DER KONJUNKTIVGEBRAUCH

im Französischen und Spanischen

 

Nach: Schifko, Peter: Subjonctif und subjuntivo. Zum Gebrauch des

Konjunktivs im  Französischen und Spanischen.

Wien, Stuttgart: W. Braumüller, 1967

 

Die Kategorien der Verneinung, Frage, Bedingung, Einschränkung, des Wollens  und des Affektes sind in beiden Sprachen in annährend gleichem Masse  wirksam, die allgemeine und temporale Unbestimmtheit hingegen vor allem im  Spanischen den Konjunktiv herbeiführen. Daraus kann man jedoch nicht auf  verschiedene Grundwerte des Konjunktivs in beiden Sprachen schließen,  sondern nur auf eine unterschiedliche Akzentverteilung innerhalb des  gemeinsamen Grundwertes dieses Modus.

 

Im Hauptsatz

 

Im Hauptsatz ist der Gebrauch des Konjunktivs im Fr. sehr selten und  beschränkt sich auf erstarrte Formeln. Im Sp. wird dieser Modus mit der  gleichen Spontaneität wie in den abhängigen Sätzen verwendet: Ausdruck des  (un)erfüllbaren Wunsches, Ausdruck der Einräumung. Die Funktion des  Konjunktivs als Ersatzform des Konditionals ist im Sp. dank der Existenz  der -ra- Form in vielen weiterem Umfang möglich als im Französischen.  Darüber hinaus kennt das Sp. Gebrauchsweisen des Konjunktivs, die im Fr.  nicht möglich sind: Imperativersatz bei allen verneinten Formen und bei der  Aufforderung an die erste Person Plural und bei der höflichen Anrede. Eine  weitere Eigenheit des Sp. ist die Möglichkeit des Konjunktivs nach dem  Modaladverbien quizá(s), tal vez, acaso, por ventura. 

 

Im Kompletivsatz [que-Satz] 

 

Im Kompletivsatz ist der Modusgebrauch nach Ausdrücken des Wollen in beiden Sprachen annähernd gleich.  Im Sp. nach lograr, obtener steht fast immer Konjunktiv.

Im Fr. kann nach obtenir der Konjunktiv stehen, aber nach réussir wird die Infinitivkonstruktion vorgezogen.

Im Sp. steht regelmäßig Konjunktiv nach dejar, hacer bzw. nach Ausdrücken des Zulassens und Veranlassens.

Im Fr. ist der Konjunktiv nach faire nur selten und nach laisser möglich.

Im Sp. steht nach Ausdrücken des Hoffens eher Konjunktiv.

Im Fr. steht eher das Futurum des Indikativs.

Der Indikativ nach Ausdrücken der behördlichen Willensäußerung im Sp. seltener als im Fr.  Nach Ausdrücken der Gefühlsbewegung gibt es keine nennenswerten  Unterschiede im Modusgebrauch.

Auch nach deklarativen Ausdrücken ist der Gebrauch der Modi in beiden  Sprachen weitgehend gleich; allenfalls zeichnet sich das Sp. durch eine etwas grössere Freiheit im Gebrauch des Indikativs aus.

Unterschiedlich  ist die Modussetzung nach den Ausdrücken des Wahrscheinlichhaltens und Scheinens:

Il es probable verlangt affirmativ gebraucht fast immer den Indikativ.

Es probable verlangt den Konjunktiv.

Il paraît  regiert beide Modi, vorwiegen jedoch den Indikativ.

Il semble meistens den Konjunktiv. Jedoch il me semble  den Indikativ.

Das Sp. macht keinen Unterschied zwischen parece  und me parece, die beide  überwiegend den Indikativ verlangen.  Nach den negiert gebrauchten Verben mit negativem Semantismus douter, nier, ignorer; dudar, negar, ignorar steht im Sp. viel häufiger der Indikativ als  im Französischen.  Im indirekten Fragesatz steht der Konjunktiv in beiden Sprachen selten, jedoch im Sp. viel häufiger als im Französischen.

 

Im Relativsatz

 

Im Relativsatz ist der Modusgebrauch bei intentionalem, verneintem,  fragendem und bedingtem Antezedens in beiden Sprachen gleich. Bei einem  Spezialfall des eingeschränkten Antezedens hingegen, nämlich bei  superlativischen Ausdrücken, steht im Fr. fast immer der Konjunktiv, im Sp.  fast nie, und wenn er doch vorkommt, dann aus anderen Gründen oder als Nachahmung des Französischen, vor allem in modernen Zeitungsstil.

Einer der größten Unterschiede in der modalen Syntax beider Sprachen ist die Setzung der Konjunktivs nach unbestimmtem Antezedens oder bei Zukunfsbezogenheit des ganzen Satzgefüges im Sp., während das Fr. hier den  Indikativ, sehr oft das Futurum des Indikativs, verwendet. Es zeigt sich  hier eine verschiedene Haltung zukünftigen und eventuellen Ereignissen gegenüber.  Eine weitere Eigenheit des Sp. ist die Verwendung des Konjunktivs im  Relativsatz, wenn das Antezedens Teil eines Vergleiches ist, eine  Gebrauchsweise, die das Französische nicht kennt.

 

Im Temporalsatz

 

Im Temporalsatz ist die Handhabung der Modi ebenfalls ziemlich verschieden.  Nach quand steht immer der Indikativ, nach cuando jedoch nur dann, wenn es  sich auf die Gegenwart oder Vergangenheit bezieht; bei der Zukunftsbezogenheit findet sich in den meisten Fällen der Konjunktiv.

Nach comme steht der Konjunktiv selten; nach como ist er die Regel, auch wenn kein Bezug auf die Zukunft vorliegt. Es handelt sich um einen Latinismus, der sich im Sp. bis heute gut erhalten hat.

Jusqu'à ce que steht im modernen Fr. weitgehend beim Konjunktiv, während  dieser Modus im Sp. nur bei zukünftiger Handlung steht. Nach den Konjunktionen tant que, aussi loin que, autant que, dès que   gebraucht das Fr. meistens den Indikativ.

Nach den Konjunktionen mientras, en cuanto, tan pronto como, así que  mit  der Bedeutung 'solange als', 'sobald als' bei Zukunftsbezogenheit der  Konjunktiv steht.

Nach avant que, antes (de) que  steht in beiden Sprachen regelmäßig der  Konjunktiv.

Auch nach après que, después que ist der Modusgebrauch in beiden Sprachen  derselbe, mit dem Indikativ als Regel und einigen seltenen Ausnahmen mit  dem Konjunktiv, die jedoch im Sp. häufiger sind als im Fr., besonders dann, wenn sich die Handlung des Temporalsatzes in einer unbestimmten Zukunft  abspielt.

 

Im Lokalsatz

 

Im Lokalsatz ist der Gebrauch des Konjunktivs im Fr. auf einige wenige  Fälle beschränkt, nämlich wenn es sich um einen verallgemeinernden Lokalsatz oder um einen Ort mit einer geforderten Eigenschaft, einer  gewünschten Beschaffenheit handelt. Im Sp. hingegen steht der Konjunktiv viel öfter, insbesondere jedes Mal,  wenn die Ortsangabe unbestimmt ist.

 

Im Kausalsatz

 

Im Kausalsatz steht sowohl im Fr., wie auch im Sp. bei Verneinung des  Grundes der Konjunktiv.  Im Sp. kann jedoch auch bei affirmativen Gebrauch der Konjunktiv verwendet  werden, wenn ein Grund als unmaßgeblich zurückgewiesen wird. Trotz der dadurch gegebenen impliziten Verneinung gebraucht man im Fr. in diesen  Fällen den Indikativ.

 

Im Final- und Konsekutivsatz

 

Im Final- und Konsekutivsatz ist der Modusgebrauch gleich, mit dem  regelmäßigen Konjunktiv im ersteren und dem vorherrschenden Indikativ im  Konsekutivsatz, wenn der übergeordnete Satz affirmativ gebraucht wird und  dem Konjunktiv nach verneintem Hauptsatz. 

 

Im Konzessivsatz

 

Im Konzessivsatz steht in der französischen Sprache nach quoique usw. überwiegend der Konjunktiv. Das Sp. hat sich jedoch die auch im Fr. früher  existierende Freiheit in der Moduswahl voll bewahrt.  Nach même si allerdings steht im Fr. immer der Indikativ, nach der  spanischen Entsprechung aunque in diesem Fall fast immer der Konjunktiv.

Nach den konzessiven Wendungen por ... que steht im Sp. der Konjunktiv oder  Indikativ, je nach auszudrückendem Sinn.

Im Fr. folgt nach quelque ... que, si ... que, pour ... que  meistens der  Konjunktiv, nach tout ... que  meistens der Indikativ. Die französische Sprache hat in den Umstandssätzen die Neigung, bestimmte Konjunktionen mit  einem bestimmten Modus zu koppeln, was im Sp. weit weniger der Fall ist.

 

Im Konditionalsatz

 

Der Modusgebrauch im Konditionalsatz ist in moderner Zeit völlig verschieden. Im Fr. steht in mit si eingeleiteten irrealen Konditionalsätzen im  allgemeinen der Indikativ; der Konjunktiv ist nur literarisch bei  archaischem Sprachgebrauch üblich. Im Hauptsatz steht der Konditional, der ebenfalls literarisch durch den Konjunktiv ersetzt werden kann, aber nur auf der Vergangenheitsstufe.

Im Sp. steht im si- Satz immer der Konjunktiv und im Hauptsatz der  ebenfalls der Konditional oder der Konjunktiv als Ersatzform, jedoch  häufiger als im Französischen, auch in der gesprochenen Sprache und au  allen Zeitstufen.  In allen anderen, nicht durch si eingeleiteten Konditionalsätzen, steht in  beiden Sprachen durchwegs der Konjunktiv, gleichgültig, um welche Art von  hypothetischer Periode es sich handelt.

 

Im Komparativ- und Modalsatz

 

Im Komparativ- und Modalsatz werden die Modi ebenfalls in sehr unterschiedlicher Weise gebraucht. Nach comme steht steht im Fr. fast immer der Indikativ oder Konditional,  wobei letzterer literarisch durch den Konjunktiv ersetzt werden kann, im Sp. steht nach como bei Unbestimmtheit oder Zukunftsbezogenheit immer der  Konjunktiv.

Für comme si bzw. como si gilt das gleiche wie in der mit si eingeleiteten  irrealen hypothetischen Periode.

Selon que verlant immer den Indikativ, según kann bei Unbestimmtheit  allgemeiner und temporaler Art auch den Konjunktiv nach sich ziehen.  Sans que und sin que verlangen immer den Konjunktiv.

 

Die Formen des Konjunktivs in beiden Sprachen:

 

Der augenfälligste Unterschied ist zunächst die verschiedene Anzahl von  Formen im Fr. und Sp., von denen das Sp. mit acht genau doppelt so viel  besitzt als das Französische. Davon abgesehen zeichnet sich das Spanische  durch einen viel ausgewogeneren Gebrauch seiner Konjunktivformen als das  Französische aus. Außer dem "futuro hipotético" sind in der spanischen  Sprache alle Formen in gleicher Weise lebendig, während in der französischen das Imperfektum des Konjunktivs und mit ihm das Pluscuamperfektum in der gesprochenen Sprache praktisch ausgestorben und  durch das Präsens ersetzt worden ist.  Eng damit im Zusammenhang steht im Fr. die Krise des passé simple, das im  Sp. auch in der gesprochenen Sprache wie jede andere Form verwendet wird.  Die Ersetzung des Konditionals durch das Imperfektum des Konjunktivs ist im  Sp. viel häufiger und leichter möglich als im Französischen. Ebenso wird  diese Form im Sp. in der Funktion eines Irrealis der Gegenwart öfter  verwendet als im Französischen. Die Duplizität der Formen des Imperfektums  und Plusquamperfektums des Konjunktivs im Sp. erlaubt viel umfassendere  Gebrauchsmöglichkeiten dieser Zeiten als im Französischen. Das "futuro  hipotético" und die entsprechende zusammengesetzte Form schließlich  existieren überhaupt nur im Spanischen.

Die Zeitenfolge:

Die Zeitenfolge ist im Sp. noch freier als im Fr., abgesehen von der  Tatsache, dass der Ersatz des Imperfektums des Konjunktivs durch das  Präsens in dieser Sprache nicht üblich ist. Insbesondere ist der Gebrauch  des Imperfekts des Konjunktivs als Ausdruck der Vorzeitigkeit auf der Stufe  der Gegenwart im Sp. viel häufiger anzutreffen als im Französischen.

Grundbedeutung des Konjunktivs

Die Grundbedeutung ist für beide Sprachen dieselbe, wobei allerdings im Sp.  die konjunktivaffine Kategorie der allgemeinen und temporalen Unbestimmheit  hinzukommt.

Unterschiede Französisch - Spanisch im Gebrauch des Konjunktivs:

Trotz aller Unterschiede im einzelnen ist der Gebrauch der Konjunktivs in  beiden Sprachen im grossen und ganzen gleich.

Aus der Nähe betrachtet ergibt sich jedoch eine Reihe von Unterschieden:

Der Konjunktiv ist im Sp. viel lebendiger als im Fr.; er wird nicht nur  viel öfter, sondern auch in mannigfaltigerer Weise gebraucht. Fast alle  Abweichungen im Gebrauch des Modus gehen dahin, dass im Sp., im Gegensatz  zum Fr., der Konjunktiv gebraucht wird. Allerdings nach parecer  und  negiertem dudar, ignorar, negar ist der Indikativ häufiger als in den entsprechenden französischen Konstruktionen.

Das gleiche gilt für den Relativsatz nach superlativischen Ausdrücken. Weiters kann im Temporalsatz der Indikativ weit häufiger nach hasta que   als nach jusqu'à ce que  stehen, und im Konzessivsatz ist ebenfalls im Sp.  der Indikativ eher möglich als im Französischen.  In allen anderen Fällen einer Abweichung der modalen Syntax beider Sprachen  wird der Konjunktiv im Spanischen häufiger gebraucht als im Fr., bzw. er wird in vielen Fällen gebraucht, wo er im Fr. überhaupt unmöglich ist.

Der Konjunktiv wird im Sp. viel freier als im Fr. gebraucht; die  Grammatikalisierung ist nicht annähernd so weit fortgeschritten wie im  Französischen. Besonders in den Umstandssätzen hat sich das Sp. in vielen  Fällen die Freiheit für echte modale Alternativen bewahrt, wo das Fr. nur  mehr einen streng reglementierten Gebrauch kennt. Der Gegensatz geht  allerdings nicht so weit, wie Criado del Val meint:

Hay, pues, que contar con varios tipos de subjuntivo: unos, en los que predomina la subjetividad efectiva (español, portugués, italiano), y otros, en los que la subordinación gramatical es la nota dominante (francés). (Criado del Val, Fisionomía del idioma español ..., S. 117)

Wohl aber kann man Moellerings rückhaltlos zustimmen

In general, Spanish ist a language wherein the subjective ist commonly used with deliberate intent, rather than in conformity with a grammatical pattern (functionally rather than formally).

Tatsächlich kann man das vom Fr. nicht behaupten, wo Fälle von "servitude grammaticale" viel häufiger vorkommen als im Spanischen.

Die Freiheit des Gebrauchs der Konjunktivs im Sp. im Vergleich mit dem Fr.  zeigt sich auch formal in der Tatsache, dass dieser Modus im Fr. in  Nebensätzen praktisch nur nach que und Relativpronomen möglich ist, während  das im Sp. nach allen einfachen Konjunktionen der Fall ist: que, cuando,  como, mientras, si, según.  Aber auch der Gebrauch des Konjunktivs im  Hauptsatz:

En français, le subjonctif n'existe presque pas dan les propositions principales proprement dites (sans conjonctions). Son emploi es réduit à  des formules toutes faites comme Vive la République.  En espagnol, le  subjonctif est d'une grande fréquence dans les propositions principales. 

Welche Gründe sind für diesen Sachverhalt massgebend?

Zunächst die freiere Entwicklung der spanischen Sprache, die nie eine so  starke Reglementierung wie das Französische im 17. und 18. Jh. erfahren  hat. Ferner der Umstand, dass der Spanier für modale Nuancen empfindlicher  und empfänglicher sein dürfte als der Franzose, der die Sprache einer  strengen Zucht unterwirft. 

En líneas generales, puede decirse que el verbo francés, limitándose a  expresar la localización temporal por medio del indicativo y la  subordinación gramatical por el subjuntivo, ha llegado a una gran     simplificación del sistema, mientras el español, orientado en un sentido opuesto, lo ha ampliado dirigiendosu atención hacia los aspectos y modalidades en trance de desaparecer. (a.a.O., S. 66)

Dieser Unterschied drückt sich auch darin aus, dass das Fr. ein differenzierteres Schema zur Bezeichnung der Zeitstufen aufweist als das  Spanische.

Überblickt man die Geschichte der Bezeichnungen temporal-deiktischer Begriffskategorien im Französischen, so fällt als hervorstechendsten Merkmal der Entwicklung ... die Tendenz zu einer feinsten Nuancen  gerecht werdenden Zeitstufendifferenzierung auf. (Heger, K., 1963, S. 153)

Somit ergibt sich im Fr. ein beträchtlicher Unterschied in der Bedeutung  und Häufigkeit zwischen Indikativ und Konjunktiv, während der Konjunktiv im  Sp. gleichberechtigt und gleich wichtig neben dem Indikativ steht. Der  Disproportion im Französischen entspricht ein ausgewogenes Gleichgewicht im  Spanischen." [a.a.O., S. 182-190]

 

DIE FORMEN DES KONJUNKTIVS

Kontrastive Betrachtung Sp. - Fr.

 

1. Charakteristik der Zeiten

"Wenn man die Formen des Konjunktivs mit denen des Indikativs vergleicht,  bemerkt man, dass den vier Zeiten des Konjunktivs im Französischen zehn des  Indikativs und im Spanischen den acht Zeiten des Konjunktivs ebenso acht  des Indikativs gegenüberstehen. Die Proportion der Zeiten ist also im  Spanischen ausgewogener als im Französischen; es ist allerdings zu  berücksichtigen, dass im Sp. zwei der Zeiten identisch sind, nämlich die  Formen -se und -ra sowie die entsprechenden zusammengesetzten Formen und  dass zwei weitere Zeiten, die re- Form und die entsprechenden  zusammengesetzte Form, in ihrem Gebrauch so defektiv sind, dass sie  praktisch nicht ins Gewicht fallen und ausserdem von vielen Forschern als  eigener Modus "potencial" bezeichnet werden, womit sich die Proportion in  praxi zugunsten des Indikativs auf fünf zu acht verschiebt. 

Le contraste de cette richesse et de cette pauvreté en formes temporelles donne à penser que le subjonctif se réfère à une autre représentation générale du temps que le mode indicatif. (Guillaume, G.)

Tatsächlich ist es so, dass die Formen des Konjunktivs als Modus des nicht  in seiner Konkretheit Erfassten auch die temporale Bestimmtheit oft  verlieren. Die Formen des Indikativs hingegen drücken die absolute  Zeitstufe klar und eindeutig aus. Die Zeiten des Konjunktivs wirken wie ein  ungeteilter Block, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander  verschmolzen sind. Imbs spricht in diesem Zusammenhang von einer  "temporalité de synthèse". Mit anderen Worten, ein und dieselbe temporale  Form des Konjunktivs kann, je nach Kontext, zeitlich ambi- oder sogar  plurivalent sein. Que llegara kann sich sowohl auf die Vergangenheit, wie  auch auf die Gegenwart und Zukunft beziehen: Quería que llegara. 

L'idée vient que le mode subjonctif serait le mode du temps amorphe, non divisible en époques et le mode indicatif, le mode du temps formé, nettement réalisé. (Guillaume, G.)

Ich glaube nicht, dass man so weit gehen kann wie Guillaume, dass man vor allem die zeitliche Bestimmtheit oder Unbestimmtheit als das jeweils Wesentliche der beiden Modi bezeichnen könnte (auch das Präsens des  Indikativs kann z.B. futurische Bedeutung annehmen), doch steht fest, dass  die Zeiten des Indikativs eine größere temporale Aktualisierungskraft haben als die des Konjunktivs.

Man kann mit Brunot-Bruneau sagen, dass die Zeiten des Konjunktivs, im  Gegensatz zu denen des Indikativs, nur relativen Charakter haben und  abhängig von der Zeit des übergeordneten Satzes sind. 

Le subjonctif présent et le subjonctif imparfait sont tous les deux, du point de vue temporel, des présents-futurs, mais le premier met le subjonctif dans la perspective d'un verbe principal au présent et au     futur, le second das la perspective d'un verb principal au passé; le subjonctif passé  et le subjonctif plus-que-parfait sont tous les deux des passés, mais le premier met le subjonctiv dans la perspective d'un verbe au présent ou au futur, le second dans celle d'un passé. (Imbs,  Temps, S. 181)" [Schifko, Peter, 1967, S.  126-127]

Das Präsens des Konjunktivs. Kontrastive Betrachtung Sp. - Fr.

"Das Präsens Konjunktiv drück im Sp. und Fr. eine aktuelle oder überzeitliche Gegenwart aus. Außerdem muss diese Zeit auch die Funktion  des Ausdrucks zukünftiger Ereignisse ausüben, da eine entsprechende Form  des Futurums des Konjunktivs fehlt; auch die spanische -re- Form kann nicht  als vollgültiges Futurum des Konjunktivs angesehen werden: Es fácil que  volvamos a vernos. Diese futurische Bedeutung tritt vor allem nach Ausdrücken des Wollens oder der Möglichkeit auf.

Das Präsens ist in beiden Sprachen die stärkste Zeit des Konjunktivs. Es  ist so stark, dass es im Fr., in der gesprochenen Sprache vor allem, aber  auch im literarischen Stil, der sie nachahmt, das Imperfektum des  Konjunktivs ersetzen kann. Dieser Gebrauch hat zwei Gründen: 

a) Die Schwäche des Imperfekts im Französischen und

b) der Charakter des Imperfekts  als Tempus der Gleichzeitigkeit, das auf diese Weise leicht zu einem "relativen Präsens" werden kann, was  den Ersatz durch das Präsens erleichtert.

C'est pourquoi j'ai toujours toléré que le roi, votre père, ait des  maîtresses.

Por eso, siempre lo toleré al rey, tu padre, que tuviese amantes.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Spanische die Substituierung des Imperfekts  des Konjunktivs durch das Präsens nicht kennt. Das Spanische kennt diesen  Gebrauch der Formen des Konjunktivs nicht oder nur in sehr eingeschränktem  Masse, da es in dieser Sprache keine Krise des Imperfekts des Konjunktivs  gibt. Am ehesten ist die Substitution noch nach einem Konditional möglich,  oder wenn sich die Handlung des Nebensatzes logisch nur auf die absolute  Gegenwart oder Zukunft des Sprechenden beziehen kann:

Lo mejor sería - decía Carolina - que le entre la vocación religiosa.

Yo no quise que hagan semejante barbaridad.

Allerdings ist der Gebrauch des Präsens des Konjunktivs nach einem  zusammengesetzten Perfekt, das in der Zeitenfolge ja allgemein sowohl als Vergangenheits- als auch als Gegenwartszeit behandelt wird, sehr häufig:

Todas las grandes épocas del arte han evitado que la obra tenga en lo humano su centro de gravedad. (Ortega)" (Schifko, P., 1967, S. 127-129)

Das Imperfektum des Konjunktivs. Kontrastive Betrachtung Sp. - Fr.

"Das Imperfekt des Konjunktivs entspricht mit seinem iterativen und  durativen Aspekt dem Imperfekt des Indikativs. Es drückt vor allem eine mit  der Handlung des Hauptsatzes gleichzeitige Handlung aus, meistens auf der  Zeitstufe der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart und sogar in der  Zukunft: "El imperfecto de subjuntivo expresa una acción pasada, presente o  futura, cuyos límites no nos interesan." (Gili y Gaya, Curso superior de  sintaxis, S.177)

Era curioso que le plantearan aquellos problemas.

A pesar de ello, yo propuse que quemáramos la maleza del interior.

Das Imperfektum drückt auch die Gleichzeitigkeit in der absoluten Gegenwart oder Zukunft aus, wenn im übergeordneten Satz ein Konditional steht:

Lo mejor sería que yo no fuese a la tertulia, pero mi padre se empeña en que vaya.

Dieser Gebrauch gehört der gepflegten Sprache an; volkstümlicher wird hier das Präsens des Konjunktivs verwendet, besonders im Französischen.

Der Ausdruck der Vorzeitigkeit mit Hilfe des Imperfekts ist im Französischen sehr selten, im Spanischen aber recht häufig:

No es casual que la primera obra poética importante de un español, la "Farsalia" de Lucano, cantara un vencido. (Ortega)

Normalerweise wird in diesem Falle das zusammengesetzte Perfekt verwendet,  im Französischen in höherem, im Spanischen in geringerem Masse:

A vrai dire, il est difficile de supposer que ces actes aient été prémédités.

A decir verdad, es difícil suponer que esos actos fuesen premeditados.

Das Imperfektum kann im Fr. auch einen Konditional der direkten Rede vertreten, im Sp. überhaupt jede Art von Konditional.

Je croyrais qu'il partirait - Je ne croyais pas qu'il partît.

Im Spanischen wird dazu in erster Linie die -ra- Form verwendet; sehr  selten findet sich auch die -se- Form:

Estos animalitos con sorpresa ... debieran vivir en granjas especiales ..., en estas granjas modelo, los internados deberían morir siempre de viejos. (Cela)

Das Beispiel zeigt, dass Konditional und -ra- Form im Spanischen vollkommen  austauschbar sind und aus stilistischen Gründen alternieren. In der  Umgangssprache überwiegt sogar die -ra- Form in der Funktion eines Konditionals. Die spanische -ra- Form hatte schon im Lateinischen als  Plusquamperfekt des Indikativs hypothetischen Charakter und wurde schon  vor der Entstehung des Konditionals im Nachsatz der hypothetischen Periode  verwendet.

Schliesslich hat das Imperfekt des Konjunktivs als solches auch oft den  modalen Wert der Irrealität in der Gegenwart, im Französischen fast nur  mehr in den starren Formeln plût à Dieu usw., im Spanischen jedoch viel  häufiger:

¡Quién fuera en él!

ruft ein Mädchen beim Anblick eines vorüberfliegenden Flugzeuges aus. 

¿Podría usted hacer que entrase un camello por el ojo de una aguja?

Pues figúrate que llegase a quererlo.

(Fr. Übersetzung: Eh bien! imagine un peu que je parvienne à l'aimer. )

Im Französischen ist allgemein zu sagen, dass das Imperfekt des Konjunktivs  eine sterbende, wenn nicht schon tote Zeit ist. Es ist in der gesprochenen  Sprache schon völlig verschwunden und der literarische Sprachgebrauch kennt  diese Form fast nur noch bei den Verben avoir und être und die Form der 3.  Person Sg. bei den anderen Verben; man kann also von einer syntaktisch  defektiven Form sprechen. Sie wird meistens durch das Präsens des  Konjunktivs ersetzt. Wesentlich dürfte die Dekadenz des passé simple,  dessen Formen denen des Imperfekts des Konjunktiv ähneln, zu dieser  Entwicklung beigetragen haben. Immerhin ist eine gewisse literarische  Lebenskraft dieser Form unbestreitbar.

Im Spanischen gibt es nicht nur keine Krise des Imperfekts des Konjunktivs,  sondern sogar zwei verschiedene Formen davon. Die eine entstand, wie auch  im Französischen, aus dem lateinischen Plusquamperfektum des Konjunktivs: amavissen > amassem > aimasse  (auf Umwegen) bzw. amase. Die zweite hat  das lateinische Plusquamperfektum des Indikativs als Ursprung: amaveram  > amaram > amara. Die Entwicklung von einem Plusquamperfekt des Indikativs zum Imperfektum des Konjunktivs ging allerdings nur allmählich vor sich. Noch im Cid drückt diese Form regelmäßig die Vorzeitigkeit in der  Vergangenheit aus: Fizo enbiar por la tienda que dexara allá. Nach und nach  setzt sich der Gebrauch als Konjunktiv jedoch durch und im 14. und 15. Jh.  ist der Gebrauch als Indikativ schon selten, der allerdings in der  romantischen Periodo wieder belebt wurde und heute noch in der modernen Literatur und in der Zeitungssprache, vor allem in Lateinamerika, möglich  ist:    

El Corregidor, que observara aquella pantomima, quedóse hecho una pieza. 

Daneben existiert noch die Funktion als Plusquamperfektum des Konjunktivs. So bezeichnet Nebrija in seiner Grammatik vom Ende des 15. Jh. die -ra- Form noch als Plusquamperfektum ("más acabado") des Konjunktivs. 

Sehr selten ist heute der Gebrauch der -ra- Form als zusammengesetzte Form  des Konditionals:

¡Nunca pensara, Demetria, que me habías de dar un disgusto tan grande!   

Unterschied zwischen der -se- Form und -ra- Form:

Die -se- Form hat, wie im Französischen, schon sehr früh ihren  plusquamperfektivischen Charakter verloren und ist zu einer einfachen  Vergangenheitszeit des Konjunktivs geworden. Analog zur -ra- Form ersetzt  sie ebenfalls manchmal den Konditional, jedoch viel seltener. Diese Gebrauchsweise wird von vielen Forschern als unkorrekt abgelehnt.  Indikativische Funktionen hat diese Form naturgemäß nie gekannt.

Ansonsten sind beide Formen frei austauschbar. Wenn zwei Imperfekta des Konjunktivs hintereinander folgen, wechseln sie meistens miteinander ab, um  eine stilistisch unschöne Wiederholung zu vermeiden:

De ahí que en el piso el misterio fuese alegre y que para crear intimidad    fuera preciso cerrar todas las puertas. (Gironella)

Bolinger meint, die -se- Form sei allgemeiner, objektiver und farbloser als  die -ra- Form. Es wäre möglich, dass man die -ra- Form als subjektiver,  affektiver und vor allem desiderativer empfindet als die -se- Form.  Tatsächlich ist die -ra- Form in der affektbetonteren Umgangssprache weit  häufiger anzutreffen als die -se- Form.

Häufigkeit des Vorkommens beider Formen:

Wright hat in seiner statistischen Untersuchung festgestellt, dass im 12.  und 13. Jh. die -se- Form fünfmal öfter gebraucht wurde als die -ra- Form,  die in 75 Prozent aller Fälle den Wert eines Plusquamperfekts des Indikativs  hatte; die restlichen 25 Prozent wurden in der Apodosis der irrealen  hypothetischen Periode gebraucht. Im Laufe der Entwicklung der Sprache  nahmen die -se- Formen nach und nach immer mehr ab und im modernen Spanisch  dürfte die -ra- Form schon auf Grund ihrer größeren Verwendungsbreite  überwiegen.

In Lateinamerika ist die -se- Form aus der gesprochenen Sprache  weitgehend verschwunden und wird nur noch literarisch gebraucht. Im großen  und ganzen ist dazu zu sagen, dass hier oft persönliche Vorliebe  stilistische Gründe und regionale Differenzierungen maßgebend sind." (Schifko, P., 1967, S. 129-134)  

Das Plusquamperfekt des Konjunktivs. Kontrastive Betrachtung Sp. - Fr.

"Das Plusquamperfekt drückt, neben der Vorzeitigkeit in der Vergangenheit,  ungefähr die gleichen Nuancen aus wie das Imperfekt. Insbesondere ist hier  die Ersetzung der zusammengesetzten Form des Konditionals auch im  Französischen möglich und im literarischen Sprachgebrauch auch relativ  häufig: 

Qui eût résisté à cette puissance d'affirmation? 

Im Spanischen wird beim Plusquamperfekt noch am ehesten die -se- Form als  Konditionalersatz verwendet:

Creo que hubiese podido soportar la situación hasta llegar a Cercadilla.

Hubiese querido cogerla entre mis brazos y apretar, apretrar hasta ... 

Die weit häufigere Form ist aber auch hier die auf -ra-

Eng damit im Zusammenhang, also meist bei kondtionalem Sinn, steht der Ausdruck der Vorzeitigkeit auf der Gegenwartsstufe durch das  Plusquamperfekt des Konjunktivs:

(Französisch) Mais il es douteux que l'écrivain eût rompu dans les  derniers chapitres l'unité de son roman. 

Auch im Spanischen:

No creo que hubiera podido hacerlo.

als Ausdruck einer vergangenen und somit irrealen Eventualität." (Schifko, P., 1967, S. 134)

Das Perfekt des Konjunktivs. Kontrastive Betrachtung Sp. - Fr.

"Das Perfekt des Konjunktivs drückt die Vorzeitigkeit in Bezug auf die Gegenwart und Zukunft, sowie, seltener, in Bezug auf die Vergangenheit aus,  mit perfektivem Aspekt:

Franz. Se peut-il qu'il ait caché cela six ans!

Span.  Se comprende que el arte del siglo XIX haya sido tan popular.

Nada que de veras me haya propuesto he dejado de conseguir.

Es kann sich aber auch darauf beschränken, nur den Aspekt der Vollendung einer Handlung auszudrücken und kann sich dann auch ohne weiteres auf die  Zukunft beziehen:

Franz. Attendez que je lui aie parlé  

Span. Espera (hasta) que le haya hablado." (Schifko, P, 1967, S. 134f)

Das Futurum und Futurum exactum des Konjunktivs

"Der Ursprung dieser im Französischen nicht existierenden Formen ist das  lateinischen Futurum exactum, wobei allerdings auch das Perfekt des  Konjunktivs eine gewisse Rolle gespielt haben dürfte; also amavero,  amaverim über Umwege zu amare. Diese Formen, die in der älteren Sprache  durchaus häufig waren, verloren schon im Spätlatein ihre Funktion der  Angabe der Vorzeitigkeit in der Zukunft.

Im Spanischen wird diese Verbalform "futuro hipotético" oder "futuro  perfecto de subjuntivo" genannt und behält ziemlich genau die Funktion, die  sie schon im Spätlatein innehatte, nämlich Ausdruck der Eventualität in der  Zukunft oder Gegenwart, ja sogar in der Vergangenheit.

Das futuro hipotético wird im modernen Spanisch kaum mehr verwendet, vor  allem noch in Gesetzestexten und amtlichen Verlautbarungen und ist auf mehr  oder weniger erstarrte Formeln des Hauptsatzes sowie auf einige  Anwendungsmöglichkeiten im Relativ-, Temporal- und Konditionalsatz beschränkt. Die sekundär geschaffene zusammengesetzte Form hubiere amado  hat dieselbe Bedeutung wie die einfache Form amare, drückt also  Eventualität aus, wozu noch die temporale Beziehung der Vorzeitigkeit kommt. Aus sie ist im Neuspanischen ziemlich ungebräuchlich.

Sea lo que fuere y resulte lo que resultare, el síntoma de los zahoríes esplegando en guerrilla no es un síntoma bueno. (Cela)

De esos tres ruidos, oiréis más claro el que quisiereis; las orejas nos obedecen. (Miró)

Bienaventurados cuando os ultrajeren y persiguieren y dijeren todo el mal de vosotros.  (Valera)

In der gesprochenen Sprache ist die -re- Form überhaupt schon ganz ausgestorben. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass alle Konjunktivformen  sich auf die Zukunft beziehen können, wodurch die -re- Form überflüssig  wurde. 

Todos los tiempos del subjuntivo son aptos para expresar acción futura, y por consiguiente han ido haciéndose innecesarios los futuros  hipotéticos. (Gil y Gaya, Curso de sintaxis ..., S. 183)

Auf Grund der Schwäche der -re- Form, um es anders auszudrücken, wurde  nicht nur das Präsens des Konjunktivs in seiner futurischen Funktion  gestärkt, sondern es konnten sogar die -ra- und -se- Form in diese Position  eindringen, die ihnen ursprünglich gar nicht zukam:

Si acaso vieres / vieras / vises que mi enfermedad se agrava, no me lo ocultes." (Schifko, P., 1967, S. 135-136)

Zusammenfassend 

"Das Spanische besitzt zwei Verbalformen, die das Französische nicht hat, nämlich die -ra- und -re- Form, während das Französische überzusammengesetzte Formen hat, die jedoch keine besondere Rolle spielen. 

Im Spanischen werden alle Formen des Konjunktivs, außer der -re- Form und  der entsprechenden zusammengesetzten Form, normal verwendet, während im  Französischen das Imperfekt nur mehr ein literarisches Dasein fristet. 

Phonetisch gesehen sind die spanischen Formen allgemein klarer und differenzierter, weswegen, im Gegensatz zum Französischen, auch die  Voranstellung des que und der obligatorische Gebrauch der Personalpronomen  nicht notwendig ist." [Schifko, P., 1967, S. 136]

Historisch-kontrastive Betrachtung Sp. - Fr.:

"Der Konjunktiv nach deklarativen Ausdrücken hat eine ähnlich lange  Geschichte wie der nach den Ausdrücken des Wollens. Der lateinische  Normaltypus ist der AcI: Credo terram esse rotundam. Sehr bald tauchen aber  auch Konstruktionen mit einem persönlichen Modus auf; im klassischen Latein  ist der Gebrauch wechselnd, wobei schon im Lateinischen die Verneinung bei  der Moduswahl eine Rolle gespielt haben dürfte. In der alten französischen  und spanischen Sprache, ist es durchaus so, dass bei affirmativem Gebrauch  überwiegend der Indikativ, bei negativem, eingeschränktem und fragendem  Gebrauch hingegen der Konjunktiv steht, wobei für jede Untergruppe  Unterschiede zu machen sind.

Ausdrücke der Beurteilung: Im Altfranzösischen steht der Indikativ. Doch  existieren auch Fälle mit dem Konjunktiv, besonders bei  Zukunftsbezogenheit. Dieser Zustand erhält sich bis ins 16. Jh.; es bleibt,  vor allem im Spanischen, die Zukunftsbezogenheit der Aussage wesentliche  Bedingung für das Auftauchen des Konjunktivs bei affirmativem Gebrauch.  Erst im 17., 18. Jh. scheint sich der Konjunktiv in beiden Sprachen selbst  nach affirmativem Ausdrücken der Bewertung generell durchzusetzen. Bei  verneinter Konstruktion findet sich der Konjunktiv seit ältester Zeit.

Ausdrücke des Wissens und der Wahrnehmung: Hier ist der Modusgebrauch seit jeher konsequent. Bei affirmativen Ausdrücken steht der Indikativ,  ansonsten der Konjunktiv.

Ausdrücke des Sagens, Meinens und Glaubens: Während im Altfranzösischen bis  einschließlich 17. Jh. der Konjunktiv ein irriges oder abgelehntes Glauben  ausdrückt, ist das im Neufranzösischen kaum noch der Fall. Es handelt sich  hier um ein Weiterwirken des lateinischen Konjunktivs der kritischen  Unterordnung in der indirektem Rede, wenn eine fremde oder nicht als  zutreffend akzeptierte Meinung wiedergegeben wird. Diese Modalität ist im  modernen Spanischen noch etwas besser erhalten als im Französischen. 

Ich möchte nochmals festhalten, dass es sich bei diesen verschiedenen  Erklärungsversuchen des Gebrauchs des Modus um die Angabe der konkreten  Modalität, des konkreten und unmittelbaren Wertes des Modus handelt  (Zweifel, irrige Annahme, etc.), die nicht mit dem Grundwert des Modus  verwechselt werden darf.

Der Grundwert jedoch, der alle Gebrauchsarten umfasst und allen  zugrunde liegt, ist immer der gleiche: Der Indikativ gibt die Aussage des  Kompletivsatzes in ihrer Konkretheit und Realität wieder, wobei der Akzent  der Gesamtaussage auf dem Nebensatz liegt, während der Konjunktiv dann  erschient, wenn der Gehalt des que- Satzes nicht in seiner Konkretheit,  nicht als Realität erfasst wird - was nicht mit Irrealität verwechselt  werden darf -, wobei der Akzent der Aussage auf dem übergeordneten Satz  liegt, oft schon deswegen, weil der Inhalt des que- Satzes schon bekannt  ist, weil davon schon vorher die Rede war und als etwas Neues nur die  Beurteilung oder Reaktion des Subjektes des Hauptsatzes dazukommt. Wie  anders könnte der Gebrauch des Konjunktivs einem Satz wie (franz.) Je  comprends qu'il en soit ainsi - (span.) Comprendo que la cosa sea como tú  dices  erklärt werden? Hier ist Zweifel oder Unsicherheit nicht möglich." 

[Schifko, S. 62-65]

Ver también:

"Comparación de los usos del imperfecto francés con los del español".

En: García Yebra, V.: Teoría y práctica de la traducción. Madrid: Gredos, ²1984, Bd. 1, S.162-169.