ABDUKTION  

Abducción

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Zeichen nach Charles Sanders Peirce / Peirce Charles Sanders / Induktion / Deduktion

 

Abduktion (von lat. ab-ducere, wegführen)

1.    In der traditionellen Logik Bezeichnung für einen Syllogismus, in dem der Obersatz wahr ist, aber der Untersatz und damit die Konklusion nur wahrscheinlich.

2.    Bei Peirce ist Abduktion neben Deduktion und Induktion eine eigene Schlussform. Sie wird allgemein benutzt, um merkwürdige, überraschende Tatsachen zu erklären: indem man eine Hypothese aufstellt, aus der die jeweilige Tatsache deduktiv folgt.“

        [Hügli, A. / Lübcke, P.: Philosophenlexikon. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 19]

Abduktion

Verfahren des hypothetischen Schließens. Es geht zurück auf Charles Sanders Peirce und wurde im Rahmen der qualitativen Sozialforschung in Deutschland wieder entdeckt.

Der abduktive Schluss sucht zu einer gegebenen Beobachtung eine mögliche allgemeine Gesetzmäßigkeit, die diese Beobachtung erklären könnte. Bsp.:

Beobachtung: „Cäsar ist sterblich“.

Denkbare Erklärung: „Alle Menschen sind sterblich“.

Hypothetische Schlussfolgerung: „Cäsar ist ein Mensch (und deshalb sterblich).“

Die neuere Diskussion um den abduktiven Schluss wurde in Deutschland vor allem ausgelöst von U. Oevermann, der darin ein Verfahren sieht, im Rahmen der qualitativen Sozialforschung zu logisch abgesicherten Schlussfolgerungen zu kommen. J. Reichertz (1991) bestritt diesen Anspruch, indem er postulierte, dass unter Abduktion vor allem der Fall zu verstehen sei, dass es sich bei der "denkbaren Erklärung" um einen neuen, bislang unbekannten Zusammenhang handele, der sich per definitionem einer eindeutigen Absicherung verschließe.

Reichertz kam zu dieser Schlussfolgerung, indem er den "späten" gegen den "frühen" Peirce ausspielte. Tatsächlich liegt das Problem aber anderswo: Die Ungesichertheit des abduktiven Schlusses beruht darauf, dass es prinzipiell nicht sicher ist, dass der Forscher unter der unendlichen Vielzahl der möglichen Gesetzmäßigkeiten gerade die richtige ausgewählt hat. Befinden sich unter den hypothetisch erwogenen Gesetzmäßigkeiten nur "falsche" Erklärungen, so kann auch im (auf den abduktiven Schluss folgenden) Prozess des Ausscheidens unzutreffender Hypothesen nicht am Ende die zutreffende Erklärung übrig bleiben.“

Siehe auch: Deduktion, Induktion.

[ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung © W. Ludwig-Mayerhofer, ILMES]

Abduktion

Nach Aristoteles ist eine Abduktion ein Schluss, dessen Obersatz gewiss und dessen Untersatz zwar ungewiss, aber ebenso glaubwürdig wie die Conclusio oder glaubwürdiger als diese ist [1].

Bei Peirce ist die Abduktion neben der Induktion eine der beiden Arten des nichtdeduktiven Schließens. [2].

Eine Abduktion ist bei Peirce soviel wie die Aufstellung einer Hypothese oder - in seiner Terminologie - eine Folgerung von einer Regel und einem Resultat auf einen Fall.

Der Begriff der Abduktion ist zentral für die Bestimmung der relationale Kohärenz.“

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[1] Aristoteles, Erste Analytik II, 25, 69a

[2] Peirce, C. S.: Deduction, Induction and Hypothesis. In: Collected Papers vol. II, 619 – 644

[www.phillex.de/abduktio.htm]

(A)  Alle Kater sind schwarz.

(B)   Felix ist ein Kater.

(C)   Felix ist schwarz. (!)

Das war eine Deduktion (Schluss von der Praemissa maior und der Praemissa minor auf die Conclusio). Aus (A) und (B) folgt (C) zwingend.  Diese Form des Schließens finden wir häufig in der Mathematik und in der klassischen Logik. Der Deduktionsschluss ist apodiktisch, das heißt notwendig wahr. Er ist Wahrheit bewahrend und insoweit konservativ.

(C)   Felix ist schwarz.

(B)   Felix ist ein Kater.

(A)  Alle Kater sind schwarz. (?)

Das war eine Induktion (Schluss von der Conclusio und der Praemissa minor auf die Praemissa maior). Nach (C) und (B) ist (A) zwar durchaus wahrscheinlich, aber keineswegs zwingend wahr. Sicher gegeben ist nur ein einziger Belegfall (zumindest der eine uns persönlich bekannte Kater Felix ist schwarz), von dem ausgehend auf alle anderen entsprechenden Fälle durch Verallgemeinerung geschlossen wird. Im Routinebetrieb der empirischen Wissenschaften werden generalisierende, d.h. wenig kreative Hypothesen auf induktivem Weg gewonnen. Der Induktionsschluss ist dialektisch, das heißt nicht zwingend wahr. Er bedarf zu seiner Absicherung unbedingt der Überprüfung mittels des Bootstrap-Modells durch Herstellung seiner (positiven) Einzelfälle (siehe unten bei 3. [Rudolf Virchow] sowie bei 4.4b). Der Induktionsschluss ist potenziell Wahrheit erweiternd.

(A)  Alle Kater sind schwarz.

(C)   Felix ist schwarz.

(B)   Felix ist ein Kater. (??)

Das war eine Abduktion (Schluss von der Praemissa maior und der Conclusio auf die Praemissa minor). Gemäß (A) und (C) ist (B) zwar möglich, aber keineswegs wahrscheinlich, denn beispielsweise auch Kohlen oder Schornsteinfeger sind schwarz. Der hier formulierte Schluss ist also ziemlich unsicher, er kann allenfalls „zufällig“ wahr sein. Es gibt nämlich für seine Richtigkeit zunächst keinen einzigen gesicherten Belegfall. Das ist nicht nur ein quantitativer, sondern ein qualitativer Unterschied zur Induktion. Der abduktive Schluss spekuliert, er verwertet Indizien. Dies entspricht im Alltag zum Beispiel der Arbeitsweise eines Kriminalbeamten, der einen Tatverdächtigen überführen will, oder der Tätigkeit eines Arztes, der aufgrund von bestimmten Symptomen eine (vorläufige und stets unsichere) Krankheitsdiagnose stellt. In den empirischen Wissenschaften werden die besonders kreativen, innovativen und originellen Hypothesen durch Abduktion gewonnen. Nur mit ihrer Hilfe gelangt man zu substanziell neuen Erkenntnissen. Der Abduktionsschluss ist rhetorisch, das heißt vielleicht wahr, und er ist potenziell Wahrheit entdeckend. Er bedarf zu seiner Absicherung unbedingt der Überprüfung mittels der hypothetisch-deduktiven Methode (siehe unten bei 3. [Francisco J. Ayala] sowie bei 4.4a). Der Terminus Abduktion stammt von dem amerikanischen Philosophen Charles S. Peirce (1839-1914).“

[Axel W. Bauer 2000: „Deduktion, Induktion, Abduktion und die hypothetisch-deduktive Methode in den empirischen Wissenschaften“. In: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak5/igm/g47/bauerabd.htm]

„Die Abduktion ist daher als das versuchtsweise und risikoreiche Aufspüren eines Systems von Signifikationsregeln, die es dem Zeichen erlauben, seine Bedeutung zu erlangen.

Die Abduktion tritt bei jenen natürlichen Zeichen auf, die die Stoiker anzeigend nannten und die man für Zeichen hält, ohne jedoch zu wissen, was sie bezeichnen. Kepler stellte fest, dass die Umlaufbahn des Mars durch die Punkte x und y geht (dieses Beispiel stammt von Peirce, C. P., 2: 96): dies war das Resultat, aber man wusste noch nicht, von welcher Regel es ein Fall war (deshalb waren die Konsequenzen dieses Antezedens gleichermaßen unbekannt). Die Punkte x und y hätten unter anderen möglichen geometrischen Figuren Punkte einer Ellipse sein können. Kepler stellt eine Hypothese bezüglich der Regel auf (und das war eine kühne, imaginative Handlung): x uns y sind Punkte einer Ellipse. Wenn also die Umlaufbahn des Mars tatsächlich elliptisch war, dann war die Tatsache, dass er die Punkte x uns y durchkreuzte (Resultat), ein Fall dieser Regel. Die Abduktion musste natürlich verifiziert werden. Im Lichte der hypothetischen Regel waren x und y »Zeichen« des weiteren Fortgangs von Mars durch die Punkte z und k. Natürlich war es notwendig, an dem Punkt auf Mars zu warten, an dem das erste »Zeichen« sein Erscheinen erwarten ließ. Nachdem die Hypothese einmal verifiziert worden war, musste die Abduktion ausgeweitet (und verifiziert) werden: hypothetisch wurde angenommen, dass alle anderen Planeten sich ebenso verhalten wie Mars. Das Verhalten eines Planeten wurde so zum Zeichen für das allgemeine Verhalten von Planeten.

Die Abduktion ist eine sehr komplexe Art des Schlusses, und vermutlich gibt es viele Abduktionstypen, die von den einfachsten und leichtesten bis zu den komplexeren und gewagteren reichen. Thagard (1978) hat im Zusammenhang mit der Unterscheidung zwischen Übercodierung und Untercodierung (Eco, 1976: 2.14) zwischen Hypothese und Abduktion unterschieden; Bonfantini und Proni (1983) haben drei Typen der Abduktion umrissen, und ich habe diesen Vorschlag ausgearbeitet (Eco, 1983). Die drei Abduktionstypen, die ich hier umreißen werde, repräsentieren eine typologische Abstraktion, eine Art grober Segmentierung eines genauer segmentierbaren Kontinuums. Mit anderen Worten: man könnte konkrete Beispiele der Abduktion finden, die Zwischenpositionen zwischen dem ersten und dem zweiten oder zwischen dem zweiten und dem dritten Typ abdecken, sowie komplexe Prozesse, die diese verschiedenen Typen kombinieren.

(a) Eine Hypothese oder übercodierte Abduktion liegt, vor, wenn das Gesetz automatisch oder quasi-automatisch gegeben ist. [...]

(b) Eine untercodierte Abduktion liegt vor, wenn die Regel aus einer Reihe gleich wahrscheinlicher Alternativen gewählt werden muss. [...]

(c) Schließlich gibt es Fälle kreativer Abduktion, bei denen die Regel, die als Erklärung agiert, ex novo erfunden werden muss. Dieser könnte bei Kopernikus der Fall gewesen sein, als er in De revolutionibus orbium coelestium die Intuition des Heliozentrismus hatte. [...]

Mit anderen Worten, bei über- und untercodierten Abduktionen benutzt man Erklärungen, die bereits bei verschiedenen Resultaten überprüft wurden. Bei kreativen Abduktionen ist man nicht sicher, ob die Erklärung, die man gewählt hat, »vernünftig« ist.

Wir wenden kreative Abduktionen an, wenn wir es mit poetischen Texten zu tun haben und ebenso bei der Lösung von Kriminalfällen. An vielen interpretativen Entscheidungen, die Symbole betreffen, sind kreative Abduktionen beteiligt. Viele Fälle, in denen die Sprache nicht zur Bestätigung, sondern zur Herausforderung einer gegebenen Weltsicht oder eines wissenschaftlichen Paradigmas benutzt wird und um zu entscheiden, dass bestimmte Eigenschaften nicht mehr zu der Bedeutung eines gegebenen Ausdrucks gehören können, erfordern eine interpretative Kooperation, die viele Charakteristika einer kreativen Abduktion aufweist.“

[Eco, Umberto: Semiotik und Philosophie der Sprache. München: Wilhelm Fink Verlag, 1985, S. 68-72]

Abducción

1.   En fonética articulatoria, la ‘abducción’, término que se toma de la anatomía, es el movimiento opuesto a la aducción, y consiste en la separación de las cuerdas vocales, con la consiguiente abertura de la glotis, dejando paso a la columna o corriente de aire subglótico procedente de los pulmones, e interrumpiendo, consecuentemente, la actitud vocal previa. [...]

2.   En el paradigma generativista y, más en concreto, en la teoría de la adquisición del lenguaje, se llama ‘abducción’, de acuerdo con Chomsky (1979: 71), a la capacidad natural que tiene la mente humana para concebir teorías concretas. Es un principio, una especie de instinto mental, desarrollado en el curso de la evolución, que pone límites a las hipótesis admisibles. En la adquisición de la primera lengua, esta restricción innata limita las hipótesis permisibles que el niño pueda hacer sobre la forma de la gramática de dicha lengua. Chomsky basa sus reflexiones en las ideas del filósofo Peirce, quien define la ‘abducción’ como el primer paso inferencial durante la formación y el mantenimiento de una hipótesis, ya como simple interrogación, ya como proposición sobre la que se tiene cierto grado de confianza. Dentro de la metodología triádica de Peirce (iconos, índices y símbolos; primariedad, segundidad y terceridad, etc.), es un constituyente de la tríada llamada ‘abducción’, inducción, deducción.

3.   A la investigación lingüística general puede extenderse también la reflexión del punto anterior. De acuerdo con el DRAE, la ‘abducción’ es el silogismo cuya premisa mayor es evidente y la menor, menos evidente o sólo probable. Como afirma A. Herrero (1989: 16-17) siguiendo a Peirce, las ‘abducciones’, que no son escasas en el razonamiento cotidiano, son inferencias probables, y por tanto, más débiles, porque asumen los límites de la demostración inductiva y la exclusión propia del razonamiento deductivo. La forma lógica de las tres citadas inferencias (deducción, inducción y abducción) tiene una secuencialidad en un proceso inferencial completo, como a continuación se señala. Deducción: Regla: «Las judías de ese saco son blancas». Caso: «Estas judías vienen de ese saco». Resultado: «Estas judías son blancas». Inducción: Caso: «Estas judías vienen de ese saco». Resultado: «Esas judías son blancas». Regla: «Las judías de ese saco son blancas». Abducción: Resultado: «Estas judías son blancas». Regla: «Las judías de ese saco son blancas». Caso: «Estas judías vienen de ese saco».

La verdad de la hipótesis ‘abducida’ implica para Peirce también deducción e inducción, ya que de la hipótesis formulada se extrae el resultado o consecuencias, primero deductivamente, y, a continuación, se prueba la verdad de la hipótesis comprobando inductivamente esas consecuencias. Para Peirce, en la ‘abducción’ y en la ‘inducción’ se parte de la ausencia de conocimiento. La diferencia entre ambas está dada por lo siguiente: mientras que en la ‘inducción’ se desconoce si además de los objetos que se sabe poseen ciertas características existen otros que también las poseen, en la ‘abducción’, en cambio, se desconoce si, además de las características que se sabe que poseen ciertos objetos, los mismos tienen otras no implicadas por aquéllas.”

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 1-2]