihrem Kontext verstehen und haben darüber hinaus noch eine zweite, übertragene Bedeutung (sensus allegoricus), zu deren Verständnis ebenso wie bei der Metapher ggf. die Kenntnis der entsprechenden Vergleichskonvention erforderlich ist. Während also die Metapher insofern eindeutig ist, als ihre Bedeutung nicht auf der buchstäblichen, sondern auf der übertragenen Verstehensebene liegt, ist die Allegorie in dem Sinne zweideutig, als ihre Bedeutung auf der buchstäblichen und der übertragenen Verstehensebene liegt. In der allegorischen Rede ist nun zwar der buchstäbliche Sinn, wie gesagt, in den Kontext konsistent integrierbar, und überdies in der Regel so, dass man von dem übertragenen Sinn sogar ganz absehen könnte, ohne den Text zu zerstören, weil er auch dann als ein sinnvolles Ganzes verstehbar bleibt. Gleichwohl gewinnt ein allegorischer Text seine volle Bedeutung erst im Mitverstehen des übertragenen Sinns, ja letztlich ist er es, auf den es ausschlaggebend ankommt. Die buchstäbliche Bedeutung ist sozusagen nur vordergründig im Vergleich zum allegorischen »Hintersinn«, auf den sie verweist.

Mit anderen Worten und genauer gesagt, ist metaphorische Rede zwar eine Verschränkung von kontextgerechten und kontextfremden, von buchstäblich und übertragen zu verstehenden Wörtern, und in dieser Verschränkung der Bedeutungsebenen auf ein und derselben Verstehensebene liegt das Moment sprachlicher Verfremdung. Aber metaphorische Rede ist gleichwohl nicht wie die Allegorie doppeldeutig; denn die »Spannung« durch heterogene Bedeutungselemente kann eben nicht durch Ausweichen auf verschiedene Verstehensebenen im Sinne von getrennten Verstehensprozessen aufgehoben, sondern muss auf der Ebene nur eines Verstehensprozesses ausgetragen werden.”

[Koppe, Franz: Sprache und Bedürfnis. Zur sprachphilosophischen Grundlage der Geisteswissenschaften. Stuttgart-Bad Cannstatt: Friedrich Frommann Verlag, 1977, 124-126]

Alegoría (gr. allegoría, lit. ‘decir de otra manera’) Figura retórica basada en una inicial transmisión metafórica de a (cosa significada) a b (símbolo alegórico); el objeto b, una vez transformado, adquiere un espacio autónomo, pero todas las acciones y características de b podrán ser leídas referidas también a a.“ [Cardona, G. R., p. 10]

Alegoría

«Se trata –ilustra Dámaso Alonso– de imágenes en que un complejo de plano real (a, b, c, ...) se compara con un complejo de plano imaginario (a’, b’, c’, ...) mediante la igualación término a término de los elementos respectivos (a = a’, b = b’, c = c’, ...). Es el procedimiento que prolongado a lo largo de un poema (y con omisión de los términos de la realidad, que quedan tácitos) llega a ser lo que la poesía occidental conoce con el nombre de alegoría. Así, compara Góngora el río Pisuerga a una cítara (Pisuerga = cítara; guijas = trastes; fluir del agua = cuerdas de plata; álamos = clavijas; puerta de Simancas = puente del instrumento):

Sobre traste de guijas,

cuerdas mueve de plata

Pisuerga, hecho cítara doliente,

y en robustas clavijas

de álamos las ata,

hasta Simancas que le da su puente ...».” 

 

[Abad, Francisco: Diccionario de lingüística de la escuela española. Madrid: Gredos, 1986, p. 48]